Angst vor Nähe in der Beziehung: Anzeichen & Ursachen

Angst vor NäheDie meisten Menschen wünschen sich nichts sehnlicher als eine erfüllende Liebesbeziehung, die ihnen Geborgenheit und Sicherheit gibt. Man lernt sich kennen, fühlt sich zueinander hingezogen, entdeckt Gemeinsamkeiten, verliebt sich leidenschaftlich, aber statt sich zu freuen und die Beziehung zu genießen, fühlen sich manche Menschen aus scheinbar unerklärlichen Gründen plötzlich unwohl mit der Nähe des Partners, ziehen sich zurück, werden unzuverlässig bei  Verabredungen oder tauchen ohne Erklärungen gänzlich ab. Zurück bleibt ein Partner, der die Welt nicht mehr versteht, es war doch gerade so schön… Es kann eine diffuse Angst vor Nähe sein, die jemanden gerade dann flüchten lässt, wenn es am schönsten ist. Aber auch wenn jemand immer nur Affären hat, aber keine richtige Beziehung eingeht oder Dauersingle bleibt,  kann eine Bindungsangst dahinter stecken. Selbst bei Paaren, die jahrelang in destruktiven Beziehungen ausharren, ohne sich zu trennen, oder bei Dreiecksbeziehungen kann eine Bindungsangst zugrunde liegen. Die Ängste sind diffus, nicht greifbar. Betroffene spüren durch die Nähe des Partners ein Unbehagen und fühlen sich eingeengt bis hin zu körperlichem Unwohlsein und Panikattacken. Die Ursachen können sowohl in Kindheitserlebnissen liegen, wo man von seinen Bezugspersonen abhängig war und diese als sehr übergriffig erlebt hat. Oft spielen aber auch seelische Verletzungen aus früheren  Beziehungen eine Rolle.  

Anzeichen für Bindungsangst

Ein Unbehagen, sich auf eine Beziehung einzulassen, muss nicht immer eine echte Bildungsangst sein. Manchmal ist man sich einfach nicht sicher und spürt das intuitiv. Dann hat die Bindungsangst ihren Sinn. Wenn man an sich oder seinem Partner aber die folgenden Anzeichen erkennen kann, könnte eine echte Bindungsangst vorliegen:
  • Emotionaler Rückzug: Man ist zwar körperlich anwesend, entzieht seinem Partner aber emotionale Nähe und Liebe, bleibt innerlich auf Distanz,  lässt den Partner quasi am ausgestreckten Arm verhungern, Erwartungen des Partners werden immer wieder enttäuscht.
  • Flucht in Arbeit/Hobbies: Um sich vor Nähe zu schützen, flüchten sich Bindungsängstliche gern in die Arbeit oder zeitintensive Hobbies. Entscheidend ist, dass Arbeit oder Hobby Priorität vor dem Partner haben.
  • Räumliche Distanzierung: Nicht selten schaffen sich Menschen mit Bindungsängsten auch räumliche Hürden. Sie suchen z. B. einen Partner über das Internet, gehen von vornherein Fernbeziehungen ein, bei denen nicht die Gefahr von zu viel Nähe besteht oder suchen sich eine Arbeit, bei der sie viel unterwegs sein müssen.
  • Dauersuche nach Mr. oder Mrs. Right: Eine beliebte Abwehrstrategie von Bindungsängstlichen ist auch, dass sie bisher einfach Pech hatten und nur nicht den richtigen Partner gefunden haben. Aber wenn man genauer hinschaut, kann es ihnen kein Partner recht machen, egal wie attraktiv, charmant oder erfolgreich er ist, meistens dann, wenn er ihnen zu nahe kommt.
  • Sexueller Rückzug als Beziehungsverweigerung: Emotionaler Rückzug kann sich auch durch den Rückzug aus der Sexualität äußern. Zu Beginn der Beziehung verbindet die Partner noch eine leidenschaftliche Sexualität, aber sobald der aktiv Flüchtende sich irgendwie vereinnahmt fühlt, schwindet die sexuelle Lust und der Partner verliert seine Anziehung. Bei manchen entwickelt sich auch eine ambivalente Logik mit Argumenten wie „Ich liebe Dich noch, aber im Bett läuft es nicht mehr richtig“ oder „Ich will Sex mit Dir, aber keine feste Beziehung.“ Sexualität ist die Kraft in einer Beziehung, die am stärksten bindet. Sie kann ein Paar stark verbinden, aber auch trennen, wenn sie von einer Seite verweigert wird. Manche Bindungsängstliche lassen sich auf körperliche Nähe ein, verweigern aber sonst emotionale Nähe.
  • Rückzug durch Fremdgehen oder Dreiecksbeziehungen: Menschen mit Bindungsangst neigen häufig zur Untreue. Sie haben Angst, vom Partner vereinnahmt zu werden, wenn sie sich richtig auf eine Beziehung einlassen. Deshalb legen sie sich nicht gern fest. Untreue kann eine solche Vermeidungsstrategie sein. Durch einen Seitensprung oder ein Dreiecksverhältnis wird zum eigentlichen Partner eine Distanz hergestellt und das Unwohlsein lässt nach. In diese Kategorie fällt auch das Verleugnen einer Beziehung vor Freunden oder Verwandten.
  • Flucht in Regeln oder Grenzen: Menschen mit Angst vor Nähe muten ihren Partnern häufig starre Grenzen zu, so dass diese das Gefühl haben, vom Leben des anderen ausgeschlossen zu sein.  Bindungsängstliche brauchen das Gefühl von Kontrolle über Nähe und Distanz. Die Vorstellung, für immer mit ihrem Partner zusammen zu sein, macht ihnen Angst.
  • Flucht durch Wegstoßen: Eine wirksame, eher passive Strategie ist das Wegstoßen des Partners, indem man durch sein Verhalten dafür sorgt, dass der Partner sich zurückzieht oder trennt, weil man dem Partner nicht aktiv wehtun möchte. Oft ist es eine Mischung aus Weglaufen und Wegstoßen.

Woher kommt die Angst vor Nähe?

Distanz in der BeziehungMeistens ist den Betroffenen gar nicht bewusst, dass es diffuse Ängste sind, die es ihnen schwer machen, die Nähe zum Beziehungspartner auszuhalten.
  • Angst, abgelehnt zu werden
  • Versagensängste
  • Angst vor zu viel Verantwortung
  • Angst, ausgenutzt zu werden
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Angst, sich lächerlich zu machen
  • Angst vor Bevormundung und Vereinnahmung durch den Partner
All diese Ängste sind nicht angeboren, sie resultieren aus den Erfahrungen, die im Laufe des Lebens gemacht wurden. Wer die Erfahrung gemacht hat, so wie er ist, abgelehnt zu werden, tut sich schwer, jemandem zu vertrauen. Wenn man enge Beziehungen erlebt hat, z. B. in der Kindheit oder in früheren Liebesbeziehungen, in denen man bevormundet und vereinnahmt wurde, wird später umso mehr auf die eigene Autonomie achten und Schwierigkeiten haben, sich auf jemanden richtig einzulassen, weil man Enge mit Kontrolle und Unfreiheit verbindet. In einer engen Beziehungen ist es eine klare Abgrenzung schwieriger als in anderen Beziehungen, weil man nicht enttäuschen möchte. Wer erlebt hat, dass Nähe mit Schmerz verbunden ist, wird sich später nicht leicht tun, jemanden wieder nah an sich heranzulassen. Auch das Vorbild der elterlichen Beziehung kann eine Rolle spielen. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass in unserer heutigen Gesellschaft, die sehr stark auf Selbstoptimierung und Perfektion ausgerichtet ist,  Bindungsangst immer mehr zunimmt. Der Druck, immer gut drauf sein zu müssen und das Optimale aus seinem Leben herauszuholen schürt geradezu die Angst, nicht gut genug zu sein.  

Wie kann man mit der Angst vor Nähe umgehen?

Junges PärchenMenschen gehen unterschiedlich mit Beziehungsängsten um. Die einen flüchten sich in ständig wechselnde Beziehungen, andere bleiben dauerhaft Single, wieder andere sind frustriert, weil es dann doch wieder nicht Mr. oder Mrs. Right war und hoffen auf das nächste Mal. Wer aber eine auf Dauer erfüllende Beziehung erleben will, muss sich seinen Ängsten stellen und Wege finden, mit ihnen umzugehen, sei es mit dem Partner gemeinsame Wege zu suchen oder sich fachkundige Hilfe zu suchen. Wer Angst vor Vereinnahmung hat, muss lernen, sich angemessen anderen gegenüber abzugrenzen und zu behaupten. Das ist nicht leicht vor dem Hintergrund, das man seine Bezugspersonen nicht enttäuschen möchte.  Beziehungen entstehen dadurch, dass man sich aufeinander bezieht und es ist wichtig, seine eigenen Bedürfnisse in Beziehungen einzubringen. Nur so kann die Angst vor Vereinnahmung zurückgehen. Interessenskonflikte lassen sich in keiner Beziehung vermeiden, aber für Beziehungsängstliche, die unter der Angst vor Vereinnahmung leiden, ist es besonders wichtig, die Erfahrung zu machen, dass sie mit ihren Bedürfnissen angenommen werden und ihnen der Druck genommen wird, dem Partner alles recht machen zu müssen aus Angst vor Liebesentzug. Die Angst vor Vereinnahmung kann auch nachlassen, wenn der Bindungsängstliche das Gefühl hat, sich ohne schlechtes Gewissen ab und zu zurückziehen zu können. Für Menschen, die Angst davor haben, Fehler zu machen, ist die Erfahrung wichtig, dass sie Fehler machen dürfen und trotzdem geliebt werden. Eine Therapie kann, muss aber nicht immer sinnvoll sein, denn sie gibt Betroffenen auch wieder das Gefühl, so wie sie sind, nicht richtig zu sein und “geheilt” werden zu müssen. Aber gerade das Gefühl des Angenommenseins braucht es, um sich in einer Beziehung zu Hause zu fühlen. Ein verständnisvoller Partner kann viel dazu beitragen, dass Bindungsängste reduziert werden. Ob jemand etwas gegen seine Ängste unternimmt, hängt sicherlich sehr von seinem persönlichen Leidensdruck ab. Nur wer eine richtige Beziehung vermisst, wird vermutlich bereit sein, sich seinen Ängsten zu stellen und neue Wege zu wagen.

Schüchterne Männer – und wie Frauen beim Kennenlernen mit ihnen umgehen können

Schüchternheit ist zuweilen eine große Bürde, besonders für die Betroffenen selbst. Schüchterne Menschen fallen in der Regel im Alltag kaum auf, ob beim Gang über den Markt, im Café, bei der Arbeit oder beim abendlichen Kneipenbesuch. Es ist auch kein Wunder, denn anders als extrovertierte Zeitgenossen meiden sie es, in Situationen zu geraten, in denen sie auffallen könnten. Besonders herausfordernd ist es daher auch für schüchterne Männer, Frauen kennenzulernen. Studien zufolge geben Männer auch häufig Schüchternheit als Grund dafür an, über lange Zeit keine Beziehungen eingehen zu können. Gerade die ersten Schritte wie das Herstellen von Augenkontakt, das Ansprechen und vor allem das Flirten gelingen schüchternen Männern besonders schwer. Diese Schritte liegen dann in der Hand der Frauen. Aber: Frauen können Signale schüchterner Männer oft schwer einschätzen, halten sie nicht selten für abweisend oder gar arrogant. Es gibt jedoch einige recht einfachen Regeln die man beachten kann, um das Eis zu brechen.

Schüchternheit verstehen

Studien schätzen den Alteil schüchterner Männer erstaunlich hoch ein – die Angaben schwanken hier zwischen 40 – 60% aller Männer und damit sogar höher als den Anteil schüchterner Frauen. Im allgemeinen Sinne verstehen wir unter Schüchternheit eine Scheu, Ängstlichkeit oder Unsicherheit in sozialen Situationen. Das knüpfen zwischenmenschlicher Beziehungen fällt schüchternen Menschen oft besonders schwer, sie reagieren hier mit Verunsicherung und meist mit starker Zurückhaltung. Das Aufrechterhalten von Blickkontakt, das Sprechen über sich selbst, das proaktive Gestalten sozialer Beziehungen mit unbekannten oder (noch) nicht vertrauten Personen wird häufig zu einer schwer überwindbaren Herausforderung. Schüchternheit wird meist als eine Charaktereigenschaft eher introvertierter Menschen beschrieben, die ihren Blick verstärkt auf sich selbst und die inneren Vorgänge in ihrer eigenen Person richten und weniger auf die Personen um sie herum. Das ist an sich erst einmal nichts negatives oder problematisches, solange es soziale Beziehungen nicht in einem erheblichen Maße einschränkt und dadurch zu einem starken Leiden für die betroffenen selbst führt. Eine solche Einschränkung, verbunden mit einem erheblichen subjektiven Leidensdruck würde dann auch nicht mehr nur als Schüchternheit bezeichnet, sondern möglicherweise als Soziale Phobie. Die meisten Fälle von Schüchternheit beziehen sich aber auf wenige bestimmte Situationen wie zum Beispiel auf öffentliche Auftritte, Vorträge oder aber häufig auf den Kontakt mit “dem anderen Geschlecht”.

Die meisten Fälle von Schüchternheit beziehen sich auf bestimmte Situationen – wie den Kontakt mit “dem anderen Geschlecht”.

All diesen Situationen ist eines gemeinsam: sie bewirken bei den Betroffenen typische Stressreaktionen. Nahezu jeder war selbst schon in einer solchen Situation – wie beispielsweise einer Prüfung oder einem wichtigen Meeting, in welchem eigene Interessen durchgesetzt werden müssen. Auch wenn man weiß, dass rein objektiv betrachtet nichts passieren kann: Herzklopfen, Unsicherheit, möglicherweise Schwitzen, zittrige Hände oder gar starke Selbstzweifel können auftreten, ohne dass man diese selbst gut kontrollieren kann. So ist es gerade für schüchterne Männer auch oft sehr schwierig, Kontakt zu Frauen, mit denen sie noch nicht vertraut sind, herzustellen. Viele haben einen sehr kritischen Blick auf sich selbst, befürchten, aufgrund ihrer Art oder ihrer Eigenschaften abgelehnt zu werden, “falsch rüberzukommen” – und riskieren es häufig lieber garnicht erst, in eine solche Situation zu geraten. Dabei kann es passieren, dass gerade besonders unsichere Männer, die ihre Schüchternheit verbergen oder überspielen wollen, ganz anders wirken. Es kann passieren, dass ihnen Desinteresse oder gar Arroganz unterstellt wird, obwohl ihr Verhalten nur ein Mittel ist, um Unsicherheit zu überspielen.

Typische Reaktionen und Gedanken schüchterner Männer:

  • Stressreaktionen wie Schwitzen oder Zittern
  • “Verhaspeln” während des Redens
  • nicht wissen, was man sagen soll
  • Starkes Nachdenken über die eigene Wirkung
  • das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen
  • Angst vor Ablehnung oder Zurückweisung
  • Angst, sich lächerlich zu machen
  • Gedankenkreisen
Hinzu kommt, dass von Männern – trotz allen Wandels der Geschlechterverhältnisse – nach wie vor eher als von Frauen erwartet wird, die ersten Schritte des “aktiven” Flirtens oder Ansprechens zu übernehmen. In der Wissenschaft spricht man hier auch von unbewussten oder unterbewussten Rollenerwartungen. Was den Kontakt zu schüchternen Männern angeht, ist es hilfreich, diese zu verstehen.

Noch immer wird von Männern eher als von Frauen erwartet, den ersten Schritt zu machen

Flirtgespräch

Flirtgespräch

Solche unterbewussten Rollenerwartungen sind bei den meisten Menschen noch mehr oder minder ausgeprägt vorhanden. Zwar sind diese Erwartungen schon seit längerer Zeit im Inbegriff, sich zu verändern – so fällt uns beispielsweise eine Frau, die proaktiv auf Menschen – oder in diesem Falle auf Männer – zugeht, oft nicht mehr als besonders außergewöhnlich auf. Jedoch sind mit diesem Wandel die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Kontaktaunahme noch längst nicht behoben, denn unser Unterbewusstsein hat oft mehr als nur einen doppelten Boden. So fällt uns bei aller angenommenen Gleichberechtigung ein Mann, der vielleicht eben nicht aktiv auf Frauen zugeht, auch nicht als jemand auf, der Interesse bekundet. Oder anders ausgedrückt: Ein Mann, der in einer Bar keinen Blickkontakt herstellt, nicht von sich aus auf eine Frau zugeht und sie anspricht, möchte das auch wahrscheinlich bewusst nicht tun – so unsere Unterstellung. Bei Frauen geht man in solchen Situationen noch viel eher davon aus, dass sie, auch wenn sie dies nicht direkt signalisieren, angesprochen werden möchten. Nach wie vor gilt für viele unterbewusst: Männer erobern, Frauen werden erobert. Hier geht der Appell besonders an die Damenwelt, auch bei denjenigen Herren den ersten Schritt zu wagen, die nicht von sich aus Offenheit signaisieren. Nur wie kann dies gelingen, wenn man es tatsächlich mit einem schüchternen Mann zu tun hat?

Wie verhalten bei schüchternen Männern?

Zunächst ist es wichtig, Schüchternheit zu verstehen. Diese Charaktereigenschaft ist an sich kein Makel. Sie ist auch nichts, was dauerhaft und unveränderbar an einer Person haftet. Oft brauchen Schüchterne einen Anstoß, der ihnen hilft, die ersten Hürden zu bewältigen. Denn schüchternes Verhalten bezieht sich auf den Umgang mit nicht vertrauten oder unbekannten Personen – in diesem Falle Frauen. Jedoch gilt vor allem zu sehen, das kontaktscheue Männer nicht deshalb gleich uninteressiert, Beziehungs- oder gar Liebesscheu sind. Sie sind lediglich zu Beginn auf mehr Einsatz von der weiblichen Seite angewiesen. Natürlich kann es kein allgemeingültiges Rezept geben, das bestimte Formen von Schüchternehit benennt und anschließend wirksame “Eroberungstaktiken” beschreibt. Trotzdem können sich einige Ratschläge als wirksam erweisen, um die ersten Kontakte erfolgreich zu gestalten:
  • Den ersten Schritt wagen Da schüchterne Männer von sich aus aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf sie zugehen werden, wagen sie den ersten Schritt – sprechen sie ihn an.
  • Zeit zum “Aufwärmen” geben Falls Sie sich noch nicht kennen, bietet sich ein eher unverfänglicher Gesprächseinstieg an. Zu direkte Flirtmannöver oder gar offensichtliches “Baggern” sind bei schüchternen Männern nicht angebracht. Nehmen sie ruhig etwas einfaches zum Anlass wie eine Frage nach dem Weg auf einem Stadtplan oder bitten sie ihn um eine andere Form von unverfänglicher Hilfe, um ein Gespräch zu beginnen. Sprechen Sie ihn jedoch nicht direkt auf seine Schüchternheit an. Falls sie sich bereits kennen, bietet es sich ebenfalls an, nach seiner Unterstützung zu fragen – ist er beispeilsweise Technikaffin, bitten Sei ihn um Rat bei Computerproblemen oder auf einem anderen Gebiet, auf dem er sich sicher fühlen könnte. Wichtig ist, dass sich ihr Gegenüber auf sicherem Terrain bewegen kann.
  • Kontakt aufrechterhalten Auch dieser Punkt wird zu Beginn eher bei Ihnen liegen. Dabei kann es sich um das erste Gespräch handeln, während dessen sie immer wieder Fragen stellen, um es in Gang zu halten, oder aber um den Austausch von Kontaktdaten.
  • Den zweiten und dritten Schritt wagen Diese weiteren Schritte werden vermutlich auch bei ihnen liegen. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Auch hier ist es wichtig, ihm Zeit zum “Auftauen” zu geben. So eignet sich möglicherweise der Kontakt über sms oder Mail am Anfang besser, da ihm über solche Medien mehr Zeit für die Reaktion bleibt, als dies bei einem direkten Anruf der Fall wäre. Schlagen sie Orte für die nächsten Treffen vor, die Ablenkung und Gesprächsstoff bieten – wie beispielsweise das Kino oder eine Ausstellung. So liegt die Konzentration zunächst auf anderen Dingen als auf Ihnen – und vor allem als auf ihm.
  • Sicherheit geben Machen Sie ihm erhliche Komplimente, sagen Sie im, was Ihnen gefällt. So können Sie zum Beispiel betonen, dass sie seine Zurückhaltung als etwas positives empfinden, oder dass sie es schön finden, dass sie sich langsam kennen lernen können. Solche Aussagen können ihm Sicherheit vermitteln, stärken das Selbstwertgefühl und schaffen allmählich Vertrauen.
Die Unsicherheit schüchterner Männer reduziert sich in aller Regel in dem Maß, in dem ihnen Menschen vertrauter werden. Ist ein solcher Kontakt gelungen, kann dies in manchem Fall auch dazu beitragen, Schüchternheit ein Stück weit zu überwinden.

Die Entzauberung der großen Liebe

„Ja renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr. Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.“ (Bertolt Brecht: Lied von der Unzugänglichkeit menschlichen Strebens)

Was ist die große Liebe?

die Große Liebe findenNun wir leben in einer Welt des stetigen Wandels. Jeder sucht die große Liebe. Alle wollen wir sie finden. Das ist allein schon an den unzähligen immer gleichen Hollywoodproduktionen unseres Zeitalters zu erkennen. Sei es nun im Black Swan, in der die schöne Nathalie Portman nicht nur mit ihrer Fantasie, sondern eben auch mit der großen Liebe zu kämpfen hat, oder in den täglichen Serien, wie das deutsche Beispiel: Doctor´s Diary zeigt. Alle haben sie etwas gemeinsam: Die oft vergeblich, immer währende Suche nach der ganz großen Liebe. Dabei geben uns die Filmindustrien ein Image vor:  Der Schauspieler darin ist der hoffnungslose Romantiker, auf der Suche nach der einen und wahren Liebe. Er gibt alles auf, für die große Liebe. Dabei gilt der, der sein Leben, seine Freunde, seine Beziehungen für die große Liebe opfert, als menschlicher, als moralisch vertretbarer, als der, der aus vermeintlich egoistischen Gründen, die Karriere der Liebe vorzieht. Dieses Bild der großen Liebe, das Versprechen, die große Liebe zu finden, umgibt uns tagtäglich. Selbst in Werbeagenturen ist das große Liebe-Image nicht zu übersehen. Während wir alle vorgekaut bekommen, wir sollen uns nach der großen Liebe orientieren und nur dieses als Ziel des Lebens sehen, glauben wir nicht mehr recht daran. Während uns die Filme zeigen, dass das einzig wichtige auf dieser Welt, das Finden der großen Liebe ist, will uns die Wissenschaft zeigen, dass die große Liebe im Prinzip nur Hirngespinsterei sei.  In unserem ewigen Suchen nach der großen Liebe, scheint es, als hätten wir bereits vor dem Beginn der Suche den Glauben daran aufgegeben.

Unserer Welt ist naturwissenschaftlich geworden

Unsere Gedanken sind entfernt von der Romantik. Wir sind verwissenschaftlicht. Und dabei ist es gerade die Biologie und die Psychologie, welche uns klar machen wollen, die große Liebe existiere nicht- sei ein Gedankenkonstrukt, reine Schwindlerei. Wenn Max Weber früher behauptete, es liegt eine Entzauberung der Welt vor, so behaupte ich, wir befinden uns in einer Zeit der Entzauberung der Liebe. Und dennoch sehen wir die Suche nach der großen Liebe als einziges Lebenselixier. Das Problem, die Suche nach der großen Liebe ohne den Glauben an ihr, liegt also in unserer Gesellschaft selbst. In dieser wirren Welt, die uns einerseits glauben lässt, frei zu sein und doch alle Werte vorgibt. Die aus dem Zauber Liebe, welcher in seiner Unendlichkeit niemals erklärt werden kann, ein erklärbare Phänomen, ein Produkt macht. Obwohl der Begriff der Liebe nicht verwissenschaftlicht werden kann, tun wir es trotzdem. Wir benutzten das Image der großen Liebe, welches doch intuitiv die größten Emotionen und Wünsche in uns regt, um daraus Profit zu erwirtschaften. Dabei schafften wir uns nun ein Bild der großen Liebe, hatten diese vermarktet. Diese Vermarktung löst den Zauber der Liebe, die Wirklichkeit der großen Liebe, auf. Und während die Medienindustrie uns immer wieder Image präsentziert, sind wir als Akteure mitten in diesen hastigen Verwirrungen verankert und angepasst. Wir suchen uns das Beste für unser eigenes Leben aus. Wir bauen unser Leben aus Puzzeln zusammen, dabei ist ein kleines Puzzle die Liebe, der Partner, den wir uns so zurechtbasteln, damit unser eigenes Leben ja nicht zerrüttet oder gar verändert werden kann. Man macht Karriere, bis man dreißig ist. Dann muss man einen Partner gefunden haben. Wir wollen ehrgeizig sein, eine Karriere haben. Nicht das cogito ergo est bestimmt unser Leben, sondern: Ich passe mich an, also bin ich, lautet unser Lebensmotto. Wir suchen unser eigenes Glück. So viele Möglichkeiten bieten sich uns an, wenn etwas nicht passt, dann sortieren wir es aus. Wir vergessen es, anstatt es zu hinterfragen. Wir haben vergessen zu reflektieren und uns an den wahren Dingen dieser Welt zu erfreuen.  

Doch sind wir überhaupt noch fähig die große Liebe zu finden?

Wollen wir uns für den Rest unseres Lebens aufopfern, auf der unendlichen Suche nach dem richtigen Partner? Nach dem Menschen, der die Welt der Träume leben lässt. Diese Person, die es schaffen wird,  die Welt der Träume wieder leben zu lassen? Fakt ist: In ist wer erfahren ist. Vor allem der Mann sollte möglichst viele Erfahrungen in Beziehungen haben. Nur dann weiß er angeblich auch, worauf es ankommt, was eine Frau wirklich will. Frauen sollen dabei stets sparsam sein. Das jedenfalls zeigt eine Umfrage junger Studenten der Universität Regensburg. Von zwanzig Befragten, darunter zehn Männer und zehn Frauen, unterschiedlicher Studiengänge, im Alter zwischen zwanzig und dreißig, gaben acht von zehn Männern an, sie bevorzugen unerfahrene Frauen. Das präsentiere eine gewisse Art von Unschuld, von Weiblichkeit. Außerdem solle der Mann wissen wie man eine Frau behandelt und nicht umgekehrt. Selbstbewusste Frauen wirken oft angsteinlösend, überfordern den Mann. Die Frauen reagierten umgekehrt. Sie wünschen sich einen Mann, der weiß was er will. Der bereits Erfahrungen sammelte, der weiß wie man mit Frauen umgeht. Ein hoffnungsloser Romantiker mit jungen sechsundzwanzig Jahren ohne Erfahrungen mit Beziehungen ist also in unserer Gesellschaft ein Versager. Eine Frau, die bereits viele Beziehungen erlebte, gilt als leicht zu haben. Dass dabei der Mann ohne Erfahrungen, ein hoffnungsloser Romantiker, der an die große Liebe glaubt und die Frau, zu oft und schnell unglücklich verliebt war und dennoch den Glauben nicht aufgegeben hat, die große Liebe zu finden, daran denken wir nicht. Wir haften lieber an Studien, an das vorgegebene Ideal, welches besagt, dass man mit dreißig mitten im Leben stehen soll. Karriere gemacht haben und man sich dann vollkommen auf die Familiengründung kümmern soll. Man braucht einen Partner, ein Kind.

Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.

Während wir sagen, etwas stimmt nicht mit diesen Menschen, vergaßen wir uns selbst zu fragen: Warum diese Vorurteile? Warum dieses immer noch anhaftende Vorurteil des Charakters von Mann und Frau? Kann es nicht sein, dass nicht die Menschen, welche unglücklich suchen, sondern wir selbst, die unbewusst diesen Maßstäben wie Roboter hinterherlaufen, uns fragen müssen, ob es nicht sogar wir sind, mit denen etwas nicht stimmt? Ob es nicht sogar wir sind, die unfähig sind, die große Liebe zu erleben? Wir laufen einer Beziehung der andern hinterher. Wenn eine Beziehung nicht passt, suchen wir uns eine andere. Und dennoch: Indem wir uns heute immer mehr auf die Suche des individuellen Glücks stürzen, übersehen wir das Glück, welches sich uns in der Gegenwart offenbart. Wir müssen lernen, wieder zu versuchen, Probleme in der Partnerschaft auszusprechen, wir müssen offen sein und Verständnis haben. Nicht immer reicht allein das Verständnis aus, das ist klar. Doch wirkt es den Anschein, als wollen wir nur von einer Beziehung in die nächste laufen. Es gibt die große Liebe. Die Liebe zu finden ist Schicksal, doch sie zu behalten ist keines.  Es ist nicht die Frage ob es die große Liebe gibt oder nicht, sondern wie wir daran festhalten, ob wir die Augen dafür bereithalten.  In dieser Welt haben wir vergessen zu träumen und wir haben vergessen zu verstehen. Liebe ist dabei das einzige, was uns träumen lässt und auch verlangt zu verstehen. Es verlangt nicht nur den wunderbaren Schein, des Verliebt-seins. Nein, Liebe verlangt vieles. Sie verlangt Vertrauen und Fürsorge. Sie verlangt  zu kämpfen. Denn nun ist es nicht mehr das Ich-Universum, welches sich in den Kopf dreht, sondern das Du-Universum, welches den Menschen nicht mehr loslässt. Das Du-Universum passt aber so schlecht in unser individualisiertes System, in unserer angepassten Ego-Perspektive. Selbst in der großen Liebe suchen wir nur das Verliebt-sein. Dieses Gefühl ist einfach und schön: Allein verliebt sein, verpflichtet uns zu nichts. Wir können weiter egoistisch leben. Wenn dieses Gefühl nun weiteres verlangt, in Liebe sich verändern kann, dann flüchten wir. Es kostet uns Arbeit, die wir in unsere Karriere verwenden könnten. Wir suchen uns den nächsten Partner, ohne verstanden zu haben, dass wir somit, vielleicht die große Liebe unseres Lebens verloren haben. Und dabei ist sie, das einzige, was den Menschen in seiner irdischen Qual befreien kann, wie es die griechische Mythologie behauptet: Vor unserer Zeit war die Erde rund, sie war absolut harmonisch. Es gab keine unförmigen Menschen, keine groben Gestalten. Alles war Kreis. Die Menschen waren Kreis. Doch dann geschah ein Unglück, alle Menschen wurden geteilt. So fingen die Menschen an auf zwei Beinen zu gehen und mit zwei Händen zu leben. Seit diesem Unglück ist das Glück der Menschen auch verloren gegangen. Es besteht keine Harmonie mehr, welche nur durch glückliche Menschen entstehen kann. Seit diesem Zeitpunkt ist der Mensch auf der Suche nach seiner zweiten Hälfte. Erst wenn alle Menschen ihren anderen Teil wiedergefunden haben, können sie glücklich werden und somit die Weltharmonie erreichen.  Die große Liebe also existiert. Sie ist das Größte, was unser Welt schaffen konnte. Sie vereint Zauber und Realität. Der Zauber wird uns eingeflößt, doch die Realität sind wir selbst. Links zum Thema: Ist Liebe Schicksal? – Artikel im PM Magazin Prof. Dr. Ulrich Mees: Liebe und Verliebtsein Ab wann ist es wahre Liebe? – Artikel auf erdbeerlounge.de

Offene Beziehung – Für wen sie infrage kommt

PaarbeziehungenUnter dem Begriff der offenen Beziehung kursieren verschiedenste Modelle und Vorstellungen. Während die einen darunter lediglich die Möglichkeit verstehen, in einer festen Partnerschaft auch gelegentlich sexuelle Kontakte mit anderen eingehen zu können, bedeutet sie für andere ein Beziehungsmodell, in welchem nicht nur „Seitensprünge“ erlaubt sind, sondern beide Partner engere Beziehungen mit anderen Menschen führen können. Einige verstehen darunter auch die so genannte Polyamourie. Diese unterscheidet sich von einer offenen Beziehung jedoch dahingehend, dass eine Paar- oder „Hauptbeziehung“ generell abgelehnt wird und mehrere gleichwertige Beziehungen nebeneinander existieren können. All diesen Modellen ist jedoch gemeinsam, dass ihre Umsetzung Mut und Vertrauen erfordert, denn obwohl die Gesellschaft heute alternativen Beziehungskonzepten gegenüber deutlich wohlwollender ist, werden offene Beziehungen nach wie vor häufig tabuisiert.

Offene Beziehungen damals und heute

In den frühen 1970er Jahren wurde in den USA ein Buch veröffentlicht, welches sich über Monate hinweg auf internationalen Bestsellerlisten hielt. Es wurde über 35 Millionen Mal verkauft und insgesamt in 14 Sprachen übersetzt. Geschrieben hatte es ein Ehepaar – Nena und George O´Neill – und es trug den Titel „Open Marriage“. Was die beiden Autoren über die „offene Ehe“ zu sagen hatten, beförderte die sexuelle Revolution von einer reinen Jugendbewegung zu einem Thema, was seither auch in traditionellen Ehen – und allmählich in der breiten Gesellschaft – diskutiert wurde. Zwar schrieb das Paar O´Neill nicht ausschließlich über sexuell offene Beziehungen. Ein Großteil des Buches widmete sich eigentlich dem partnerschaftlichen Umgang miteinander; lediglich wenige Seiten befassten sich mit außerehelichen Beziehungen. Trotzdem waren es genau diese Seiten, die für das meiste Aufsehen sorgten und andere Kapitel des Buches, die sich mit Kommunikation,  Wertschätzung und Gleichberechtigung in einer Partnerschaft auseinandersetzen, in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung drängten. Seither sind über vierzig Jahre vergangen und viele Dinge haben sich gewandelt. Die Gesellschaft ist offener, flexibler und individueller geworden, längst gelten auch Beziehungsmodelle abseits der traditionellen Ehe als gesellschaftlich akzeptiert. Dass jedes Paar dabei seinen eigenen Beziehungsstil finden muss und seinen eigenen Weg gehen sollte, gehört schon quasi zum Allgemeinwissen. Trotzdem gibt es auch heute noch häufig erstaunliche Parallelen zu der gesellschaftlichen Diskussion über „Open Marriage“ in den 1970er Jahren: kaum kommt das Thema der so genannten offenen Beziehung auf den Tisch, treten andere Themen wie Kommunikation, Wertschätzung und Gleichberechtigung in den Hintergrund. Schnell wird zunächst darüber diskutiert, ob Treue und Vertrauen noch möglich sind, wenn Sex mit anderen nicht mehr tabu ist. Nicht selten werden offene Beziehungsmodelle von ihren Gegnern schlicht als Freibrief zum Fremdgehen gesehen oder lediglich als Notlösung, wenn es ohnehin schon kriselt. Häufig kommt auch die Frage auf, ob offene Beziehungen nicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind, weil sie beide Partner auf eine viel zu harte Bewährungsprobe stellen.

Sind wir konservativer, als wir meinen?

offene beziehungenGeht eine monogame Beziehung in die Brüche, können wir uns oft verschiedene Ursachen vorstellen – unterschiedliche Einstellungen, Lebensentwürfe und Zukunftsvorstellungen, Eifersucht und fehlendes Vertrauen – unterschiedlichste Gründe, die zu unüberbrückbaren Differenzen führen. Wenn eine offene Beziehung scheitert, denken wir schnell an eine einzige Ursache: die Offenheit der Beziehung selbst. Obwohl Liebesbeziehungen heute viel flexibler und individueller geführt werden können als noch wenige Jahrzehnte zuvor, gehört das klassische Beziehungsmodell noch immer zur gelebten „Normalität“. So führt trotz der Zunahme alternativer Lebenskonzepte ein Großteil aller Westeuropäer dauerhafte Paarbeziehungen, die meisten sogar mit Trauschein. Lediglich die Dauer der Beziehungen ist anders als früher: Ehen gehen häufiger und früher in die Brüche, neue Partnerschaften werden einfacher und schneller eingegangen. Trotzdem gilt auch heute noch die Vorstellung einer dauerhaften Bindung zweier Personen als Wunschmodell der meisten Menschen. Sind wir also konservativer, als wir auf den ersten Blick meinen? Hier lohnt es sich, unsere Vorstellungen von Normalität und von Beziehungen ehrlich zu hinterfragen, wenn wir über die Öffnung einer Beziehung nachdenken. Dies kann sehr gut auch mit dem Partner oder mit Freunden gemeinsam geschehen, um die eigene Selbsteinschätzung durch die Wahrnehmung anderer zu ergänzen.

Punkte, um mit sich selbst und anderen ins Gespräch zu kommen:

  • Wie stelle ich mir eine Beziehung vor?
  • Welche Werte sind mir wichtig?
  • Was erwarte ich von einem Partner?
  • Gelingt es mir, in einer Partnerschaft über meine Wünsche, Bedürfnisse und Ängste zu sprechen?
  • Wie ist meine Einstellung zu Sexualität?
  • Gelingt es mir, offen über Sexualität zu sprechen?
  • Was löst die Vorstellung in mir aus, in einer Beziehung auch sexuelle Kontakte zu anderen zu haben?
  • Was löst die Vorstellung in mir aus, dass mein Partner sexuelle Kontakte zu anderen haben könnte?

Argumente für eine offene Beziehung

DreierbeziehungDas Hauptargument, das viele Befürworter einer offenen Beziehung ins Feld führen, bezieht sich auf die so genannte Abbruchfreudigkeit heutiger Beziehungen. Eine Bezeichnung, die sich für die von uns aktuell bevorzugte Beziehungsform durchgesetzt hat, ist die der „seriellen Monogamie“. Das heißt, dass wir zwar an dem Ideal einer monogamen Partnerschaft auf Dauer festhalten, auf der Suche nach dem passenden Partner jedoch verschiedene Beziehungen durchlaufen. Durch unsere Berufe, unsere Hobbies, Familien und Freundeskreise stehen wir vielen Ansprüchen gegenüber und versuchen diese miteinander in Einklang zu bringen. Dabei sind wir teilweise auch einem enormen Tempo ausgesetzt, in dem sich die Dinge um uns herum wandeln und verändern. Wenn wir eine Beziehung führen, können diese Veränderungen hohe Ansprüche an uns und unsere Partner stellen. Nicht immer gelingt es uns, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Häufig hört man auch das Argument, dass monogame Lebenskonzepte heuchlerisch seien, da vor allem in Langzeitbeziehungen die meisten Partner fremdgingen. Nicht selten zerbrechen Beziehungen auch aus diesem Grund, etwa wenn ein Seitensprung oder gar eine länger andauernde Affäre nicht verziehen werden kann. Warum also nicht von vorn herein etwas erlauben, was in den meisten Fällen ohnehin passieren kann? So oder so ähnlich äußern sich in der Regel die Verfechter offener Beziehungskonzepte. Eine einzige Person könne eben nicht alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllen, die man habe.

Manchmal kann eine einzige Person nicht alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllen

Das ist mit Sicherheit auch richtig – ein einziger Partner kann (und muss) nicht immer in der Lage sein, jederzeit auf unsere Wünsche zu reagieren und all unsere Ansprüche zu erfüllen. Dass man „allein zu zweit“ auf Dauer nicht glücklich werden kann, wissen wir und deshalb haben wir längst schon ein Modell der offenen Beziehung umgesetzt, von dem Nena und George O´Neill in ihrem Buch über die offene Ehe ebenfalls geschrieben haben: die Wahrung verschiedener Interessen und die Investition in Lebensbereiche, die auch außerhalb der Beziehung liegen. Seine eigenen Interessen wahren zu können und sich dabei vom Partner unterstützt zu fühlen, auch wenn dieser die Interessen nicht immer aktiv teilt, scheint ein wichtiger Faktor zu sein, um auf Dauer eine stabile Beziehung aufrecht erhalten zu können. Sind wir beispielsweise leidenschaftliche Konzertgänger, unser Partner bekommt jedoch allein bei dem Gedanken an laute und überfüllte Sääle Kopfschmerzen, so gehen wir diesem Hobby mit Freunden nach. Treiben wir gerne Sport, während sich unser Partner viel lieber mit Technik beschäftigt, so kann jeder für sich auch außerhalb der Beziehung Menschen finden, mit denen sich diese Interessen teilen lassen. Ob Wellnesshotel oder Kegeltour: in vielen Bereichen geht es nicht um ein entweder – oder. In solchen Fällen gelingt es uns meist ohne Schwierigkeiten, die Partnerschaft für die Interessen des anderen zu öffnen. Für die meisten Beziehungen ist es relativ unkompliziert, den Partner für eine gewisse Zeit anderen Personen zu überlassen. In diesem Sinne sind unsere Beziehungen auch im Idealfall ohnehin schon offen. Erst, wenn auch eine körperliche Beziehung zu dritten eingegangen wird, wird es für die meisten Menschen kompliziert.

Im Idealfall sind alle Beziehungen offen – doch wie offen, muss jeder individuell entscheiden

Aus einer solchen Sichtweise sind stabile Beziehungen immer auf eine gewisse Weise offen. Unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen und dabei eine vertrauensvolle und unterstützende Partnerschaft aufrecht zu erhalten, fordert gewöhnlich die Kommunikation unter Paaren heraus. Nicht immer läuft diese Kommunikation im gemeinsamen Einklang ab, denn manche Interessen stehen sich auch entgegen. Dies gilt in gleichem Maße für monogame wie auch für offene Beziehungen. Jedoch stellen Menschen selten so starke Exklusivitätsanspruche an das Hobby des Partners, wie an sein sexuelles Verhalten. Deshalb fordert die Überlegung, eine offene Beziehung einzugehen, auch sehr viel von einer Partnerschaft ab. Es ist nicht ratsam, eine Öffnung der Beziehung zu erwägen, wenn es ohnehin schon kriselt. Denn der Entschluss setzt viel Vertrauen sowohl in sich selbst, als auch in die Partnerschaft voraus. Dabei kann es keine Anleitung geben, wie eine offene Beziehung gelingt. Die Entscheidung dazu kann (und sollte) zu allererst nur individuell – und anschließend auch gemeinsam mit dem Partner getroffen werden. Einige grundlegende Gedanken und Regeln können jedoch helfen, den Weg als mögliche Alternative gemeinsam zu gehen:

Regeln, die es in einer offenen Beziehung zu beachten gilt:

  • Stellen sie die Beziehung in den Vordergrund. Eine offene Beziehung funktioniert nur dann, wenn auch die Beziehung funktioniert. Bei schwelenden Konflikten können zusätzliche Unsicherheiten, wie sie durch eine offene Partnerschaft zweifelsohne aufkommen werden, bedrohlich werden.
  • Treffen Sie die Entscheidung gemeinsam. Lassen Sie sich dabei Zeit und überstürzen sie den Entschluss nicht. Wenn nur ein Partner wirklich überzeugt ist, während der andere noch zweifelt, schwächt das ihr gegenseitiges Vertrauen.
  • Stellen sie klare Regeln auf. Treffen sie genaue Abmachungen, wie sie ihre Offenheit leben möchten. Sind nur gelegentliche „Seitensprünge“ erlaubt oder darf der Kontakt zu einer Person häufiger vorkommen? Geht es nur um sexuelle Aktivitäten oder wünschen Sie sich möglicherweise mehr? Wo dürfen welche Aktivitäten stattfinden – ist die eigene Wohnung beispielsweise tabu?
  • Gehen sie ehrlich miteinander um. Bei einer offenen Beziehung öffnen Sie sich eben nicht nur anderen Personen, sondern zusätzlich sowohl sich selbst, als auch ihrem Partner auf eine neue Weise. Dies bedeutet mitunter mehr „Arbeit“ an der Partnerschaft als zuvor. Diese funktioniert nur dann, wenn sie sich ihre Gedanken, Wünsche, Ängste und Unsicherheiten ehrlich mitteilen können. Und sich auch gegenseitig sicher darin aufgehoben fühlen.
  • Bleiben Sie im Gespräch. Ist die Entscheidung einmal gefallen und sind die Regeln aufgestellt, so gilt es, diese immer wieder zu überprüfen und zu besprechen. Gefühle, Wünsche und auch Vorstellungen ändern sich in der Praxis. Eine (offene) Beziehung sollte stets als Prozess begriffen werden, der sich zu unterschiedlichen Phasne auch unterschiedlich ausgestalten kann.
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Beziehungspause: Wann eine Trennung auf Zeit Sinn macht

Was tun, wenn die Schwierigkeiten in einer Beziehung so gravierend werden, dass Streit und Missverständnisse die positiven Momente überschatten? Wenn ungelöste Konflikte dazu führen, dass Gespräche verstummen oder man sich gar lieber aus dem Weg geht, als das Risiko einer erneuten Diskussion einzugehen? Schwerwiegende Probleme und Konflikte können in jeder Phase einer Partnerschaft entstehen und ganz unterschiedliche Ursachen haben. Ein Lösungsvorschlag jedoch scheint immer wieder aufzutauchen: die so genannte Beziehungspause. Sie wird häufig als letzte Chance gesehen, die Partnerschaft zu retten. Doch macht eine Trennung auf Zeit Sinn? Und, wenn ja, wann? Oder ist sie eher, wie so oft behauptet, der erste Schritt zur Trennung?

Brauchen wir eine Auszeit?

eine Beziehungspause kann die Beziehung retten Es gibt viele Ursachen für Beziehungsprobleme, die so schwer wiegen, dass Paare nicht mehr weiter wissen. Dabei sind die Lösungswege meist ebenso vielfältig, wie die Konflikte selbst. Wenn bereits mehrere Versuche gescheitert sind, gemeinsame Probleme zu lösen, wenn beide Partner nicht mehr weiter wissen, wird eine Pause oft als letzte Chance gesehen. Es gibt keine allgemein gültigen Empfehlungen, wann und wie man eine Pause angehen sollte oder wie lange sie dauern muss. Doch einige Tipps gilt es durchaus zu beachten, denn eine Trennung auf Zeit ist nie ein Heilmittel „an sich“, sondern immer verknüpft mit Wünschen, Ängsten und Erwartungen beider Partner. Und sie bedarf bewusster Gedanken, wenn sie sich als sinnvoll für beide – und letztlich für die gemeinsame Beziehung – erweisen soll.

Eine Beziehungspause erfordert Mut

Eine Beziehung verläuft dynamisch. Dabei birgt jede Phase einer Beziehung ihre eigenen Herausforderungen und damit verbundene Konflikte. Zeitgleich ist mit jedem Konflikt auch eine Chance verbunden, sich näher kennen zu lernen und einen gemeinsamen Weg aus der Krise zu finden – und nicht nur zu Beginn einer Beziehung. Denn auch in lange anhaltenden Beziehungen lernen wir einander immer wieder aufs Neue kennen und entdecken Eigenschaften, die uns vielleicht unverständlich sind oder widerstreben. Wenn wir über eine Trennung auf Zeit nachdenken, ist das ein Zeichen dafür, dass die Beziehung an einem markanten Punkt angelangt ist. Es ist jedoch auch ein Zeichen dafür, dass wir noch nicht aufgegeben haben. Denn der schnell geäußerten Meinung, eine Beziehungspause sei nur die Vorstufe einer Trennung, wenn einem der Mut fehle, einen klaren Schlussstrich zu ziehen, lässt sich folgendes entgegenhalten: Eine Trennung auf Zeit erfordert Mut, wenn sie bewusst eingegangen wird. Und sie bedarf einer bewussten Entscheidung für den anderen, den wir eben nicht kampflos aufgeben wollen, sondern auch bereit sind, unbekannte Wege zu gehen. Eine Entscheidung für eine Beziehungspause sollte also immer auch eine bewusste Entscheidung für die Beziehung selbst beinhalten.

Pause direkt zu Beginn einer Beziehung?

Trennung als letzter AuswegViele Paare kennen das Gefühl und nahezu jedem ist es während einer Beziehung so ergangen: nach einer spannenden und aufregenden Phase der Schwärmerei zeigen sich erste Wolken am Horizont. Man lernt jetzt Eigenschaften des anderen kennen, die möglicherweise verunsichern. Nach den zuerst bemerkten Gemeinsamkeiten treten Differenzen zum Vorschein, die in Auseinandersetzungen oder gar in erste Streitigkeiten münden. Das ist natürlich und gehört zu einer Beziehung dazu, die aus der ersten Phase der Verliebtheit allmählich in eine feste Partnerschaft mündet. Gerade diese Phase birgt Risiken, denn selten sind sich beide Partner so ähnlich, dass sie sich in nahezu jedem Punkt der eigenen und der gemeinsamen Alltags- und Lebensgestaltung intuitiv einig sind. Und gerade in dieser Phase setzen Konflikte ein, die unterschiedliche Sichtweisen, Interessen, Lebens- und Zukunftsvorstellungen betreffen können. Der Alltag macht sich mit all seinen Pflichten bemerkbar, erste Enttäuschungen treten auf, vielleicht brechen Probleme aus früheren Beziehungen oder Lebensphasen wieder auf. Wenn beide Partner einen Weg finden können, über solche Dinge zu sprechen, wenn sie sich gegenseitig Verständnis entgegenbringen, birgt diese Phase weitaus größere Potenziale für eine Beziehung, als sie Risiken mit sich bringt. Wenn jedoch schon an dieser Stelle der Streit dominiert, oder wenn die Differenzen überwiegen und absehbar wird, dass die Zukunftsvorstellungen nicht zueinander passen, ist fraglich, ob eine Auszeit allein die Probleme beheben kann. Dann macht es Sinn, sich gemeinsam die Frage zu stellen, was der Auslöser der Differenzen ist. Bestehen tatsächlich zu große Unterschiede in den Vorstellungen von einer Beziehung? Oder sind möglicherweise Missverständnisse entstanden, die sich in einem ruhigen Gespräch aufklären lassen?

Versuchen sie eine „kleine Variante“ der Trennung auf Zeit

StreitEs gibt keine allgemeingültige Regel, wann eine Pause Sinn macht. Aber bevor man diesen Schritt unternimmt, kann man zunächst auf eine kleinere Variante der Trennung auf Zeit zurückgreifen. Und diese besteht darin, sich selbst – und dem anderen – Zeit zu geben, sich seiner Bedürfnisse und Erwartungen bewusst zu werden. Gerade in einer noch jungen Partnerschaft sind diese Erwartungen oft noch diffus und können nicht immer sogleich klar formuliert werden. Vor allem nicht dann, wenn es möglicherweise schon zu Beziehungsproblemen gekommen ist. Hat es bereits schon erste Streitigkeiten gegeben, dann ist die Verunsicherung umso größer, wie man an gewisse Probleme herangehen kann. Wichtig hierbei ist es zu verstehen, woher die Verunsicherung kommt. Führen sie sich vor Augen, dass diese in aller Regel ein stetiger Begleiter ist, wenn Menschen in Konflikte geraten. Denn auch, wenn wir genau zu wissen meinen, worin unser Problem besteht: es ist in den meisten Fällen mit Bedürfnissen, Wünschen und Erwartungen verbunden, die man eingeschränkt oder nicht beachtet sieht. Und diese Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen liegen meist tiefer, als die Oberfläche des Streits erkennen lässt. Es handelt sich hierbei um Emotionen, die in einer ruhigen und vertrauensvollen Atmosphäre mitgeteilt werden können. Nicht jedoch in einer akuten Streitsituation, die von Verunsicherung geprägt ist. Hinzu kommt, dass sich Bedürfnisse und Erwartungen in einer Beziehung stets weiterentwickeln und man sich auch hier gegenseitig Zeit geben sollte, sich über diesen Prozess bewusst zu werden. Dies gilt sowohl für noch junge als auch für bereits lang andauernde Beziehungen. Und genau hier kann sich eine Pause als nützlich erweisen, auch wenn es nur eine kleine ist. So kann die Stärke einer „kleinen“ Trennungszeit schlichtweg darin liegen, sich gegenseitig als getrennt denkende – und vor allem fühlende – Partner zu begreifen, sich gegenseitig Zeit zu geben, sich über diese Trennung bewusst zu werden und sich vor allem auch die Zeit zu nehmen, den anderen in seinen Wünschen und Gefühlen zu verstehen. Diese Pause kann zum Beispiel darin bestehen, sich bewusst Zeiten für sich selbst zu nehmen, sich zunächst allein Gedanken über die gemeinsamen Konflikte zu machen, bevor man versucht, diese gemeinsam zu lösen. Häufig werden einem erst mit ein wenig Abstand gewisse Dinge klar. Und diesen Abstand  kann man unter Umständen nur bekommen, wenn man ihn sich bewusst nimmt. Er muss nicht gleich mehrere Wochen dauern, denn manchmal reicht nur ein Tag für sich allein, oder gar nur ein Spaziergang, „um einen klaren Kopf zu bekommen“. Beachten sie folgendes:
  • Nehmen sie bewusst Abstand, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.
  • Treffen sie eine Absprache mit ihrem Partner, wann sie das nächste Mal miteinander sprechen wollen.
  • Machen sie sich klar, dass es in ihrem Streit um Wünsche, Bedürfnisse und Ängste gehen kann.
  • Fragen sie sich, welche Wünsche oder Ängste dem Streit aus ihrer Sicht zugrunde liegen. Was war der Kern des Streits? Was war ihr Anliegen? Was das ihres Partners?
  • Gestatten sie sich selbst, anders zu denken als ihr Partner – und umgekehrt. Versuchen sie zu verstehen, worin ihre Unterschiede liegen.
  • Thematisieren sie gemeinsam ihre Anliegen, Wünsche, Bedürfnisse sowie Ängste.
  • Thematisieren sie auch ihre Unterschiede. Versuchen sie, die Denkweisen des jeweils anderen zu verstehen.

Wenn die Beziehung schon länger andauert

Auszeit in der BeziehungAuch in Beziehungen, die länger andauern, kann es zu Problemen kommen. Möglicherweise teilt man bereits eine Wohnung, den Freundeskreis, gemeinsame Interessen und hat sich über Jahre eine gemeinsame Existenz aufgebaut. Kommt es dann zu schwerwiegenden Konflikten, in denen der Streit überwiegt oder sich über längere Zeit eine innere Entfernung vom Partner vollzieht, liegt die Wurzel der gemeinsamen Probleme häufig tiefer, als es bei noch jungen Beziehungen der Fall ist. In Langzeitbeziehungen haben Partner das Gefühl, den anderen zu kennen, dessen Gedanken, Einstellungen und Reaktionen schon vorausschauen zu können. Diese Vertrautheit spielt in Partnerschaften eine tragende Rolle. So „denkt man seinen Partner mit“, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden. Oder man versetzt sich in den Anderen hinein, sei es bei Alltagsgesprächen oder auch in anspruchsvollen Diskussionen. In Konfliktsituationen kann diese Vertrautheit jedoch auch zu einem Hindernis werden. Denn indem wir meinen, zu wissen oder vorauszuahnen, was der andere denkt, fühlt oder sagen wird, ist unsere Wahrnehmung und unser Verständnis eingeschränkt. Das führt in Streitsituationen oft zu einem Kern, der sich in einem nur zu gut bekannten Gefühl zusammenfassen lässt: „Du versteht mich nicht.“ An dieser Stelle werden die Probleme möglicherweise nicht mehr nur durch ein gemeinsames Gespräch zu lösen sein. Vielleicht sind sie so gravierend, dass man sich nur nach „seiner Ruhe“ sehnt. Oder man hat das Gefühl, dem andauernden Streit nur durch eine Trennung auf Zeit ausweichen zu können.

Ziehen sie Rat hinzu

Wenn Beziehungskonflikte schon länger anhalten, ist es ebenfalls sinnvoll, die Punkte zu bedenken, die auch für die „kleine Variante der Trennung auf Zeit“ gelten. Es kann jedoch durchaus auch sinnvoll sein, den Rat einer dritten Person hinzuzuziehen. Denn bei tiefer liegenden Konflikten ist leider oft mehr nötig als ein „kurzes Durchatmen“ oder ein kleinerer Abstand. Gespräche mit Freunden können ihnen helfen, da diese ihnen Trost, Halt und Empathie spenden. Es kann aber auch hilfreich sein, mit einer unbeteiligten Person zu sprechen. Vielleicht können sie sich sogar gemeinsam mit ihrem Partner dazu entschließen. Eine unbeteiligte Person kann anders helfen als ein Freund, indem sie aus einer professionellen – und nicht aus einer freundschaftlich-emotionalen – Perspektive auf das Geschehen blickt. Sie kann sie gezielt bei der Reflexion und Lösung ihrer Probleme anleiten und begleiten. Diese Rolle können beispielsweise Paartherapeuten, Berater oder auch Coaching-Experten einnehmen. Eine Trennung auf Zeit kann an dieser Stelle helfen, zum Beispiel, wenn sie und ihr Partner sich nur noch im Streit begegnen. Hier ist das Ergebnis einer Pause folgendes: wenn man sich nicht sieht, dann hört auch der Streit für eine gewisse Zeit auf. Das kann helfen, weil es der Situation ihre akute Schärfe nimmt. Oder sie haben das Bedürfnis, allein für sich einen klaren Kopf zu bekommen? Es kann auch sein, dass sie schon lange nicht mehr ohne ihren Partner waren und sehen möchten, wie es sich anfühlt, allein zu sein? All diese Gedanken sind wichtig und können ihnen helfen. Jedoch muss auch hier in allen Fällen beachtet werden, dass eine Pause immer nur Teil eines Prozesses ist, den sie für eine gewisse Zeit unterbricht, nicht jedoch klärt oder bereinigt. Folgendes sollten sie beachten:
  1. Sprechen sie mit ihrem Partner über Möglichkeiten, den gemeinsamen Konflikt zu beheben.
  2. Besprechen sie gemeinsam, ob eine Trennung auf Zeit für sie infrage kommt.
  3. Sehen sie die Beziehungspause nur als einen Bestandteil der Lösung – nicht als Lösung selbst.
  4. Entscheiden sie sich gemeinsam für diesen Schritt und treffen sie feste Absprachen. Diese Checkliste kann ihnen dabei helfen:
  • Warum wollen wir eine Beziehungspause eingehen?
  • Wie lange soll die Trennungszeit dauern?
  • Wie soll der Kontakt während dieser Zeit aussehen? Soll es zwischendurch gemeinsame Telefonate oder Treffen geben?
  • Wie soll mit gemeinsamen Verpflichtungen umgegangen werden?
  • Sind in dieser Zeit Beziehungen zu anderen Partnern oder „Affären“ erlaubt?
  • Wie kann das nächste Treffen inhaltlich aussehen?
  • Wann kann die Trennung auf Zeit wieder beendet werden?
  Beachten sie, dass die Punkte nicht starr beibehalten werden können, sondern im Verlauf der Trennungszeit immer wieder angepasst werden können. Wichtig ist dabei vor allem, eine Pause als gemeinsamen Prozess zu begreifen, damit aus der Trennung im besten Fall auch wieder Gemeinsamkeit entstehen kann.

Angst vor Ablehnung: Wie man die Angst vor Abweisung überwindet

Manchmal wäre es sehr hilfreich, zumindest einige Momente in die Zukunft blicken zu können. Insbesondere dann, wenn geplant wird, jemandem seine Gefühle zu offenbaren oder das eigene Interesse zu bekunden. In solchen Situationen ist die Nervosität ohnehin groß genug, sodass jede zusätzliche Unsicherheit zur Folter wird. Insofern der Blick in die Zukunft möglich wäre, könnte die Reaktion des anderen vorher entspannt beobachtet werden – ganz ohne Konsequenzen: Wenn das, was sich abspielt, gefällt, kann getrost in die Gegenwart zurückgekehrt und zur Tat geschritten werden; wenn nicht, kann es dabei belassen und ohne vermeintlichen Gesichtsverlust aufgrund der Ablehnung weitergelebt werden.

Die Phase der Antizipation

Im wahren Leben jedoch vermag niemand in die Zukunft zu blicken. Das Einzige, was dem zumindest im Ansatz ähnelt, ist die gedankliche Vorwegnahme einer Situation. Doch gerade dieser Gedankengang ist es, der die Angst vor Zurückweisung erst so richtig entfacht: Denn das, was sich im eigenen Kopf abspielt, ist zumeist keine neutrale Betrachtung potenzieller Reaktionen des Gegenübers, sondern eine Dramatisierung Sondergleichen. Vom ignoriert oder ausgelacht werden, bis hin zur Bloßstellung oder verbalen Attacke ist wohl alles dabei – nur nicht diejenigen Situationen, die ebenfalls wahrscheinlich und förderlicher für den eigenen Selbstwert wären: wohlwollende Zustimmung oder Erwiderung der Gefühle.

Die Angst vor Zurückweisung

Angst bei der PartnersucheDie meisten Menschen tendieren eher dazu, sich negative Szenarien auszumalen. Bei einigen von ihnen geht es sogar so weit, dass sich das ungute Gefühl der Unsicherheit in akute Angst vor Ablehnung verwandelt. Der Gedanke daran, von einem anderen Menschen zurückgewiesen zu werden, bereitet ihnen Bauchschmerzen – oft im wahrsten Sinne des Wortes. Psychosomatische Beschwerden sind einige der möglichen Symptome, die bei sehr ängstlichen Menschen auftreten können. Hinzu kommt permanente gedankliche Beschäftigung mit der möglichen Zurückweisung und in manchen Fällen gänzlicher sozialer Rückzug. Denn in sehr drastischen Fällen kann die Angst vor Zurückweisung Züge einer sozialen Phobie annehmen: Betroffene fühlen sich minderwertig, weshalb sie davon ausgehen, im sozialen Miteinander nicht bestehen zu können und von anderen abgelehnt zu werden.

Wie Ängste entstehen können

Die Angst vor Zurückweisung muss allerdings nicht zwangsläufig extrem stark ausgeprägt sein. Oft äußert sie sich nur in einem unguten Gefühl, dass einen viel zu oft daran hindert, Situationen anzugehen (z. B. jemanden in einer Diskothek ansprechen oder jemanden seine Gefühle offenbaren) bzw. sie nur unter erheblicher Nervosität bewältigen lässt. Egal, wie stark die Angst vor Zurückweisung letztlich ausgeprägt ist: Deren Entstehungsgründe sind zumeist sehr ähnlich.
  • Schlechte Beziehungserfahrungen in der Vergangenheit
Beispielsweise können ungute Erfahrungen in vergangenen Beziehungen dazu führen, dass potenziellen oder aktuellen Partnern gleiche Verhaltenstendenzen unterstellt werden, die die Angst vor Ablehnung antreiben.
  • Ablehnungserlebnisse in anderen Lebensbereichen
Wer beispielsweise im Beruf häufig mit Zurückweisungen zurechtkommen musste, kann die Angst vor Wiederholungen unter Umständen auch auf andere Bereiche übertragen. Entsprechend können schlechte Erfahrungen mit Vorgesetzten oder Kollegen, ebenso, wie ungute Erfahrungen mit Ex-Partnern, dazu führen, dass Ablehnung erwartet wird.
  • Mangelndes Selbstbewusstsein
Denkbar ist auch, dass Betroffene sich selbst nicht genug zutrauen und ein eher gering ausgeprägtes Selbstvertrauen haben, sich vielleicht gar minderwertig fühlen. Dass Menschen, die sich selbst nicht annehmen können, wie sie sind, anzweifeln, dass andere es tun könnten, erscheint plausibel. Daher ist ebenso nachvollziehbar, dass Betroffene die Ablehnung durch andere fürchten und davon im sozialen Miteinander gehemmt werden.
  • Ein komplexes Ursachengefüge
Alle bisher genannten Gründe hängen eng zusammen. So können selbstbewusste Menschen mit Zurückweisungen in der Liebe oder Ablehnungen im Job unter Umständen leichter umgehen. Sie projizieren derartige Erfahrungen nicht automatisch auf zukünftige Begegnungen, sondern sind in der Lage, Ursachen für Misserfolge auf externale Ursachen zurückzuführen (z. B. “Wir haben ohnehin nicht zusammengepasst” oder “Wenn ich ihm/ihr nicht gefalle macht das nichts, er/sie steht eben auf einen anderen Typ” usw.). Dementgegen neigen Menschen mit weniger stark ausgeprägtem Selbstvertrauen eher dazu, Rückschläge internal zu attribuieren (z. B. “Kein Wunder, dass er/sie sich getrennt hat, ich bin nicht liebenswert” oder “War ja klar, dass er/sie mir einen Korb gibt, ich habe es einfach nicht drauf” usw.). Sie fühlen sich stets selbst in der Verantwortung, weshalb potenzielle Zurückweisungen als noch bedrohlicher erlebt werden.
  • Die Bindung in der frühen Kindheit
Mitunter können derartige Ängste auch auf einen unsicheren Bindungsstil zurückgeführt werden. Wer seine Eltern in frühster Kindheit als eher unzuverlässig, wenig liebevoll oder zurückweisend erlebt hat und die kindlichen Bedürfnisse nicht angemessen befriedigt wurden, können sich derartige Gefühle bis in das Erwachsenenalter erhalten. Das Verhalten, das einst von den Bezugspersonen wahrgenommen wurde, wird auch von anderen erwartet. Angst vor Ablehnung kann somit zu einer unangenehmen Konstante im Leben werden.

Schutzraum oder Käfig – Wo liegt die Grenze zur Normalität?

Ängste überwinden - Angstfrei lebenEin gewisses Maß an Ängstlichkeit ist hingegen normal und durchaus positiv zu bewerten. Immerhin ist Angst eine natürliche Reaktion des Organismus, die den Menschen darauf vorbereitet, dass etwas passieren wird oder zumindest passieren könnte. Entsprechend ist das Gefühl sehr wichtig, da es davor bewahren kann, unkalkulierbare Risiken einzugehen und sich selbst zu überschätzen. Zu stark ausgeprägt jedoch, entwickelt sich diese Schutzfunktion zu einem Käfig, der Betroffene vom Leben zurückhält und sie in gewisser Hinsicht dazu verdammt, andere durch die Gitterstäbe ihrer Furcht zu betrachten. Belastend wird übersteigerte Angst vor Zurückweisung dann, wenn persönlicher Leidensdruck besteht und das ungute Gefühl einen tatsächlich daran hindert, Kontakt zu (fremden) Menschen aufzunehmen. Wer ständig darüber nachdenkt, welche Reaktionen diese oder jene Äußerung beim Gegenüber auslösen könnte und ob der andere die eigenen Verhaltensweisen akzeptieren wird oder nicht, ist in der Interaktion stark eingeschränkt. In solch akuten Fällen ist ratsam, eine professionelle Beratung oder gar eine Therapie in Anspruch zu nehmen, da auf diese Weise das Problem angegangen und bestenfalls dauerhaft gelöst werden kann. Sich Hilfe zu suchen erfordert zwar etwas Überwindung, verbessert die Lebensqualität jedoch erheblich.

Selbsthilfe – Wege aus dem Käfig

  • Entkatastrophisieren
Wenn bestimmte Situationen (z. B. das Ansprechen eines interessanten Menschen) antizipiert werden, werden häufig die schlimmsten Szenarien ausgemalt und der Gedanke (und das Vorhaben) umgehend abgebrochen. Es kann aber helfen, das Szenario kurz weiterzudenken: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? – Vielleicht hat die Person kein Interesse und dreht sich weg?! Vielleicht lacht sie kurz auf, da sie sich (arroganter weise) für etwas Besseres hält?! – Und dann? Naja, dann geht das Leben ohne bleibende Schäden weiter und man spricht eben die nächste Person an.
  • Situationen bewusst aufsuchen
Wenn die Maßnahmen zur Entkatastrophisierung langsam Früchte tragen, kann ein nächster Schritt gemacht werden: Sich solchen Situationen aussetzen, in denen Zurückweisung gefürchtet wird. Denn nur, wenn immer wieder am eigenen Leib erfahren wird, dass nichts Schlimmes dabei ist und garantiert nicht immer Ablehnung resultiert, kann die Angst abgebaut werden. Die eigenen Erwartungen sind oft viel schlimmer als die Realität. Wer es ausprobiert, wird das schnell merken.
  • Positives Zureden und Gedankenstopp
Immer dann, wenn sich Gedanken einschleichen, die darum kreisen, wie schmerzlich eine Zurückweisung wäre, sollte “STOPP” gedacht werden. Solche Gedanken sollten besser nicht zugelassen werden, da sie einen nur unnötig herunterziehen. Vielmehr sollten solche Gedanken produziert werden, die einen positiv beeinflussen können: “Ich bin liebenswert, ich kann das schaffen!” Wer so denkt, wird langfristig auch so handeln, das positive Gefühl ausstrahlen und dadurch seine Mitmenschen mitreißen.
  • Selbstvertrauen aufbauen
Ein Unterfangen, das zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist. Ein Allheilmittel existiert leider nicht. Vertrauen in sich selbst muss ebenso mühsam aufgebaut werden, wie dasjenige in andere Menschen. Unter Umständen hilft es, mit guten Freunden oder der Familie zu reden und sich einige Dinge aufzählen zu lassen, die sie gut an einem finden. Wenn dem kein Glaube geschenkt werden will, kann man selbst eine Liste aufstellen, auf die alles geschrieben wird, was in letzter Zeit gut gelaufen ist; Dinge, die man gut kann und an sich selbst mag. Kreative können sich vorstellen, eine Rolle zu spielen: Der Charakter ist unglaublich selbstbewusst und meistert jede Flirtsituation. Wenn etwas schiefgeht, war es lediglich der fiktive Charakter, der “nicht angekommen ist”; und wenn er denn doch ankommt, können seine Verhaltensweisen in die eigene Persönlichkeit integriert werden, was langfristig selbstbewusster machen kann. Einen Versuch ist es allemal wert!

Unglücklich verliebt: einseitige Liebe überwinden

Die einseitige Liebe ist etwas, was jeder kennt und alle von uns bereits mindestens einmal erlebt haben. Es ist der Herzschmerz, der nicht nachlässt, die Hoffnungslosigkeit, die alles um einen herum zu verschlingen scheint. Es ist ein Gefühl, als wäre eine gesamte Welt um einen herum in die Brüche gegangen. Es gibt mehrere Wege, den Schmerz zu beenden und zurück in das Leben zu kommen. Die beste und sicherste Methode beinhaltet dabei mehrere Schritte:

1. Den Schmerz zulassen

DepressionenDer Liebeskummer gehört zum Ende einer Liebe dazu. Er ist ein Teil der emotionalen Ablösung, die erforderlich ist, um die hoffnungslose Verliebtheit zu überwinden. Der Liebeskummer ist notwendig, um emotionell einen sauberen Schlussstrich ziehen zu können. Daher ist es von großer Bedeutung, den Schmerz, der aus den unerwiderten Gefühlen erwächst, bewusst zuzulassen. Seien Sie traurig, denn eine unerwiderte Liebe ist schmerzvoll. Sie brauchen es nicht zu verleugnen. Sie können es zugeben und Sie dürfen es zugeben. Der Liebeskummer ist ein emotionales Abschiednehmen von einer Liebe, die hätte sein können, die aber nie passiert ist. Jedoch ist es ein wichtiger Abschied mit all dem Schmerz und der Trauer, die jedem Abschied eigen sind. Es ist ein Abschied mit allen Gefühlen, die dazu gehören. Lassen Sie daher den Schmerz zu.

2. Die Zeit für die Trauer beschränken

liebeskummerDie Trauerphase, wie wichtig diese auch ist, kann nicht endlos dauern. Setzen Sie daher eine Zeit fest, in der Sie sich von der nicht stattgefundenen Beziehung verabschieden. Es können eine Woche, 14 Tage oder vier Wochen sein. Entscheiden Sie sich für eine Zeitspanne und halten Sie den Tag, an dem die Trauerfrist zu Ende ist, immer vor Augen. Jeden Tag, wenn Sie an die unerfüllte Liebe denken, erinnern Sie sich daran, wie lang Ihre Trauerphase noch zu laufen hat. Auf diese Weise knüpfen Sie an den emotionellen Schmerz, den Sie verspüren, gleichzeitig einen sehr nüchternen und rationalen Gedanken an. Dieser Gedanke wird sich jeden Tag Stück um Stück in Ihrem Bewusstsein verfestigen und für Sie zu einem rettenden Anker in Zeiten des großen Gefühlssturms werden. Mit der Zeit werden Sie feststellen, dass jedes Mal, wenn Sie sich wieder von Trauer, Verzweiflung und Schmerz überwältigt fühlen, Sie bereits automatisch daran denken, dass es nur noch eine bestimmte Anzahl von Tagen dauert, bis die Trauerphase vorbei ist. Mit jedem Tag, der vergeht, wird die Anzahl von Tagen, die Sie noch durchzuhalten haben, kleiner und kleiner. Wenn es nur noch wenige geblieben sind, werden Sie feststellen, dass Sie sich auf die Zeit nach der Trauerphase zu freuen beginnen. Jeden Tag ein kleines Stück mehr. Die Freude darüber, dass die Zeit bald vorbei ist, wird gegen Ende der festgelegten Zeitspanne stärker und stärker werden. Sie werden das Gefühl haben, als würden Sie langsam zum Ende eines langen Weges kommen. Und dies tun Sie dann auch. Sie kommen zu dem Ende Ihrer Trauerzeit, zum Ende von Schmerz und zum Ende von Tränen.

3. Die Trauer abschließen

Ist die Trauerzeit vorbei, werden Sie sich erleichtert und glücklich fühlen. Sie werden die Trauer nicht vergessen, denn sie gehört zu Ihrer ganz persönlichen Geschichte. Sie werden sich auch an den Menschen, in den Sie verliebt waren, erinnern. Dies geschieht dann jedoch ohne Schmerz und ohne Traurigkeit. Sie werden an ihn als an einen Teil ihrer individuellen Geschichte denken, die Sie erlebt und nun hinter sich gelassen haben. Wenn Sie ihn sehen, kann es sein, dass Sie am Anfang einen leichten Stich verspüren, der Sie an das vergangene Leid erinnert. Das Gefühl wird aber sehr schnell nachlassen und dann vollständig verschwinden. Die Hauptsache, an die Sie sich erinnern werden, wird sein, dass Sie die Trauer überstanden haben. Dies wird der Gedanke sein, den Sie immer im Hintergrund haben werden, wenn Sie der Person wieder begegnen.

4. Ein neues Leben beginnen

Mit dem Ende der alten Gefühle eröffnen Sie sich den Weg für eine neue Liebe. Sie können einen Menschen aussuchen, in den Sie sich wieder verlieben können und der Sie liebt. Sie können voller Selbstvertrauen und Zuversicht in eine neue Beziehung hineingehen, denn Sie wissen, dass Sie sich vor Liebeskummer nicht zu fürchten brauchen. Es ist ein wichtiger Prozess, der zum Ende einer Beziehung gehört, um den Weg für eine neue Liebe zu ebnen.   Links zum Thema: Auf bildderfrau.de gibt es einen Test zum Thema, der auch Strategien aufzeigt, wie man aus der Herzschmerzfalle ausbrechen kann: >> hier geht’s zum Test Weitere hilfreiche Tipps und Ratgeber wie man seinen Liebeskummer überwinden kann, gibt es auf www.helpster.de Falls der Schmerz nicht nachlässt und anfängt Ihr Leben zu bestimmen, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt Psychologen, die bereits auf das Thema Liebeskummer spezialisiert sind und viel Erfahrung auf dem Gebiet haben. Mögliche Ansprechpartner und Adressen finden Sie hier    

Selbstliebe: Sich selbst lieben lernen

Auf ein “Ich liebe dich” mit etwas wie “Oh, kann ich verstehen, ich mich auch” zu antworten, würde niemandem auch nur im Traum einfallen. Zu groß wäre die Angst vor Sanktionen – denn nahezu jeder assoziiert mit derart selbstverliebten Menschen den Narziss aus der griechischen Mythologie: Dieser war so angetan von seinem Spiegelbild im Wasser, dass er, bei dem Versuch, die liebliche Gestalt im Wasser zu küssen, in den Teich fiel, und ertrank …

Selbstliebe darf nicht mit Narzissmus gleichgesetzt werden

Ich mag michDer Begriff Narzissmus ist eher negativ konnotiert; nicht selten wird er mit Attributen wie Egoismus oder Egozentrik assoziiert. Manch einer mag den Ausdruck gar mit einer Persönlichkeitsstörung in Verbindung setzen, und zwar im Sinne einer krankhaften Selbstverherrlichung oder eines unangemessenen Größenwahns bezüglich der eigenen Person. Selbstliebe hingegen sollte mit nichts dergleichen in Zusammenhang gebracht werden – denn sie ist durchweg positiv zu bewerten und vor allem lebensnotwendig! Leider lassen gängige Wertvorstellungen eine derartige Eigenliebe häufig nicht zu. Es kommt viel zu oft vor, dass Menschen mit positivem Selbstwertgefühl denunziert und als arrogant oder egoistisch bezeichnet werden, wenn sie ihrer Einstellung zu sich selbst nach außen hin Ausdruck verleihen. Altruismus hingegen wird gefeiert. Selbstaufopferung erscheint als Maß aller Dinge: Wer nett zu anderen ist, sich stets hilfsbereit zeigt und eine positive Meinung von seinen Mitmenschen hat, wird als sympathisch und sozial verträglich bezeichnet. Andere zu lieben ist gesellschaftlich anerkannt – sich selbst zu lieben und das zu demonstrieren scheint weniger gut in die Glaubenssätze zu passen. Doch eben ein solche Einstellung zu sich selbst ist von enormer Importanz – sowohl für das eigene Wohlbefinden als auch für die Gestaltung befriedigender Sozialbeziehungen.

Was ist unter Selbstwertgefühl zu verstehen?

sich selbst liebenDer Mensch sammelt im Laufe seines Lebens vielfältige Erfahrungen – so auch über die eigene Person. Daher entwickelt jeder mit der Zeit ein bestimmtes Bild von sich selbst. Das sogenannte Selbstkonzept kann als eine Art Modell verstanden werden, das die Person über sich, ihre Fähigkeiten, ihr Erscheinungsbild, ihre Wirkungsweise etc. gebildet hat. Je nachdem, ob die Person dieses Selbstbild als gut oder schlecht bewertet, kann von positivem bzw. negativem Selbstwertgefühl gesprochen werden. Menschen mit positivem Selbstwertgefühl sind mit sich selbst, ihrer Optik, ihren Kompetenzen, ihren Einstellungen – schlichtweg mit der eigenen Person – zufrieden und sind sich selbst gegenüber wohlwollend gestimmt. Von dieser Warte aus betrachtet, verliert der Begriff der Selbstliebe seinen negativen Beiklang, denn in einem derartigen Bezugsrahmen erscheint es überaus erstrebenswert, eine solche Meinung von sich selbst zu haben.

Auf sich selbst vertrauen

Ein Nebeneffekt von wohlwollend ausgeprägtem Selbstwertgefühl ist, dass diese Personen in der Regel auch ein hohes Selbstvertrauen besitzen. Wenn ich von mir selbst überzeugt bin und mich liebe, wie ich bin, spricht immerhin nichts dagegen, auch auf mich und meine Fähigkeiten zu vertrauen. Von sich selbst überzeugte Menschen haben den Vorteil, mit weniger Furcht in die Zukunft blicken zu können, da sie sich auf ihre Fähigkeiten verlassen und entsprechend daran glauben, jedweder Herausforderung entgegentreten und sie bewältigen zu können. Selbstvertrauen bereichert und erleichtert das Leben – und dazu gehört auch, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, Beziehungen aufzubauen und sich zu verlieben.

Sich selbst und andere lieben – worin besteht die Gemeinsamkeit?

Ein jeder kennt den Ausspruch “Nur wer sich selbst liebt, ist auch in der Lage, andere zu lieben” – und das ist tatsächlich wahr: Wer mit sich selbst unzufrieden ist und Zweifel daran hat, liebenswert zu sein, trägt dieses Gefühl nach außen und beeinflusst damit auch seine Mitmenschen …
  • “Ich habe dich überhaupt nicht verdient!”
  • “Warum liebst du mich überhaupt?”
  • “Ich bin es gar nicht wert, dass du so gut zu mir bist!”
  • “Du musst wirklich keine Rücksicht auf mich nehmen, ich bin nur froh, dass ich dich habe!”
… Solche und ähnliche Aussagen zeugen davon, wie wenig eigentlich von der eigenen Person gehalten wird. Derartige Selbstzweifel wirken sich natürlich auch auf die Beziehung aus und schränken das Miteinander in nicht unerheblichem Maße ein. Menschen mit geringem Selbstwertgefühl nehmen sich darüber hinaus auch schon häufig vor dem Beginn einer Partnerschaft aus dem Spiel. Denn wem es an Selbstbewusstsein mangelt, dem mangelt es in der Regel auch an der Vorstellungskraft, dass andere einen lieben könnten. Wie auch, wenn man sich selbst so gar nicht leiden kann?! Daher ist Folgendes unerlässlich: Jeder sollte es zulassen, sich selbst zu lieben! Davon profitieren nicht nur andere, sondern, und das ist am Wichtigsten, vor allem die eigene Person:
  • “Ich habe verdient, glücklich zu sein!”
  • “Ich bin liebenswert!”
  • “Ich bin es wert, gut behandelt zu werden!”
  • “Mein Partner kann sich glücklich schätzen, mich zu haben. Wir harmonieren hervorragend!”
Derartige Äußerungen hören sich schon wesentlich besser an. Niemand hat nötig, sich für andere klein zu machen, Selbstmitgefühl ist absolut angebracht. Außerdem haben solche Aussagen den positiven Nebeneffekt, dass sie bei wiederholter Verinnerlichung wesentlich dazu beitragen können, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Nicht nur das: Langfristig wird auch das Selbstbewusstsein gesteigert und somit die Art und Weise der Selbstdarstellung. So einfach ist es jedoch nicht immer: Zum einen sind in zu vielen Köpfen die Glaubensmuster verankert, dass sich ein zu ausgeprägtes Selbstbewusstsein nicht schickt. Zum anderen nagen Selbstzweifel und vermeintliche Unzulänglichkeiten zu sehr an der Liebe zu sich selbst, als dass positive Selbstinstruktion alleine etwas daran ändern könnte.

Verschiedene Möglichkeiten, sein Selbstwertgefühl zu steigern

selbstwertgefühl steigernVergleiche mit anderen gänzlich vermeiden, zumindest jedoch abwärts richten Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein bugsieren sich selbst zu oft in den Schatten eines anderen. Im Vergleich zu sehr erfolgreichen Freunden, überaus glücklich verheirateten Geschwistern oder extrem kultivierten Nachbarn, wirkt das eigene Leben schnell mal trist und sinnlos. Daher sollten soziale Vergleiche tunlichst vermieden werden. Schließlich kommt es einzig und allein darauf an, ob einen selbst seine Lebensumständen zufrieden stimmen. Was andere erreicht haben oder für erstrebenswert befinden, sollte das eigene Selbstwertgefühl unangetastet lassen! Wenn schon vergleichen, dann bitte in die entgegengesetzte Richtung: Zwar ist es prinzipiell nicht die feine Art, sich an dem zu “erfreuen”, was anderen misslungen ist – hin und wieder kann es jedoch förderlich für das eigene Selbst sein. Dadurch wird möglich, sich selbst in ein gutes Licht zu rücken und darin zu bestärken, dass alles doch eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie ursprünglich gedacht. Regelmäßig nach Stärken und Ressourcen suchen Es kann das eigene Selbstvertrauen ungemein stärken, wenn regelmäßig vergegenwärtigt wird, was die persönlichen Stärken sind. Oftmals geniert man sich, diese offen zuzugeben; sich selbst schlecht machen fällt einem erstaunlicherweise viel leichter. Aber: Jeder Mensch kann etwas besonders gut, daran besteht kein Zweifel. Um die eigenen Ressourcen ausfindig zu machen, kann es helfen, einen kurzen Zeitabschnitt etwas genauer zu betrachten. Zum Beispiel die zurückliegende Woche:
  • “Was habe ich in der letzten Zeit besonders gut, vielleicht sogar besser als andere, gemacht?”
  • “Wann war ich warum stolz auf mich?”
  • “Für welche Leistung habe ich Lob von anderen bekommen?”
Sich seine eigenen Stärken regelmäßig zu verinnerlichen hilft auf Dauer, das Vertrauen in und die Sympathie für das eigene Selbst zu fördern. Sich von unerreichbaren Idealen verabschieden Unzufriedenheit mit der eigenen Person resultiert häufig daraus, dass der wahrgenommene Ist-Zustand zu sehr von einem erwünschten Idealzustand abweicht. Wie dieser definiert ist, unterscheidet sich interindividuell. Natürlich ist es wichtig, Ziele und Träume im Leben zu haben, die irgendwann verwirklicht werden wollen – schließlich sind es diese, die uns Menschen vor einem Stillstand bewahren. Für das Selbstwertgefühl können sie jedoch dann zur Bedrohung werden, wenn sie unerreichbar sind. Daher sollte regelmäßig der Mut aufgebracht werden, Lebensentwürfe kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls etwas anzupassen. Denn nur, wenn hin und wieder Erfolge erzielt werden, profitiert das Selbstbewusstsein. Vertraute nach ihrer Meinung fragen Jeder wird geliebt; sei es drum, ob diese Liebe von Freunden, engen Arbeitskollegen oder der Familie kommt: All diese Menschen haben einen, vermutlich sogar mehrere Gründe dafür parat, warum sie einen selbst für liebenswert erachten. Den Mut zu finden, solche Vertraute nach ihrer Meinung zu fragen, ist Balsam für die Seele. Derartige Zusprüche sollten der Beweis dafür sein, dass es nicht verwerflich ist, von sich selbst überzeugt zu sein. Was spricht dagegen, sich selbst zu lieben, wenn es auch andere tun? Sich selbst zu lieben meint nicht Selbstbeweihräucherung zu betreiben oder mit dem zu prahlen, was man ist und kann. Es soll auch nicht beinhalten, andere schlecht zu machen, weil sie im Vergleich zu einem selbst, als weniger wert erscheinen. Wer sich selbst liebt, läuft nicht automatisch Gefahr, sich, wie Narziss, in sich selbst zu verlieren und zu “ertrinken”. Selbstliebe ist nicht verwerflich. Im Gegenteil: Sie ist notwendig, um ein glückliches Leben zu führen. Mit sich selbst im Reinen zu sein, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und sich selbst zu respektieren ist überaus wichtig. Nicht zuletzt dafür, um anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, Teil des eigenen Lebens zu werden und ihnen gar zu erlauben, einen selbst zu lieben.  

Emotionale Erpressung in der Partnerschaft

In der Regel fordern Erpresser Lösegeld; manchmal ein zusätzliches Fluchtfahrzeug, um sich davonstehlen zu können. Erpresste sind bereit, Unsummen zu zahlen und die Erpresser unbescholten davonkommen zu lassen. Sie sind machtlos, da sie wissen, dass etwas viel Wichtigeres auf dem Spiel steht als Geld: Ehre, Ansehen, der gute Ruf etc. Menschen sind dann in der Lage, andere zu erpressen, wenn sie die Achillesferse des anderen kennen. Ein großes Geheimnis, das keinesfalls an die Öffentlichkeit geraten darf, da es sonst Sanktionen des Umfeldes zur Folge hätte, die keinesfalls in Kauf genommen werden wollen. Erpresst zu werden ist schmerzlich, wird aus Angst vor etwaigen Konsequenzen jedoch ausgestanden.

Wie viel ist die Liebe wert?

Erpressungsszenarien spielen sich jedoch nicht ausschließlich im wirtschaftlichen Sektor oder in hohen Gesellschaften ab. Auch in Partnerschaften wird erpresst und folgt ähnlichen Regeln: Einer der Partner möchte seinen Willen durchsetzen und die Beziehung nach seinen Vorstellungen gestalten, weshalb es nötig ist, den anderen entsprechend zu formen. Vollzieht dieser den Wandel nicht aus freien Stücken oder eigener Überzeugung, wird erpresst. Es wird versucht, die Gefühle des anderen zu manipulieren, um so seinen Willen durchzusetzen. Emotionale Erpressung fußt auf Bestrafung mittels negativer Verstärkung: Erhält der Erpresser nicht das, was er möchte, wird der andere in einen negativen gefühlsmäßigen Zustand versetzt. Forderungen sind selbstverständlich nicht in Euro aufzuwiegen – stattdessen vielmehr in Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Zeit.

Manipulation durch Schuldgefühle

jemanden beschuldigenIn Partnerschaften werden verschiedensten Maßnahmen der emotionalen Erpressung ergriffen. Die Effektvollste von allen ist wohl jene der Provokation von Schuldgefühlen. Für etwas Negatives verantwortlich zu sein, schmerzt den Menschen ungemein. Insbesondere dann, wenn derartige Zuweisungen von der geliebten Person kommen. Der Gedanke daran, für wie auch immer geartetes Leid des anderen verantwortlich zu sein, macht manipulierbar – das Wissen darum macht sich der Erpresser zu nutzen, um das zu bekommen, was er will. Häufig werden Schuldzuweisungen derart formuliert, dass sie Allgemeingültigkeit suggerieren und dem Erpressten das Gefühl geben, er würde sich normabweichend verhalten. Dies ist z. T. noch unangenehmer, als “nur” den eigenen Partner enttäuscht zu haben. “Wenn man jemanden liebt, macht man so etwas nicht.” – Ein Klassiker.

Weitere Methoden emotionaler Erpressung

Neben der Beförderung von Schuldgefühlen bedienen sich emotionale Erpresser vieler weiterer Methoden, um in der Beziehung genau das zu bekommen, was sie sich wünschen:
  • an Verpflichtungen in der Beziehung erinnern
  • Vorwürfe verschiedenster Art
  • darauf verweisen, dass sie häufiger Opfer für die Partnerschaft bringen
  • den Märtyrer spielen
  • nachtragend sein und oft auf vergangene Fehler hinweisen
  • Verhaltens- und Handlungsweisen mit denen anderer vergleichen
  • auf Diskrepanzen in Worten und Taten hinweisen
  • Gefühle in Frage stellen
  • auch ohne Worte Leiden zum Ausdruck bringen
  • demonstrieren, wie wertvoll ihr Tun für das Aufrechterhalten der Beziehung ist
  • mit Leid, Trennung, Selbstverletzung oder gar Suizid drohen
In besonders akuten Fällen von emotionaler Erpressung kann so weit gegangen und gar von psychischer Gewalt gesprochen werden. Die Erpresser wissen in der Regel genau, welche Strategie in welcher Situation am ertragreichsten ist und nutzen dies gezielt aus. Ähnlich, wie Erpresser im wirtschaftlichen Bereich, kennen Partner, die zu derartigem Verhalten in der Beziehung neigen, die Schwächen des anderen genau und können diese gezielt für ihre Zwecke nutzen.

Warum erpressen Menschen in Partnerschaften?

emotional erpressenSie sehen sich selbst als Opfer Das Paradoxe ist, dass sich die Erpresser häufig selbst als Opfer sehen und aus einer Art Selbstschutz heraus handeln. In gewisser Hinsicht wissen sie sich nicht anders zu helfen, als den geliebten Menschen zu manipulieren. Die Gründe, die dahinterstecken, sind äußert vielfältig. Emotionale Abhängigkeit Denkbar wäre, dass der Erpresser emotional derart von seinem Partner abhängig ist, dass er glaubt, ohne den anderen keinesfalls leben zu können. Daher ist die Angst, verlassen zu werden, größer, als unter normalen Beziehungsumständen. Erpressungen scheinen als einzige und vor allem effektive Möglichkeit, den anderen zu binden. Unzureichende Kommunikation Zwar banal, jedoch durchaus realistisch: Der Erpresser kommuniziert seine Bedürfnisse und Wünsche nicht und erwartet, dass der andere sie ihm sozusagen von den Augen abliest. Dass dies nur schwer bis gar nicht möglich ist, spielt hierbei keine Rolle. Daraus resultieren Frustration und Enttäuschung, da das Verhalten des anderen als unsensibel und nicht einfühlsam genug wahrgenommen wird. Statt offen darüber zu sprechen, was einem auf der Seele liegt, greifen emotionale Erpresser zu manipulativen Methoden, um letztlich doch das zu bekommen, was sie sich von der Beziehung wünschen. Gefühle der Unzufriedenheit Dem Erpresser sollte nicht die komplette Schuld aufgeladen werden. Es ist durchaus möglich, dass Verhaltensweisen früherer Partner oder vergangene Handlungen des aktuellen ihn dazu bewegen, sich derartig zu verhalten. Unter Umständen werden durch die emotionale Erpressung Empfindungen wie Kränkung, Zurückweisung, mangelnder Zuwendung, fehlender Aufmerksamkeit, emotionalen Verletzungen etc. Ausdruck verliehen. Zweifel an der eigenen Person In manchen Fällen wird emotionale Erpressung von Menschen praktiziert, die nicht besonders selbstbewusst sind. Sie glauben, dass sie einer anderen Person nicht genug zu bieten haben, weshalb ein Partner nie dauerhaft an ihnen festhalten würde. Durch verschiedene Manipulationsstrategien versuchen sie, den anderen trotz eigener (vermeintlicher) Unzulänglichkeiten an sich zu binden.

Folgen emotionaler Manipulation

jemanden manipulierenDass derartige Erpressungsversuche der Liebe auf Dauer nicht zuträglich sind, ist den Erpressern mal mehr und mal weniger bewusst. Tatsache ist jedoch, dass ein derartiges Verhalten unweigerlich zu Beziehungsproblemen führen wird. Entweder, der Erpresste setzt sich zur Wehr und entwickelt sich selbst zum Erpresser, sodass die Beziehung ein einziger Schlagabtausch von Schuldzuweisungen wird oder der Erpresste resigniert, und fügt sich in die Rolle des Klein-Beigebenden. Beide Varianten sind ungesund und der Liebe über kurz oder lang abträglich. Statt sich in der Gegenwart des anderen wohlzufühlen, dominiert ein ständiges Gefühl der Beklemmung. Man fühlt sich unfrei, machtlos, ist ängstlich und schlichtweg unzufrieden. Der Erpresste zaudert ständig zwischen dem Gefühl, unter Zwang zu stehen und einem schlechten Gewissen; je nachdem, ob er auf die Erpressungen eingeht oder sich zur Wehr setzt.

Wege aus der emotionalen Erpressung

Am Beginn des Weges aus der emotionalen Manipulation steht ein Eingeständnis. Sowohl der Erpresste als auch der Erpresser selbst müssen erkennen, in welcher ausweglosen Situation sie sich befinden, und dass ihre Beziehung einen ungesunden Verlauf genommen hat. Nur, wenn beide sich diesen Sachverhalt eingestehen, kann bewusst an einer Verhaltensänderung gearbeitet werden. Wichtig ist insbesondere, dass dies gemeinsam geschieht: Insofern sich nur einer der beiden Partner die Erpressung eingestehen würde, wäre eine Veränderung schwieriger herbeizuführen. Beide Partner haben sich, wenn auch unter negativen Rahmenbedingungen, aufeinander eingespielt, weshalb eine einseitige Reorganisation vermutlich ebenso mit Problemen verbunden wäre. Die wichtige Rolle des Erpressten Zwar sollten bestenfalls beide Partner die Einsicht gewinnen, dass sich die Umgangsformen in der Beziehung neu gestalten müssen, jedoch wird der Ausschlag hierfür nur in seltenen Fällen vom Erpresser kommen. Dieser agiert zumeist unbewusst und sitzt sozusagen am längeren Hebel, weshalb er weniger dazu geneigt sein wird, etwas an der Situation zu verändern. Ganz anders sieht dies für den Erpressten aus: Die ambivalente Gefühlslage wirkt erdrückend, sodass eine Modifikation der Beziehungsstrukturen herbeigesehnt wird. Je nachdem, wie eng die gefühlsmäßige Bindung ist oder wie lange die Partnerschaft schon besteht, wird der Schritt aus der Unzufriedenheit in die Unabhängigkeit entweder über die Trennung oder über die Konfrontation mit dem Partner erfolgen.
  • Einfühlsam auf die Missstände hinweisen
Als Erpresster mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen zu kontern, wäre denkbar ungünstig. Es ist wichtig, dem anderen möglichst einfühlsam zu begegnen und vorsichtig auf die Erpressungssituation hinzuweisen. Am besten möglichst subtil. Dabei sollte vornehmlich auf die eigenen Gefühle eingegangen und beschrieben werden, wie es einem mit der Situation geht. Hierbei sollte stets im Hinterkopf behalten werden, dass der Erpresser selbst “nur” aus Selbstschutz agiert, weshalb entsprechend auch auf seine Gefühlslage eingegangen werden sollte.
  • Das eigene Verhalten kritisch betrachten
Zwar soll die Schuld nicht in Gänze bei sich gesucht werden, jedoch könnte es helfen, kritisch zu reflektieren, ob die Verhaltensweisen des Erpressers in manchen Situationen vielleicht ein Stück weit gerechtfertigt oder zumindest auf eigenes, evtl. unangemessenes Verhalten zurückgeführt werden können. Ist dies der Fall, sollte mit der Veränderung auch bei sich selbst angesetzt und unter Umständen verletzende oder kühle Handlungsweisen zukünftig unterlassen werden.
  • Entscheidungsfreiheit zurückerlangen
Erpresste sind Gewissensbisse in der Regel gewöhnt. Jedoch wäre wichtig, diese abschalten zu lernen. Denn: Sie sind unbegründet! Nicht auf die Manipulationen des Partners einzugehen heißt nicht, dass man ihn nicht liebt und seine Wünsche nicht respektiert. Es bedeutet lediglich, dass Entscheidungen mit freiem Willen getroffen werden. Diese Freiheit zurückzuerlangen ist zum Teil sehr harte Arbeit, da um des lieben Friedens willen häufig eingelenkt wird. Besser wäre aber, standhaft zu bleiben und Dinge nur aus freien Stücken zu tun. Derartiges Verhalten kann einem niemand übel nehmen. Freiwillig geäußerte Liebesbekundungen sind ohnehin viel wertvoller als erzwungene. Das wird auch der Partner irgendwann einsehen.
  • Sich in Geduld üben
Die Erpressungen werden nicht von heute auf morgen aufhören. Über längere Zeit eingeübte Beziehungsmuster sind hartnäckig und entsprechend schwer auflösbar. Daher ist wichtig, sich selbst und auch den anderen nicht unter Druck zu setzen und der Partnerschaft die Zeit zu geben, die sie zur Regeneration braucht. Am besten sollten schon kleine Verbesserungen angemessen wertgeschätzt werden, da dies sowohl einem selbst als auch dem Erpresser gut tut und zeigt, dass das Vorhaben nicht aussichtslos ist.

Beziehungsphasen: Die unterschiedlichen Phasen einer Beziehung

“Wo genau stehen wir eigentlich?” Mit dieser Frage wird fast jeder schon einmal konfrontiert worden sein oder sie gar selbst gestellt haben. Sich damit auseinanderzusetzen, wo in der Beziehung man sich gerade befindet, ist für viele ein sehr wichtiger Aspekt. Die darauf folgende Antwort, so zumindest die Hoffnung, verrät indirekt viel darüber, ob es eine gemeinsame Zukunft geben wird und wenn ja, was sie offenbaren könnte. Immerhin erlaubt die Rückmeldung des anderen eine Einschätzung dahin gehend, ob beide die Beziehung gleich oberflächlich oder tief greifend definieren und somit eine Basis für ein wie auch immer geartetes Zusammensein besteht. Doch nicht nur zu Beginn ist das Wissen um das “Wo stehen wir?” von Bedeutung; auch im Verlauf der Partnerschaft kann es dabei helfen, sich selbst und den anderen besser zu verstehen und das gemeinsame Leben bewusster wahrzunehmen und zu gestalten.

Die Phasen einer Partnerschaft

beziehungsphasenEbenso, wie sich Menschen weiterentwickeln, verändern sich auch Beziehungen im Laufe der Zeit. Idealtypisch können folgende Partnerschaftsphasen unterschieden werden:
  • Schwärmerei
  • Verliebtheit
  • Ernüchterung
  • Turbulenzen
  • Reflexion
  • Integration
  • Stabile Partnerschaft
Die einzelnen Beziehungsphasen können ganz unterschiedlich bezeichnet sein – im Prinzip spielt es auch keine Rolle, welchen Namen sie tragen: Von Bedeutung ist lediglich, was hinter den Begriffen steht und wie sich die jeweilige Phase gestaltet. Die erste Verliebtheit In dieser Beziehungsphase schwingen noch eine Zeit lang die Eindrücke der Schwärmerei mit; jedoch ist alles weniger unsicher. Ob explizit festgelegt oder implizit erschlossen: Das Zugehörigkeitsgefühl ist gegeben, der andere wird als “feste/r Freund/in” vorgestellt. Diese Anfangsphase der Liebe ist von viel Aufgeregtheit und positiver Nervosität geprägt, da alles neu ist und mit dem Partner zum ersten Mal erlebt wird. Eine Übersättigung stellt sich nur selten ein, voneinander genug zu haben ist in dieser Zeit fast unmöglich. Aneinander werden nur die positiven Seiten wahrgenommen, die Gemeinsamkeiten werden hervorgehoben, an eventuellen Unterschieden wird aufrichtiges Interesse bekundet und die Macken des anderen werden als “niedlich” bezeichnet. Schleichend stellt sich eine Art Ernüchterung ein Irgendwann jedoch ist nichts mehr neu, sondern alles allzu bekannt. Die anfängliche Verliebtheit klingt langsam ab und entwickelt sich zu etwas anderem, Tieferen, weniger Aufregendem. Allmählich beginnen auch die Macken des anderen ihren Charme zu verlieren und nerven einfach nur. Unzufriedenheit schleicht sich ein, da die Beziehung im Vergleich zu den ersten Monaten an Pepp verloren hat. Je nach Gestalt der Beziehung kann es vorkommen, dass beide Partner nur noch nebeneinanderher leben oder zu sehr aufeinandersitzen und sich daher eingeschränkt fühlen. Zudem können die Vorstellungen darüber, wie eine dauerhafte Beziehung auszusehen hat, stark divergieren, weshalb Konflikte, Eifersucht, Neid etc. resultieren können. Unzufriedenheit kann in Turbulenzen gipfeln Während in der Phase der Ernüchterung die Erinnerungen an die einstige Verliebtheit noch einiges zu kompensieren in der Lage sind, wird eine Beziehungsphase folgen, in der die beiden Partner ihrer Unzufriedenheit Luft machen müssen – Konflikte sind die Folge: Zwar will aneinander festgehalten werden, jedoch nur zu den individuell festgelegten Bedingungen. Die eventuell existierenden Unterschiede möchten so beigelegt werden, dass sich der eine dem anderen anpasst; dass hieraus Streit entsteht, ist unumgänglich. Jeder möchte für sich das durchsetzen, was seiner subjektiven Ansicht nach das Beste für die Beziehung ist. Reflexion um der Liebe Willen Dass derartige Auseinandersetzungen auf Dauer belastend sind, ist kein Geheimnis. Dessen werden sich auch die Partner bewusst. Wenn sich beide ihrer Gefühle sicher sind und darin einig, zueinander zu gehören, stellt sich die Phase der Reflexion ein. Wenn beide die Turbulenzen satthaben und einsehen, dass diese sie nicht weiterbringen werden, wird konstruktiv darüber diskutiert, was falsch läuft. Es wird Rückschau auf die Anfangszeit gehalten und überlegt, wie es passieren konnte, jenes Stadium in derartige Streitereien münden zu lassen. Die Partner sind bereit, auch ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen, um auf diese Weise zu einem gemeinsamen Konsens zu gelangen. Beide Vorstellungen werden zu einem gemeinsamen Lebensentwurf integriert Die Partner versuchen, die Einstellungen des jeweils anderen nachzuvollziehen. Sie besprechen, was sie vom Leben wollen und was sie sich von der Beziehung erwarten. Beide besinnen sich auf die Tatsache, dass sich eine Partnerschaft im Laufe der Zeit verändert, der Alltag seinen Teil zur Entmystifizierung beiträgt und die Schmetterlinge sich nach einiger Zeit eben verflüchtigen – was aber nichts Schlechtes bedeuten muss: Die Partner erkennen, dass es nicht nur Verliebtheit sein kann, die sie an diesen Punkt ihrer Beziehung gebracht hat, sondern dass ein tieferes Gefühl, die Liebe, das ist, was zählt. Daher fällt es leicht, gewisse Kompromisse einzugehen und beide Vorstellungen derartig zu vereinbaren, um einen Lebensentwurf zu kreieren, der beide Parteien glücklich macht und auf Dauer zufriedenstellt. Eine stabile, liebevolle Partnerschaft Nachdem sich beide einander besonnen haben, ihre Einstellungen zu einem gemeinsamen Lebensentwurf integriert und sich ihren Platz in der Beziehung geschaffen haben, ist eine Art Plateau erreicht. Dies ist jedoch nichts Negatives, da es die Basis einer glücklichen Partnerschaft darstellt. Die Liebe des und zum anderen ist eine Konstante im Leben, die einen bestärkt und den Alltag meistern lässt. An diesem Punkt angelangt, kann ein gemeinsames Leben aufgebaut werden. In derartig reifen Beziehungen geht es nicht mehr ausschließlich um aufregende Momente, Spaß und Leidenschaft, sondern um mehr: Es wird sich umeinander gekümmert, auch hinsichtlich weniger romantischer Belange wie Gesundheit oder Finanzen. Die Partner sind darum bemüht, sich gemeinsam ein gutes Leben zu ermöglichen.

Zirkularität der Beziehungsphasen

Das Plateau der stabilen Partnerschaft ist keineswegs der Endpunkt der Liebe. Die Qualität einer Beziehung wird nicht allein von diesem Gefühl getragen – auch das Umfeld und die Persönlichkeit der beiden Partner nehmen Einfluss auf die Beziehung. Entsprechend kann es im Verlauf der Zeit durchaus zu wiederholten Durchläufen bestimmter Phasen kommen, die z. T. mit den Entwicklungsaufgaben verknüpft sind, die das Leben an die Liebenden stellt:
  • berufliche Veränderungen
  • wirtschaftliche Rückschläge oder drastische Aufschwünge
  • Heirat
  • die Geburt eines Kindes und alle damit verbundenen Aufgaben
  • Krankheiten
  • Verlagerungen des Lebensmittelpunktes
Solche und viele weitere Geschehnisse können zu erneuten Krisen führen, die überwunden werden müssen. Ebenso ist möglich, dass sie zum “zweiten, dritten, vierten etc. Frühling” in der Beziehung führen können. Die Partner verändern sich im Laufe des Lebens, werden älter und reifer. Auch das wirkt auf die Beziehungsdynamik ein; vor allem bei Partnern, die sich in relativ jungen Jahren kennen- und lieben gelernt haben. So, wie die Persönlichkeiten reifen, muss auch die Beziehung wachsen.

Veränderung als notwendige Voraussetzung für Liebe

Die Fähigkeit und Bereitschaft zu Veränderungen ist das, was langjährige Beziehung ausmacht. Dieser Prozess ist unaufhaltsam und sollte einen nicht ängstigen, sondern vielmehr als Notwendigkeit und Chance begriffen werden. Ewig an der ersten Verliebtheit festhalten zu wollen, würde etwas viel Wertvolleres verhindern – nämlich die Liebe. Dieses Gefühl ist unter Umständen zwar weniger leidenschaftlich, jedoch viel tiefer gehend, verlässlicher und vor allem allgegenwärtig. Entsprechend sollte es als Bereicherung aufgefasst und nicht mit Furcht beachtet werden, wenn die Beziehung verschiedene Phasen durchläuft und sich mit der Zeit wandelt. Dieser Prozess ist unumgänglich, notwendig … und absolut erstrebenswert.