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Warum gehen Männer fremd?: Gründe & Vorbeugung

Eine Frage die Frauen seit jeher beschäftigt, ist was Männer dazu bringt, fremdzugehen. Immerhin geben je nach Studie bis zu 43% aller Männer an, schon einmal fremdgegangen zu sein oder sich gedanklich mit einem Seitensprung beschäftigt zu haben. Bei den Frauen ist dieser Anteil deutlich geringer. Was ist es also, das Männer in eine Affäre treibt, und wie kann man (in diesem Falle Frau) damit umgehen?

Sex oder Liebe?

Für eine Frau, deren Partner fremdgeht, stürzt häufig eine Welt ein. Sie fragt sich was sie falsch gemacht hat und zweifelt an der Liebe ihres Partners zu ihr. Tatsache ist, dass die wenigsten Affären oder Seitensprünge auf Liebe basieren. Sehr oft ist es so, dass Männer gerade deswegen fremdgehen, eben weil sie ihre Partnerin lieben und sie nicht verlassen möchten. Was sie suchen ist Sex, und das aus unterschiedlichen Gründen.

Warum gehen Männer fremd?: Die Sache mit der Monogamie

männlicher SeitensprungEs klingt nach einer lahmen Ausrede, aber sexuelle Untreue ist unter anderem bereits in den Genen verankert. Der Mann ist zur Monogamie nicht geschaffen, und das hat vor allem evolutionstechnische Gründe. Als menschliche Beziehungen in früheren Formen des sozialen Zusammenlebens einzig der Arterhaltung dienten, war es für die männlichen Exemplare unserer Spezies wichtig, den Genpool zu erweitern und gleichzeitig aber ihr eigenes Erbgut so weit wie möglich zu verteilen. Logische Konsequenz aus dieser überlebensnotwendigen Strategie war demnach, so viele Frauen wie möglich zu schwängern. Heute ist das freilich nicht mehr notwendig, denn es gibt genug Menschen die sich fortpflanzen, so dass ein Aussterben der Menschheit kein Thema mehr ist. Dennoch gibt es eine Art Kollektivgedächtnis, quasi das Vermächtnis unserer Vorfahren im Stammhirn. Diese uralte Programmierung sorgt zuweilen dafür, dass ein Mann sich anderweitig umsieht und fremdgeht.

Sexueller Frust

Ein Ausrutscher nach einer Partynacht, die Affäre mit der Sekretärin; Fremdgehen hat viele Gesichter. Allzu oft spielt sexueller Frust des Mannes dabei eine Rolle. Es ist nicht so dass er seine Partnerin nicht liebt; aber jeder Mensch weiß dass eine Beziehung einschläft, wenn man nicht daran arbeitet, und das gilt natürlich auch für die sexuelle Komponente. Vielleicht ist die Partnerin stark im Job eingespannt oder hat gerade ein Kind bekommen, so dass andere Dinge wichtiger erscheinen als die Zweisamkeit mit dem Partner. Vielleicht hat sie aber auch andere sexuelle Interessen oder ist schlicht nicht so experimentierfreudig. Rechtfertigungsgründe für Untreue gibt es nicht, wohl aber könnte sexueller Frust eine Erklärung für Fremdgänger sein. Das gilt übrigens nicht nur für Männer; auch Frauen gehen aus sexuellem Frust fremd.

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht

Nicht nur Frauen wollen spüren, dass sie geliebt werden. Mangelnde Zuneigung des Partners kann auch einen Mann in die Arme einer Affäre treiben. Bei ihnen ist die Gefahr noch höher, da sie Sex mit Liebe oft gleich setzen und sich daher die Zuneigung in einem Seitensprung holen, die sie von ihrer Partnerin nicht zu bekommen glauben. Dazu brauchen sie keine echte Liebe für die Affäre empfinden; es genügt das Gefühl, begehrt zu sein. Manchmal setzen Fremdgänger noch einen drauf: Indem sie einen Seitensprung beichten, strafen sie so ihre Partnerin für die mangelnde Aufmerksamkeit, die sie erfahren.

Rache

Dies führt unweigerlich zum nächsten Grund, aus dem Männer fremdgehen, die Rache. Sei es weil die Partnerin eine Liaison mit dem netten Arbeitskollegen hatte oder aus irgendeinem anderen Grund: Manche Männer wollen ihre Partnerin bestrafen, indem sie mit einer anderen Frau schlafen. Sie setzen ein Signal: „Schau, auch andere Frauen wollen mich, und ich kann sie haben!“ Oder weiter gedacht: „Ich nehme mir wen ich will, wieso sollte ich ausgerechnet dich behalten?“ Dass ein Seitensprung für den betrogenen Partner ohnehin demütigend ist, muss nicht explizit erwähnt werden, aber Fremdgehen aus Rache ist besonders perfide.

Abwechslung

So komisch es klingt: Männer mögen Abwechslung. Auch im Bett. Immer die gleiche Nummer ist ein Greuel, für manche ist es sogar immer die gleiche Frau. Mehrere unterschiedliche Gründe spielen bei diesem Phänomen zusammen.

Der Kick nach dem Besonderen

Aus jeder Beziehung geht irgendwann die Luft heraus. Die Partner gewöhnen sich aneinander, leben vielleicht sogar zusammen, und die Schmetterlinge im Bauch verwandeln sich in ein wohliges, vertrautes und leider auch oft recht langweiliges Gefühl. Fremdgänger möchten den Kick gern wieder spüren, etwas Aufregendes erleben, vielleicht sogar im vollen Bewusstsein, etwas „Verbotenes“ zu tun. Hier ist der Weg zu einem Ausrutscher nicht weit. Männer, die so empfinden, werden eher einen One-Night-Stand haben anstelle einer Affäre, denn es geht ihnen nicht um eine dauerhafte sexuell ausgerichtete Beziehung, sondern um eine einmalige Bestätigung.

Unsicherheit: Ich bin nicht gut genug

Interessanterweise sind es nicht bloß die Macho-Typen die fremdgehen, wie man vielleicht erwarten würde. Gerade unsichere Männer oder solche mit Versagensängsten begehen oft einen Seitensprung. Bei sexueller Versagensangst begründen die Männer dies mit der Aussage dass sie die Frau nicht wieder sehen müssten, wenn es daneben geht, sie aber dennoch „üben“ könnten. Auch wenn die Partnerin mehr Geld verdient oder einen angeseheneren Beruf hat als der Mann und er sich dadurch minderwertig fühlt, ist ein Seitensprung möglich. Durch den Sex mit einer anderen Frau wird das Ego poliert.

Midlife Crisis – ich kann´s noch!

Männer brauchen also viel Bestätigung. Gerade in der Midlife Crisis, in der viele Männer sich noch einmal neu orientieren, ihr Älterwerden noch nicht hinnehmen und sich beweisen wollen, dass sie noch nicht zum „alten Eisen“ gehören, möchten sie wissen, wo sie im Leben stehen, und somit natürlich auch bei der holden Weiblichkeit.

Wie hoch ist mein Marktwert?

Oft ist es so dass Männer ihren „Marktwert“ testen und heraus finden wollen, ob sie für Frauen noch attraktiv sind. Insbesondere wenn sie sich in einer langjährigen Beziehung oder gar Ehe befinden und sich darin gefangen fühlen, glauben manche Männer, dass sie für andere Frauen nicht mehr attraktiv sind. Die Einheit, in der Männer Attraktivität messen, ist Sex. Bei einer solchen Denkweise ist Fremdgehen quasi vorprogrammiert, wenn man nicht aktiv an der Beziehung arbeitet.

Ablenkung

Mann geht fremdUm sich von Beziehungsproblemen abzulenken, gehen viele Männer eine Affäre ein. Die andere Frau hört zu, macht keine Vorwürfe, hat eine Leichtigkeit an sich, die der Fremdgänger an seiner Partnerin vermisst und hat einfach Spaß. Um nicht über Beziehungsprobleme nachdenken zu müssen und aus der Drucksituation zu entkommen, glauben einige Männer dass eine Affäre oder ein Seitensprung hier das richtige Mittel sei. Oft geschieht das auch unbewusst. Dass diese Strategie nicht aufgehen kann, dürfte aber schon nach kurzem Nachdenken einleuchten. Was kann eine Frau also tun, wenn sie den Verdacht hat dass ihr Partner fremdgeht, oder noch besser, wie kann man einem Seitensprung vorbeugen? Sicher gibt es kein Patentrezept, keine 100%ige Garantie, dass der Partner niemals fremdgehen wird. Dazu sind die Gründe viel zu weitreichend und auch zu individuell. Eine gesunde Beziehung, die spannend und aufregend bleibt, ist jedoch ein gutes Mittel, um zumindest einige der Gründe zu umgehen:
  • Lernen Sie Ihren Partner kennen: Wenn Sie wissen, wie Ihr Partner tickt, wie er Zuneigung definiert und diese erfahren kann, können Sie ihm leichter zeigen, dass Sie ihn lieben.
  • Halten Sie Ihre Beziehung in Schwung: Ein kleiner Wochenendtrip an ein gemeinsam geliebtes Reiseziel, ein nettes Essen oder ein Kinobesuch sind keine kitschigen Verzweiflungshandlungen, die Männer nicht leiden können, sondern im Gegenteil eine schöne Sache um dem Partner immer wieder zu zeigen, dass Sie gern mit ihm zusammen sind. Das hält Ihre Beziehung frisch und sie beschaffen sich gemeinsame schöne Erlebnisse.
  • Seien Sie offen: Ihr Partner hat von Shades of Grey gehört und möchte nun Fesselspielchen ausprobieren? Seien Sie mutig! Eine Liebesbeziehung bedeutet auch sich zu entwickeln, und das möglichst in die gleiche Richtung und selbstverständlich auch sexuell. Das bedeutet nicht dass Sie alles mitmachen müssen, nur um ihm zu gefallen. Wenn Ihr Partner sexuelle Wünsche hat, die Sie überhaupt nicht erfüllen wollen oder können, sollten sie das auch nicht tun. Aber es spricht nichts dagegen auch einmal verrückte Dinge auszuprobieren. Vielleicht gefällt es Ihnen ja.
  • Führen Sie auch ein eigenes Leben: Der Punkt, der Partnerschaften irrationalerweise am Meisten belastet, ist das jeweils eigene Leben. Wenn zwei Menschen eine Liebesbeziehung eingehen möchten sie so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen und alles gemeinsam tun. Genau das ist falsch. Erlauben Sie sich und Ihrem Partner auch weiterhin ein eigenes Leben, eigene Interessen. Zum Einen behalten Sie so Ihren Freiraum, zum Anderen aber bleiben Sie für den anderen interessant, weil unabhängig. Nur sehr wenige Beziehungen funktionieren in einem Abhängigkeitsverhältnis.
  • Sprechenden Menschen kann geholfen werden: Wenn Sie etwas bedrückt, reden Sie miteinander. Kein Mensch kann Gedanken lesen, auch nicht wenn man sich viele Jahre kennt. Sätze wie „Das hättest du doch merken müssen!“ sind blanker Hohn und setzen mehr voraus als irgendein Mensch leisten kann. Seien Sie offen und ehrlich zueinander.
Wenn es nun bereits passiert ist, der Partner seiner Freundin vielleicht schon einen Seitensprung gebeichtet hat, muss jede Frau selbst entscheiden wie sie damit umgehen möchte. Manch eine kann die Affäre verzeihen, für andere ist dies undenkbar. Es gibt hierbei keine richtige oder falsche Antwort; das muss jede Frau mit sich selbst ausmachen. Als betrogene Frau sollte man sich allerdings gut überlegen, ob man den Seitensprung verzeihen möchte: Laut diverser Studien neigen Männer die einmal fremdgegangen sind dazu, es wieder zu tun.

Er meldet sich nicht: So reagieren Sie richtig

Endlich den Traummann kennengelernt und nun meldet sich dieser plötzlich nicht mehr? Es kommt nach der Kennenlernphase oder später zu einem Kontaktabbruch? Eine solche Situation und das damit verbundene Gefühl von Ablehnung, kränkt und verunsichert wohl jede Frau. Wichtig ist aber, sich in einer solchen Situation ausreichend Zeit für sich selbst zu nehmen und sich über die Ursachen Gedanken zu machen. Nicht jeder Mann, der sich distanziert, möchte damit zwangsläufig die Beziehung beenden. Oftmals sind sich Männer auch nicht im Klaren darüber, wie sehr sie mit ihrem Verhalten der Partnerin schaden. Oft ist der direkte Weg der Richtige, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Funkstille, und nun?

Teenager wartet darauf, dass sich ihr Freund meldetHat sich der Partner in den letzten Tagen nicht gemeldet, verfallen viele Frauen in Liebeskummer und sind sich intuitiv sicher, dass nach dem Rückzug, die Beendigung der Beziehung ins Haus steht. Emotionen wie das Gefühl der Ablehnung, Angst, Einsamkeit und Selbstzweifel erschweren die Situation zusätzlich und bauen Druck auf. Betroffene fallen oft in einen Aktionismus, melden sich immer wieder und versuchen verzweifelt erneut Kontakt herzustellen. Der Mann fühlt sich dabei möglicherweise unter Druck gesetzt und das Problem verschärft sich. Daher gilt in so einem Falle: immer erst für sich selbst sorgen und dann für die Partnerschaft einstehen! Die erste Reaktion auf einen Kontaktabbruch sollte daher darin bestehen, sich selbst zu versorgen. Legen Sie also einige Tage einen „Gedankenstopp“ ein, dies bedeutet, sie versuchen sich so wenig wie möglich mit dem Thema Partnerschaft auseinanderzusetzen. Fällt dies gerade anfänglich wirklich schwer, hilft es oft die gefühlte Abhängigkeit zum Mann abzubauen und distanzierter auf die Situation zu blicken. Verabreden Sie mit sich selbst eine verbindliche Dauer für diese Auszeit. Diese sollte realistisch sein und ist daher stark individuell, sollte aber drei Tage nicht unterschreiten. In dieser Zeit gönnen Sie sich etwas, gehen Sie mit Ihren Freundinnen aus, machen Sie einen Ausflug, den Sie sich schon lange vorgenommen haben, genießen Sie ein langes Bad und pflegen sich anschließend… alles ist erlaubt! Sie allein entscheiden, was Ihnen gut tut. Sollten Sie es überhaupt nicht durchhalten, schreiben Sie abends vor dem Zubettgehen einige Zeilen zu Ihren Sorgen auf, dies entlastet Psyche und Geist und macht den Kopf wieder frei.

Gründe für den Kontaktabbruch

Haben Sie Ihre persönliche Auszeit hinter sich und neue Energie getankt, versuchen Sie nun Ihre Gedanken zu sortieren und über die Gründe für den Rückzug nachzudenken. Die Gründe für eine Funkstille können vielseitig sein. Mittlerweile ist bekannt, dass nach den ersten Wochen des Kennenlernens, in der Zeit, in der die ersten kleineren Makel und Konflikte aufblühen, die eigentliche Bindung zwischen zwei Menschen erst zu entstehen beginnt. Einige Fragen können Ihnen helfen, zu erkennen, ob sich Ihr Partner aktuell nicht binden möchte oder aufgrund irgendeines Faktors gerade in der partnerschaftlichen Entwicklung gehemmt ist. Nehmen Sie sich Zeit, um folgende Fragen aufrichtig zu beantworten:
  • Hat sich mein Partner in letzter Zeit anders verhalten? Wenn ja, nur mir Gegenüber oder wirkte er allgemein gestresst?
  • Welche Vorerfahrungen von früheren Beziehungen bringt mein Partner mit?
  • Gab es in letzter Zeit Konflikte oder vermehrte Diskussionen? Wenn ja, zu welchem Thema?
  • Hat sich mein Partner bisher immer zuverlässig gemeldet oder kam es bereits in der Vergangenheit zu Rückzugsphasen?
  • Hat mein Partner aktuell stressige oder schwierige Situationen in seinem Umfeld (Beruf, Familie…)?
  • Wie weit ist unsere Partnerschaft fortgeschritten? Bewegen wir uns noch auf der anfänglichen, oberflächlichen Ebene oder haben wir bereits einige festigende Erlebnisse teilen dürfen (z.B. gemeinsamer Urlaub, Familienfeiern)?
  • Haben wir bereits über unsere Zukunft gesprochen? Wenn ja, welche Meinung habe ich, und welche Meinung hat der Mann vertreten?
Kommen Sie zu dem Schluss, dass Ihr Partner zwar gewillt ist, sich an Sie zu binden, aber durch schlechte Erfahrungen, Stress, innerpartnerschaftliche Konflikte gehemmt ist, dies auch zu tun, ist es gut, nun einen Schritt nach vorne zu machen. Sollten Sie hieran Zweifel haben, entscheiden Sie gut, welche Form der Klärung für Sie in Frage kommt: ein zeitnahes Gespräch, ähnlich wie unten beschrieben oder eine längere Pause, um sich innerlich wappnen zu können?

Verabreden Sie sich!

eine Verabredung ausmachenAuch wenn verständlicherweise der Wunsch nach Intimität groß ist, wählen Sie für ein Treffen einen neutralen Ort, suchen Sie sich Termine heraus, in denen Sie stressfrei und entspannt zur Verabredung kommen können. Rufen Sie Ihren Partner an, um ihm die Terminvorschläge zu unterbreiten. Legen Sie Wert darauf, ruhig und sachlich darauf hinzuweisen, dass Ihnen ein gemeinsames Treffen sehr wichtig ist. Verzichten Sie auf Textnachrichten, da diese oft viel Interpretationsspielraum offen lassen und gerade Männer nur schwer „zwischen den Zeilen“ lesen können. Emotionsgeladene Themen sollte man daher immer telefonisch, noch besser persönlich besprechen. Von dem Treffen machen Sie sich noch einmal klar, zu welchen Erkenntnissen Sie gekommen sind und welche Wünsche Sie mit in das Gespräch nehmen. Versuchen Sie hierzu gedanklich klare Sätze zu formulieren. Während des Treffens verfällt man oft in alte Verhaltensweisen oder schweift von den eigenen Vorsätzen ab. Hier hilft es, dem Gegenüber viele Fragen zu stellen. Wichtig hierbei: Keine Vorwürfe! Sie helfen weder Ihnen, noch Ihrem Freund, noch die Situation aufzulösen. Versuchen Sie folgende oder ähnliche Formulierungen:
  • „Kann es sein, dass … mit deinem Rückzug von mir zu tun hat?“
  • „Seit dem du dich von mir distanzierst, fühle ich mich ….“
  • „Hast du vor, wieder auf mich zuzukommen?“
  • „Ich komme nicht damit klar, wenn du dich so lange nicht bei mir meldest!“
  • „Was hat dich davon abgehalten, mir die Situation vorher zu erklären?“
Sie werden sehen, dass Sie so viel schneller Licht ins Dunkle bringen, als mit Vorwürfen oder Gefühlsausbrüchen. Versuchen Sie, mit dem Mann eine Vereinbarung zu treffen, wie sich in Zukunft der Kontakt gestalten kann. Behalten Sie dabei auch Ihre eigenen Bedürfnisse im Auge und nicht nur das Wohl Ihres Partners und Ihrer Beziehung. Möglich wäre eine weitere Auszeit, aber mit einem verabredeten Zeitpunkt an dem man die Situation neu bewertet oder eine Verabredung über das nächste Treffen, auch „Zwischenetappen“, wie verabredete Telefonate sind möglich. Machen Sie nochmals deutlich klar, dass Sie sich freuen würden, würde Ihre Partner hierfür auf Sie zukommen. Sollte dieser den Vorschlag machen, alles wie zuvor zu handhaben, ist dies äußerst kritisch zu betrachten, da er dann wohl nicht umfassend erkannt hat, wie belastend die Situation für Sie zuvor gewesen war. Eine erneute Anbahnung aneinander entspricht in jedem Falle mehr der Lage! In diesem Fall, ist die Neuordnung der Beziehung sogar als bindungsfördernde Chance zu sehen. Sollte sich Ihr Partner trotz aller Bemühungen, nicht dafür entscheiden, den Kontakt zu ihnen zu erhalten, fügt dies sicherlich Schmerz zu, man muss aber bedenken, dass unter solchen Umständen eine wirklich tragfähige und stabile Bindung, wie Sie sich wünschen, so oder so nicht entstanden wäre.

Er meldet sich nicht: Rückzug als Chance

Gehen Sie nun nicht zur Tagesordnung über! Die gemeinsame Überwindung eines Konflikts schweißt zusammen, daher ist nun der optimale Zeitpunkt, um Neues in die Beziehung einzuführen und diese weiterzuentwickeln. Dadurch da sich die Partner vorerst seltener sehen, wird die gemeinsame Zeit intensiver erlebt. Verabreden Sie sich zu außergewöhnlichen Ausflügen, probieren Sie etwas aus, das Sie bisher nicht mit Ihrem Partner erlebt haben oder führen Sie ein neues gemeinsames Ritual ein. Sie werden sehen, dass sich der Kontakt zu Ihrem Mann dann automatisch wieder steigert und Sie ganz automatisch wieder ein Stück näher zusammen kommen.

Angst vor Nähe in der Beziehung: Anzeichen & Ursachen

Angst vor NäheDie meisten Menschen wünschen sich nichts sehnlicher als eine erfüllende Liebesbeziehung, die ihnen Geborgenheit und Sicherheit gibt. Man lernt sich kennen, fühlt sich zueinander hingezogen, entdeckt Gemeinsamkeiten, verliebt sich leidenschaftlich, aber statt sich zu freuen und die Beziehung zu genießen, fühlen sich manche Menschen aus scheinbar unerklärlichen Gründen plötzlich unwohl mit der Nähe des Partners, ziehen sich zurück, werden unzuverlässig bei  Verabredungen oder tauchen ohne Erklärungen gänzlich ab. Zurück bleibt ein Partner, der die Welt nicht mehr versteht, es war doch gerade so schön… Es kann eine diffuse Angst vor Nähe sein, die jemanden gerade dann flüchten lässt, wenn es am schönsten ist. Aber auch wenn jemand immer nur Affären hat, aber keine richtige Beziehung eingeht oder Dauersingle bleibt,  kann eine Bindungsangst dahinter stecken. Selbst bei Paaren, die jahrelang in destruktiven Beziehungen ausharren, ohne sich zu trennen, oder bei Dreiecksbeziehungen kann eine Bindungsangst zugrunde liegen. Die Ängste sind diffus, nicht greifbar. Betroffene spüren durch die Nähe des Partners ein Unbehagen und fühlen sich eingeengt bis hin zu körperlichem Unwohlsein und Panikattacken. Die Ursachen können sowohl in Kindheitserlebnissen liegen, wo man von seinen Bezugspersonen abhängig war und diese als sehr übergriffig erlebt hat. Oft spielen aber auch seelische Verletzungen aus früheren  Beziehungen eine Rolle.  

Anzeichen für Bindungsangst

Ein Unbehagen, sich auf eine Beziehung einzulassen, muss nicht immer eine echte Bildungsangst sein. Manchmal ist man sich einfach nicht sicher und spürt das intuitiv. Dann hat die Bindungsangst ihren Sinn. Wenn man an sich oder seinem Partner aber die folgenden Anzeichen erkennen kann, könnte eine echte Bindungsangst vorliegen:
  • Emotionaler Rückzug: Man ist zwar körperlich anwesend, entzieht seinem Partner aber emotionale Nähe und Liebe, bleibt innerlich auf Distanz,  lässt den Partner quasi am ausgestreckten Arm verhungern, Erwartungen des Partners werden immer wieder enttäuscht.
  • Flucht in Arbeit/Hobbies: Um sich vor Nähe zu schützen, flüchten sich Bindungsängstliche gern in die Arbeit oder zeitintensive Hobbies. Entscheidend ist, dass Arbeit oder Hobby Priorität vor dem Partner haben.
  • Räumliche Distanzierung: Nicht selten schaffen sich Menschen mit Bindungsängsten auch räumliche Hürden. Sie suchen z. B. einen Partner über das Internet, gehen von vornherein Fernbeziehungen ein, bei denen nicht die Gefahr von zu viel Nähe besteht oder suchen sich eine Arbeit, bei der sie viel unterwegs sein müssen.
  • Dauersuche nach Mr. oder Mrs. Right: Eine beliebte Abwehrstrategie von Bindungsängstlichen ist auch, dass sie bisher einfach Pech hatten und nur nicht den richtigen Partner gefunden haben. Aber wenn man genauer hinschaut, kann es ihnen kein Partner recht machen, egal wie attraktiv, charmant oder erfolgreich er ist, meistens dann, wenn er ihnen zu nahe kommt.
  • Sexueller Rückzug als Beziehungsverweigerung: Emotionaler Rückzug kann sich auch durch den Rückzug aus der Sexualität äußern. Zu Beginn der Beziehung verbindet die Partner noch eine leidenschaftliche Sexualität, aber sobald der aktiv Flüchtende sich irgendwie vereinnahmt fühlt, schwindet die sexuelle Lust und der Partner verliert seine Anziehung. Bei manchen entwickelt sich auch eine ambivalente Logik mit Argumenten wie „Ich liebe Dich noch, aber im Bett läuft es nicht mehr richtig“ oder „Ich will Sex mit Dir, aber keine feste Beziehung.“ Sexualität ist die Kraft in einer Beziehung, die am stärksten bindet. Sie kann ein Paar stark verbinden, aber auch trennen, wenn sie von einer Seite verweigert wird. Manche Bindungsängstliche lassen sich auf körperliche Nähe ein, verweigern aber sonst emotionale Nähe.
  • Rückzug durch Fremdgehen oder Dreiecksbeziehungen: Menschen mit Bindungsangst neigen häufig zur Untreue. Sie haben Angst, vom Partner vereinnahmt zu werden, wenn sie sich richtig auf eine Beziehung einlassen. Deshalb legen sie sich nicht gern fest. Untreue kann eine solche Vermeidungsstrategie sein. Durch einen Seitensprung oder ein Dreiecksverhältnis wird zum eigentlichen Partner eine Distanz hergestellt und das Unwohlsein lässt nach. In diese Kategorie fällt auch das Verleugnen einer Beziehung vor Freunden oder Verwandten.
  • Flucht in Regeln oder Grenzen: Menschen mit Angst vor Nähe muten ihren Partnern häufig starre Grenzen zu, so dass diese das Gefühl haben, vom Leben des anderen ausgeschlossen zu sein.  Bindungsängstliche brauchen das Gefühl von Kontrolle über Nähe und Distanz. Die Vorstellung, für immer mit ihrem Partner zusammen zu sein, macht ihnen Angst.
  • Flucht durch Wegstoßen: Eine wirksame, eher passive Strategie ist das Wegstoßen des Partners, indem man durch sein Verhalten dafür sorgt, dass der Partner sich zurückzieht oder trennt, weil man dem Partner nicht aktiv wehtun möchte. Oft ist es eine Mischung aus Weglaufen und Wegstoßen.

Woher kommt die Angst vor Nähe?

Distanz in der BeziehungMeistens ist den Betroffenen gar nicht bewusst, dass es diffuse Ängste sind, die es ihnen schwer machen, die Nähe zum Beziehungspartner auszuhalten.
  • Angst, abgelehnt zu werden
  • Versagensängste
  • Angst vor zu viel Verantwortung
  • Angst, ausgenutzt zu werden
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Angst, sich lächerlich zu machen
  • Angst vor Bevormundung und Vereinnahmung durch den Partner
All diese Ängste sind nicht angeboren, sie resultieren aus den Erfahrungen, die im Laufe des Lebens gemacht wurden. Wer die Erfahrung gemacht hat, so wie er ist, abgelehnt zu werden, tut sich schwer, jemandem zu vertrauen. Wenn man enge Beziehungen erlebt hat, z. B. in der Kindheit oder in früheren Liebesbeziehungen, in denen man bevormundet und vereinnahmt wurde, wird später umso mehr auf die eigene Autonomie achten und Schwierigkeiten haben, sich auf jemanden richtig einzulassen, weil man Enge mit Kontrolle und Unfreiheit verbindet. In einer engen Beziehungen ist es eine klare Abgrenzung schwieriger als in anderen Beziehungen, weil man nicht enttäuschen möchte. Wer erlebt hat, dass Nähe mit Schmerz verbunden ist, wird sich später nicht leicht tun, jemanden wieder nah an sich heranzulassen. Auch das Vorbild der elterlichen Beziehung kann eine Rolle spielen. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass in unserer heutigen Gesellschaft, die sehr stark auf Selbstoptimierung und Perfektion ausgerichtet ist,  Bindungsangst immer mehr zunimmt. Der Druck, immer gut drauf sein zu müssen und das Optimale aus seinem Leben herauszuholen schürt geradezu die Angst, nicht gut genug zu sein.  

Wie kann man mit der Angst vor Nähe umgehen?

Junges PärchenMenschen gehen unterschiedlich mit Beziehungsängsten um. Die einen flüchten sich in ständig wechselnde Beziehungen, andere bleiben dauerhaft Single, wieder andere sind frustriert, weil es dann doch wieder nicht Mr. oder Mrs. Right war und hoffen auf das nächste Mal. Wer aber eine auf Dauer erfüllende Beziehung erleben will, muss sich seinen Ängsten stellen und Wege finden, mit ihnen umzugehen, sei es mit dem Partner gemeinsame Wege zu suchen oder sich fachkundige Hilfe zu suchen. Wer Angst vor Vereinnahmung hat, muss lernen, sich angemessen anderen gegenüber abzugrenzen und zu behaupten. Das ist nicht leicht vor dem Hintergrund, das man seine Bezugspersonen nicht enttäuschen möchte.  Beziehungen entstehen dadurch, dass man sich aufeinander bezieht und es ist wichtig, seine eigenen Bedürfnisse in Beziehungen einzubringen. Nur so kann die Angst vor Vereinnahmung zurückgehen. Interessenskonflikte lassen sich in keiner Beziehung vermeiden, aber für Beziehungsängstliche, die unter der Angst vor Vereinnahmung leiden, ist es besonders wichtig, die Erfahrung zu machen, dass sie mit ihren Bedürfnissen angenommen werden und ihnen der Druck genommen wird, dem Partner alles recht machen zu müssen aus Angst vor Liebesentzug. Die Angst vor Vereinnahmung kann auch nachlassen, wenn der Bindungsängstliche das Gefühl hat, sich ohne schlechtes Gewissen ab und zu zurückziehen zu können. Für Menschen, die Angst davor haben, Fehler zu machen, ist die Erfahrung wichtig, dass sie Fehler machen dürfen und trotzdem geliebt werden. Eine Therapie kann, muss aber nicht immer sinnvoll sein, denn sie gibt Betroffenen auch wieder das Gefühl, so wie sie sind, nicht richtig zu sein und “geheilt” werden zu müssen. Aber gerade das Gefühl des Angenommenseins braucht es, um sich in einer Beziehung zu Hause zu fühlen. Ein verständnisvoller Partner kann viel dazu beitragen, dass Bindungsängste reduziert werden. Ob jemand etwas gegen seine Ängste unternimmt, hängt sicherlich sehr von seinem persönlichen Leidensdruck ab. Nur wer eine richtige Beziehung vermisst, wird vermutlich bereit sein, sich seinen Ängsten zu stellen und neue Wege zu wagen.

Offene Beziehung – Für wen sie infrage kommt

PaarbeziehungenUnter dem Begriff der offenen Beziehung kursieren verschiedenste Modelle und Vorstellungen. Während die einen darunter lediglich die Möglichkeit verstehen, in einer festen Partnerschaft auch gelegentlich sexuelle Kontakte mit anderen eingehen zu können, bedeutet sie für andere ein Beziehungsmodell, in welchem nicht nur „Seitensprünge“ erlaubt sind, sondern beide Partner engere Beziehungen mit anderen Menschen führen können. Einige verstehen darunter auch die so genannte Polyamourie. Diese unterscheidet sich von einer offenen Beziehung jedoch dahingehend, dass eine Paar- oder „Hauptbeziehung“ generell abgelehnt wird und mehrere gleichwertige Beziehungen nebeneinander existieren können. All diesen Modellen ist jedoch gemeinsam, dass ihre Umsetzung Mut und Vertrauen erfordert, denn obwohl die Gesellschaft heute alternativen Beziehungskonzepten gegenüber deutlich wohlwollender ist, werden offene Beziehungen nach wie vor häufig tabuisiert.

Offene Beziehungen damals und heute

In den frühen 1970er Jahren wurde in den USA ein Buch veröffentlicht, welches sich über Monate hinweg auf internationalen Bestsellerlisten hielt. Es wurde über 35 Millionen Mal verkauft und insgesamt in 14 Sprachen übersetzt. Geschrieben hatte es ein Ehepaar – Nena und George O´Neill – und es trug den Titel „Open Marriage“. Was die beiden Autoren über die „offene Ehe“ zu sagen hatten, beförderte die sexuelle Revolution von einer reinen Jugendbewegung zu einem Thema, was seither auch in traditionellen Ehen – und allmählich in der breiten Gesellschaft – diskutiert wurde. Zwar schrieb das Paar O´Neill nicht ausschließlich über sexuell offene Beziehungen. Ein Großteil des Buches widmete sich eigentlich dem partnerschaftlichen Umgang miteinander; lediglich wenige Seiten befassten sich mit außerehelichen Beziehungen. Trotzdem waren es genau diese Seiten, die für das meiste Aufsehen sorgten und andere Kapitel des Buches, die sich mit Kommunikation,  Wertschätzung und Gleichberechtigung in einer Partnerschaft auseinandersetzen, in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung drängten. Seither sind über vierzig Jahre vergangen und viele Dinge haben sich gewandelt. Die Gesellschaft ist offener, flexibler und individueller geworden, längst gelten auch Beziehungsmodelle abseits der traditionellen Ehe als gesellschaftlich akzeptiert. Dass jedes Paar dabei seinen eigenen Beziehungsstil finden muss und seinen eigenen Weg gehen sollte, gehört schon quasi zum Allgemeinwissen. Trotzdem gibt es auch heute noch häufig erstaunliche Parallelen zu der gesellschaftlichen Diskussion über „Open Marriage“ in den 1970er Jahren: kaum kommt das Thema der so genannten offenen Beziehung auf den Tisch, treten andere Themen wie Kommunikation, Wertschätzung und Gleichberechtigung in den Hintergrund. Schnell wird zunächst darüber diskutiert, ob Treue und Vertrauen noch möglich sind, wenn Sex mit anderen nicht mehr tabu ist. Nicht selten werden offene Beziehungsmodelle von ihren Gegnern schlicht als Freibrief zum Fremdgehen gesehen oder lediglich als Notlösung, wenn es ohnehin schon kriselt. Häufig kommt auch die Frage auf, ob offene Beziehungen nicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind, weil sie beide Partner auf eine viel zu harte Bewährungsprobe stellen.

Sind wir konservativer, als wir meinen?

offene beziehungenGeht eine monogame Beziehung in die Brüche, können wir uns oft verschiedene Ursachen vorstellen – unterschiedliche Einstellungen, Lebensentwürfe und Zukunftsvorstellungen, Eifersucht und fehlendes Vertrauen – unterschiedlichste Gründe, die zu unüberbrückbaren Differenzen führen. Wenn eine offene Beziehung scheitert, denken wir schnell an eine einzige Ursache: die Offenheit der Beziehung selbst. Obwohl Liebesbeziehungen heute viel flexibler und individueller geführt werden können als noch wenige Jahrzehnte zuvor, gehört das klassische Beziehungsmodell noch immer zur gelebten „Normalität“. So führt trotz der Zunahme alternativer Lebenskonzepte ein Großteil aller Westeuropäer dauerhafte Paarbeziehungen, die meisten sogar mit Trauschein. Lediglich die Dauer der Beziehungen ist anders als früher: Ehen gehen häufiger und früher in die Brüche, neue Partnerschaften werden einfacher und schneller eingegangen. Trotzdem gilt auch heute noch die Vorstellung einer dauerhaften Bindung zweier Personen als Wunschmodell der meisten Menschen. Sind wir also konservativer, als wir auf den ersten Blick meinen? Hier lohnt es sich, unsere Vorstellungen von Normalität und von Beziehungen ehrlich zu hinterfragen, wenn wir über die Öffnung einer Beziehung nachdenken. Dies kann sehr gut auch mit dem Partner oder mit Freunden gemeinsam geschehen, um die eigene Selbsteinschätzung durch die Wahrnehmung anderer zu ergänzen.

Punkte, um mit sich selbst und anderen ins Gespräch zu kommen:

  • Wie stelle ich mir eine Beziehung vor?
  • Welche Werte sind mir wichtig?
  • Was erwarte ich von einem Partner?
  • Gelingt es mir, in einer Partnerschaft über meine Wünsche, Bedürfnisse und Ängste zu sprechen?
  • Wie ist meine Einstellung zu Sexualität?
  • Gelingt es mir, offen über Sexualität zu sprechen?
  • Was löst die Vorstellung in mir aus, in einer Beziehung auch sexuelle Kontakte zu anderen zu haben?
  • Was löst die Vorstellung in mir aus, dass mein Partner sexuelle Kontakte zu anderen haben könnte?

Argumente für eine offene Beziehung

DreierbeziehungDas Hauptargument, das viele Befürworter einer offenen Beziehung ins Feld führen, bezieht sich auf die so genannte Abbruchfreudigkeit heutiger Beziehungen. Eine Bezeichnung, die sich für die von uns aktuell bevorzugte Beziehungsform durchgesetzt hat, ist die der „seriellen Monogamie“. Das heißt, dass wir zwar an dem Ideal einer monogamen Partnerschaft auf Dauer festhalten, auf der Suche nach dem passenden Partner jedoch verschiedene Beziehungen durchlaufen. Durch unsere Berufe, unsere Hobbies, Familien und Freundeskreise stehen wir vielen Ansprüchen gegenüber und versuchen diese miteinander in Einklang zu bringen. Dabei sind wir teilweise auch einem enormen Tempo ausgesetzt, in dem sich die Dinge um uns herum wandeln und verändern. Wenn wir eine Beziehung führen, können diese Veränderungen hohe Ansprüche an uns und unsere Partner stellen. Nicht immer gelingt es uns, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Häufig hört man auch das Argument, dass monogame Lebenskonzepte heuchlerisch seien, da vor allem in Langzeitbeziehungen die meisten Partner fremdgingen. Nicht selten zerbrechen Beziehungen auch aus diesem Grund, etwa wenn ein Seitensprung oder gar eine länger andauernde Affäre nicht verziehen werden kann. Warum also nicht von vorn herein etwas erlauben, was in den meisten Fällen ohnehin passieren kann? So oder so ähnlich äußern sich in der Regel die Verfechter offener Beziehungskonzepte. Eine einzige Person könne eben nicht alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllen, die man habe.

Manchmal kann eine einzige Person nicht alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllen

Das ist mit Sicherheit auch richtig – ein einziger Partner kann (und muss) nicht immer in der Lage sein, jederzeit auf unsere Wünsche zu reagieren und all unsere Ansprüche zu erfüllen. Dass man „allein zu zweit“ auf Dauer nicht glücklich werden kann, wissen wir und deshalb haben wir längst schon ein Modell der offenen Beziehung umgesetzt, von dem Nena und George O´Neill in ihrem Buch über die offene Ehe ebenfalls geschrieben haben: die Wahrung verschiedener Interessen und die Investition in Lebensbereiche, die auch außerhalb der Beziehung liegen. Seine eigenen Interessen wahren zu können und sich dabei vom Partner unterstützt zu fühlen, auch wenn dieser die Interessen nicht immer aktiv teilt, scheint ein wichtiger Faktor zu sein, um auf Dauer eine stabile Beziehung aufrecht erhalten zu können. Sind wir beispielsweise leidenschaftliche Konzertgänger, unser Partner bekommt jedoch allein bei dem Gedanken an laute und überfüllte Sääle Kopfschmerzen, so gehen wir diesem Hobby mit Freunden nach. Treiben wir gerne Sport, während sich unser Partner viel lieber mit Technik beschäftigt, so kann jeder für sich auch außerhalb der Beziehung Menschen finden, mit denen sich diese Interessen teilen lassen. Ob Wellnesshotel oder Kegeltour: in vielen Bereichen geht es nicht um ein entweder – oder. In solchen Fällen gelingt es uns meist ohne Schwierigkeiten, die Partnerschaft für die Interessen des anderen zu öffnen. Für die meisten Beziehungen ist es relativ unkompliziert, den Partner für eine gewisse Zeit anderen Personen zu überlassen. In diesem Sinne sind unsere Beziehungen auch im Idealfall ohnehin schon offen. Erst, wenn auch eine körperliche Beziehung zu dritten eingegangen wird, wird es für die meisten Menschen kompliziert.

Im Idealfall sind alle Beziehungen offen – doch wie offen, muss jeder individuell entscheiden

Aus einer solchen Sichtweise sind stabile Beziehungen immer auf eine gewisse Weise offen. Unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen und dabei eine vertrauensvolle und unterstützende Partnerschaft aufrecht zu erhalten, fordert gewöhnlich die Kommunikation unter Paaren heraus. Nicht immer läuft diese Kommunikation im gemeinsamen Einklang ab, denn manche Interessen stehen sich auch entgegen. Dies gilt in gleichem Maße für monogame wie auch für offene Beziehungen. Jedoch stellen Menschen selten so starke Exklusivitätsanspruche an das Hobby des Partners, wie an sein sexuelles Verhalten. Deshalb fordert die Überlegung, eine offene Beziehung einzugehen, auch sehr viel von einer Partnerschaft ab. Es ist nicht ratsam, eine Öffnung der Beziehung zu erwägen, wenn es ohnehin schon kriselt. Denn der Entschluss setzt viel Vertrauen sowohl in sich selbst, als auch in die Partnerschaft voraus. Dabei kann es keine Anleitung geben, wie eine offene Beziehung gelingt. Die Entscheidung dazu kann (und sollte) zu allererst nur individuell – und anschließend auch gemeinsam mit dem Partner getroffen werden. Einige grundlegende Gedanken und Regeln können jedoch helfen, den Weg als mögliche Alternative gemeinsam zu gehen:

Regeln, die es in einer offenen Beziehung zu beachten gilt:

  • Stellen sie die Beziehung in den Vordergrund. Eine offene Beziehung funktioniert nur dann, wenn auch die Beziehung funktioniert. Bei schwelenden Konflikten können zusätzliche Unsicherheiten, wie sie durch eine offene Partnerschaft zweifelsohne aufkommen werden, bedrohlich werden.
  • Treffen Sie die Entscheidung gemeinsam. Lassen Sie sich dabei Zeit und überstürzen sie den Entschluss nicht. Wenn nur ein Partner wirklich überzeugt ist, während der andere noch zweifelt, schwächt das ihr gegenseitiges Vertrauen.
  • Stellen sie klare Regeln auf. Treffen sie genaue Abmachungen, wie sie ihre Offenheit leben möchten. Sind nur gelegentliche „Seitensprünge“ erlaubt oder darf der Kontakt zu einer Person häufiger vorkommen? Geht es nur um sexuelle Aktivitäten oder wünschen Sie sich möglicherweise mehr? Wo dürfen welche Aktivitäten stattfinden – ist die eigene Wohnung beispielsweise tabu?
  • Gehen sie ehrlich miteinander um. Bei einer offenen Beziehung öffnen Sie sich eben nicht nur anderen Personen, sondern zusätzlich sowohl sich selbst, als auch ihrem Partner auf eine neue Weise. Dies bedeutet mitunter mehr „Arbeit“ an der Partnerschaft als zuvor. Diese funktioniert nur dann, wenn sie sich ihre Gedanken, Wünsche, Ängste und Unsicherheiten ehrlich mitteilen können. Und sich auch gegenseitig sicher darin aufgehoben fühlen.
  • Bleiben Sie im Gespräch. Ist die Entscheidung einmal gefallen und sind die Regeln aufgestellt, so gilt es, diese immer wieder zu überprüfen und zu besprechen. Gefühle, Wünsche und auch Vorstellungen ändern sich in der Praxis. Eine (offene) Beziehung sollte stets als Prozess begriffen werden, der sich zu unterschiedlichen Phasne auch unterschiedlich ausgestalten kann.
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Beziehungspause: Wann eine Trennung auf Zeit Sinn macht

Was tun, wenn die Schwierigkeiten in einer Beziehung so gravierend werden, dass Streit und Missverständnisse die positiven Momente überschatten? Wenn ungelöste Konflikte dazu führen, dass Gespräche verstummen oder man sich gar lieber aus dem Weg geht, als das Risiko einer erneuten Diskussion einzugehen? Schwerwiegende Probleme und Konflikte können in jeder Phase einer Partnerschaft entstehen und ganz unterschiedliche Ursachen haben. Ein Lösungsvorschlag jedoch scheint immer wieder aufzutauchen: die so genannte Beziehungspause. Sie wird häufig als letzte Chance gesehen, die Partnerschaft zu retten. Doch macht eine Trennung auf Zeit Sinn? Und, wenn ja, wann? Oder ist sie eher, wie so oft behauptet, der erste Schritt zur Trennung?

Brauchen wir eine Auszeit?

eine Beziehungspause kann die Beziehung retten Es gibt viele Ursachen für Beziehungsprobleme, die so schwer wiegen, dass Paare nicht mehr weiter wissen. Dabei sind die Lösungswege meist ebenso vielfältig, wie die Konflikte selbst. Wenn bereits mehrere Versuche gescheitert sind, gemeinsame Probleme zu lösen, wenn beide Partner nicht mehr weiter wissen, wird eine Pause oft als letzte Chance gesehen. Es gibt keine allgemein gültigen Empfehlungen, wann und wie man eine Pause angehen sollte oder wie lange sie dauern muss. Doch einige Tipps gilt es durchaus zu beachten, denn eine Trennung auf Zeit ist nie ein Heilmittel „an sich“, sondern immer verknüpft mit Wünschen, Ängsten und Erwartungen beider Partner. Und sie bedarf bewusster Gedanken, wenn sie sich als sinnvoll für beide – und letztlich für die gemeinsame Beziehung – erweisen soll.

Eine Beziehungspause erfordert Mut

Eine Beziehung verläuft dynamisch. Dabei birgt jede Phase einer Beziehung ihre eigenen Herausforderungen und damit verbundene Konflikte. Zeitgleich ist mit jedem Konflikt auch eine Chance verbunden, sich näher kennen zu lernen und einen gemeinsamen Weg aus der Krise zu finden – und nicht nur zu Beginn einer Beziehung. Denn auch in lange anhaltenden Beziehungen lernen wir einander immer wieder aufs Neue kennen und entdecken Eigenschaften, die uns vielleicht unverständlich sind oder widerstreben. Wenn wir über eine Trennung auf Zeit nachdenken, ist das ein Zeichen dafür, dass die Beziehung an einem markanten Punkt angelangt ist. Es ist jedoch auch ein Zeichen dafür, dass wir noch nicht aufgegeben haben. Denn der schnell geäußerten Meinung, eine Beziehungspause sei nur die Vorstufe einer Trennung, wenn einem der Mut fehle, einen klaren Schlussstrich zu ziehen, lässt sich folgendes entgegenhalten: Eine Trennung auf Zeit erfordert Mut, wenn sie bewusst eingegangen wird. Und sie bedarf einer bewussten Entscheidung für den anderen, den wir eben nicht kampflos aufgeben wollen, sondern auch bereit sind, unbekannte Wege zu gehen. Eine Entscheidung für eine Beziehungspause sollte also immer auch eine bewusste Entscheidung für die Beziehung selbst beinhalten.

Pause direkt zu Beginn einer Beziehung?

Trennung als letzter AuswegViele Paare kennen das Gefühl und nahezu jedem ist es während einer Beziehung so ergangen: nach einer spannenden und aufregenden Phase der Schwärmerei zeigen sich erste Wolken am Horizont. Man lernt jetzt Eigenschaften des anderen kennen, die möglicherweise verunsichern. Nach den zuerst bemerkten Gemeinsamkeiten treten Differenzen zum Vorschein, die in Auseinandersetzungen oder gar in erste Streitigkeiten münden. Das ist natürlich und gehört zu einer Beziehung dazu, die aus der ersten Phase der Verliebtheit allmählich in eine feste Partnerschaft mündet. Gerade diese Phase birgt Risiken, denn selten sind sich beide Partner so ähnlich, dass sie sich in nahezu jedem Punkt der eigenen und der gemeinsamen Alltags- und Lebensgestaltung intuitiv einig sind. Und gerade in dieser Phase setzen Konflikte ein, die unterschiedliche Sichtweisen, Interessen, Lebens- und Zukunftsvorstellungen betreffen können. Der Alltag macht sich mit all seinen Pflichten bemerkbar, erste Enttäuschungen treten auf, vielleicht brechen Probleme aus früheren Beziehungen oder Lebensphasen wieder auf. Wenn beide Partner einen Weg finden können, über solche Dinge zu sprechen, wenn sie sich gegenseitig Verständnis entgegenbringen, birgt diese Phase weitaus größere Potenziale für eine Beziehung, als sie Risiken mit sich bringt. Wenn jedoch schon an dieser Stelle der Streit dominiert, oder wenn die Differenzen überwiegen und absehbar wird, dass die Zukunftsvorstellungen nicht zueinander passen, ist fraglich, ob eine Auszeit allein die Probleme beheben kann. Dann macht es Sinn, sich gemeinsam die Frage zu stellen, was der Auslöser der Differenzen ist. Bestehen tatsächlich zu große Unterschiede in den Vorstellungen von einer Beziehung? Oder sind möglicherweise Missverständnisse entstanden, die sich in einem ruhigen Gespräch aufklären lassen?

Versuchen sie eine „kleine Variante“ der Trennung auf Zeit

StreitEs gibt keine allgemeingültige Regel, wann eine Pause Sinn macht. Aber bevor man diesen Schritt unternimmt, kann man zunächst auf eine kleinere Variante der Trennung auf Zeit zurückgreifen. Und diese besteht darin, sich selbst – und dem anderen – Zeit zu geben, sich seiner Bedürfnisse und Erwartungen bewusst zu werden. Gerade in einer noch jungen Partnerschaft sind diese Erwartungen oft noch diffus und können nicht immer sogleich klar formuliert werden. Vor allem nicht dann, wenn es möglicherweise schon zu Beziehungsproblemen gekommen ist. Hat es bereits schon erste Streitigkeiten gegeben, dann ist die Verunsicherung umso größer, wie man an gewisse Probleme herangehen kann. Wichtig hierbei ist es zu verstehen, woher die Verunsicherung kommt. Führen sie sich vor Augen, dass diese in aller Regel ein stetiger Begleiter ist, wenn Menschen in Konflikte geraten. Denn auch, wenn wir genau zu wissen meinen, worin unser Problem besteht: es ist in den meisten Fällen mit Bedürfnissen, Wünschen und Erwartungen verbunden, die man eingeschränkt oder nicht beachtet sieht. Und diese Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen liegen meist tiefer, als die Oberfläche des Streits erkennen lässt. Es handelt sich hierbei um Emotionen, die in einer ruhigen und vertrauensvollen Atmosphäre mitgeteilt werden können. Nicht jedoch in einer akuten Streitsituation, die von Verunsicherung geprägt ist. Hinzu kommt, dass sich Bedürfnisse und Erwartungen in einer Beziehung stets weiterentwickeln und man sich auch hier gegenseitig Zeit geben sollte, sich über diesen Prozess bewusst zu werden. Dies gilt sowohl für noch junge als auch für bereits lang andauernde Beziehungen. Und genau hier kann sich eine Pause als nützlich erweisen, auch wenn es nur eine kleine ist. So kann die Stärke einer „kleinen“ Trennungszeit schlichtweg darin liegen, sich gegenseitig als getrennt denkende – und vor allem fühlende – Partner zu begreifen, sich gegenseitig Zeit zu geben, sich über diese Trennung bewusst zu werden und sich vor allem auch die Zeit zu nehmen, den anderen in seinen Wünschen und Gefühlen zu verstehen. Diese Pause kann zum Beispiel darin bestehen, sich bewusst Zeiten für sich selbst zu nehmen, sich zunächst allein Gedanken über die gemeinsamen Konflikte zu machen, bevor man versucht, diese gemeinsam zu lösen. Häufig werden einem erst mit ein wenig Abstand gewisse Dinge klar. Und diesen Abstand  kann man unter Umständen nur bekommen, wenn man ihn sich bewusst nimmt. Er muss nicht gleich mehrere Wochen dauern, denn manchmal reicht nur ein Tag für sich allein, oder gar nur ein Spaziergang, „um einen klaren Kopf zu bekommen“. Beachten sie folgendes:
  • Nehmen sie bewusst Abstand, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.
  • Treffen sie eine Absprache mit ihrem Partner, wann sie das nächste Mal miteinander sprechen wollen.
  • Machen sie sich klar, dass es in ihrem Streit um Wünsche, Bedürfnisse und Ängste gehen kann.
  • Fragen sie sich, welche Wünsche oder Ängste dem Streit aus ihrer Sicht zugrunde liegen. Was war der Kern des Streits? Was war ihr Anliegen? Was das ihres Partners?
  • Gestatten sie sich selbst, anders zu denken als ihr Partner – und umgekehrt. Versuchen sie zu verstehen, worin ihre Unterschiede liegen.
  • Thematisieren sie gemeinsam ihre Anliegen, Wünsche, Bedürfnisse sowie Ängste.
  • Thematisieren sie auch ihre Unterschiede. Versuchen sie, die Denkweisen des jeweils anderen zu verstehen.

Wenn die Beziehung schon länger andauert

Auszeit in der BeziehungAuch in Beziehungen, die länger andauern, kann es zu Problemen kommen. Möglicherweise teilt man bereits eine Wohnung, den Freundeskreis, gemeinsame Interessen und hat sich über Jahre eine gemeinsame Existenz aufgebaut. Kommt es dann zu schwerwiegenden Konflikten, in denen der Streit überwiegt oder sich über längere Zeit eine innere Entfernung vom Partner vollzieht, liegt die Wurzel der gemeinsamen Probleme häufig tiefer, als es bei noch jungen Beziehungen der Fall ist. In Langzeitbeziehungen haben Partner das Gefühl, den anderen zu kennen, dessen Gedanken, Einstellungen und Reaktionen schon vorausschauen zu können. Diese Vertrautheit spielt in Partnerschaften eine tragende Rolle. So „denkt man seinen Partner mit“, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden. Oder man versetzt sich in den Anderen hinein, sei es bei Alltagsgesprächen oder auch in anspruchsvollen Diskussionen. In Konfliktsituationen kann diese Vertrautheit jedoch auch zu einem Hindernis werden. Denn indem wir meinen, zu wissen oder vorauszuahnen, was der andere denkt, fühlt oder sagen wird, ist unsere Wahrnehmung und unser Verständnis eingeschränkt. Das führt in Streitsituationen oft zu einem Kern, der sich in einem nur zu gut bekannten Gefühl zusammenfassen lässt: „Du versteht mich nicht.“ An dieser Stelle werden die Probleme möglicherweise nicht mehr nur durch ein gemeinsames Gespräch zu lösen sein. Vielleicht sind sie so gravierend, dass man sich nur nach „seiner Ruhe“ sehnt. Oder man hat das Gefühl, dem andauernden Streit nur durch eine Trennung auf Zeit ausweichen zu können.

Ziehen sie Rat hinzu

Wenn Beziehungskonflikte schon länger anhalten, ist es ebenfalls sinnvoll, die Punkte zu bedenken, die auch für die „kleine Variante der Trennung auf Zeit“ gelten. Es kann jedoch durchaus auch sinnvoll sein, den Rat einer dritten Person hinzuzuziehen. Denn bei tiefer liegenden Konflikten ist leider oft mehr nötig als ein „kurzes Durchatmen“ oder ein kleinerer Abstand. Gespräche mit Freunden können ihnen helfen, da diese ihnen Trost, Halt und Empathie spenden. Es kann aber auch hilfreich sein, mit einer unbeteiligten Person zu sprechen. Vielleicht können sie sich sogar gemeinsam mit ihrem Partner dazu entschließen. Eine unbeteiligte Person kann anders helfen als ein Freund, indem sie aus einer professionellen – und nicht aus einer freundschaftlich-emotionalen – Perspektive auf das Geschehen blickt. Sie kann sie gezielt bei der Reflexion und Lösung ihrer Probleme anleiten und begleiten. Diese Rolle können beispielsweise Paartherapeuten, Berater oder auch Coaching-Experten einnehmen. Eine Trennung auf Zeit kann an dieser Stelle helfen, zum Beispiel, wenn sie und ihr Partner sich nur noch im Streit begegnen. Hier ist das Ergebnis einer Pause folgendes: wenn man sich nicht sieht, dann hört auch der Streit für eine gewisse Zeit auf. Das kann helfen, weil es der Situation ihre akute Schärfe nimmt. Oder sie haben das Bedürfnis, allein für sich einen klaren Kopf zu bekommen? Es kann auch sein, dass sie schon lange nicht mehr ohne ihren Partner waren und sehen möchten, wie es sich anfühlt, allein zu sein? All diese Gedanken sind wichtig und können ihnen helfen. Jedoch muss auch hier in allen Fällen beachtet werden, dass eine Pause immer nur Teil eines Prozesses ist, den sie für eine gewisse Zeit unterbricht, nicht jedoch klärt oder bereinigt. Folgendes sollten sie beachten:
  1. Sprechen sie mit ihrem Partner über Möglichkeiten, den gemeinsamen Konflikt zu beheben.
  2. Besprechen sie gemeinsam, ob eine Trennung auf Zeit für sie infrage kommt.
  3. Sehen sie die Beziehungspause nur als einen Bestandteil der Lösung – nicht als Lösung selbst.
  4. Entscheiden sie sich gemeinsam für diesen Schritt und treffen sie feste Absprachen. Diese Checkliste kann ihnen dabei helfen:
  • Warum wollen wir eine Beziehungspause eingehen?
  • Wie lange soll die Trennungszeit dauern?
  • Wie soll der Kontakt während dieser Zeit aussehen? Soll es zwischendurch gemeinsame Telefonate oder Treffen geben?
  • Wie soll mit gemeinsamen Verpflichtungen umgegangen werden?
  • Sind in dieser Zeit Beziehungen zu anderen Partnern oder „Affären“ erlaubt?
  • Wie kann das nächste Treffen inhaltlich aussehen?
  • Wann kann die Trennung auf Zeit wieder beendet werden?
  Beachten sie, dass die Punkte nicht starr beibehalten werden können, sondern im Verlauf der Trennungszeit immer wieder angepasst werden können. Wichtig ist dabei vor allem, eine Pause als gemeinsamen Prozess zu begreifen, damit aus der Trennung im besten Fall auch wieder Gemeinsamkeit entstehen kann.

Emotionale Erpressung in der Partnerschaft

In der Regel fordern Erpresser Lösegeld; manchmal ein zusätzliches Fluchtfahrzeug, um sich davonstehlen zu können. Erpresste sind bereit, Unsummen zu zahlen und die Erpresser unbescholten davonkommen zu lassen. Sie sind machtlos, da sie wissen, dass etwas viel Wichtigeres auf dem Spiel steht als Geld: Ehre, Ansehen, der gute Ruf etc. Menschen sind dann in der Lage, andere zu erpressen, wenn sie die Achillesferse des anderen kennen. Ein großes Geheimnis, das keinesfalls an die Öffentlichkeit geraten darf, da es sonst Sanktionen des Umfeldes zur Folge hätte, die keinesfalls in Kauf genommen werden wollen. Erpresst zu werden ist schmerzlich, wird aus Angst vor etwaigen Konsequenzen jedoch ausgestanden.

Wie viel ist die Liebe wert?

Erpressungsszenarien spielen sich jedoch nicht ausschließlich im wirtschaftlichen Sektor oder in hohen Gesellschaften ab. Auch in Partnerschaften wird erpresst und folgt ähnlichen Regeln: Einer der Partner möchte seinen Willen durchsetzen und die Beziehung nach seinen Vorstellungen gestalten, weshalb es nötig ist, den anderen entsprechend zu formen. Vollzieht dieser den Wandel nicht aus freien Stücken oder eigener Überzeugung, wird erpresst. Es wird versucht, die Gefühle des anderen zu manipulieren, um so seinen Willen durchzusetzen. Emotionale Erpressung fußt auf Bestrafung mittels negativer Verstärkung: Erhält der Erpresser nicht das, was er möchte, wird der andere in einen negativen gefühlsmäßigen Zustand versetzt. Forderungen sind selbstverständlich nicht in Euro aufzuwiegen – stattdessen vielmehr in Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Zeit.

Manipulation durch Schuldgefühle

jemanden beschuldigenIn Partnerschaften werden verschiedensten Maßnahmen der emotionalen Erpressung ergriffen. Die Effektvollste von allen ist wohl jene der Provokation von Schuldgefühlen. Für etwas Negatives verantwortlich zu sein, schmerzt den Menschen ungemein. Insbesondere dann, wenn derartige Zuweisungen von der geliebten Person kommen. Der Gedanke daran, für wie auch immer geartetes Leid des anderen verantwortlich zu sein, macht manipulierbar – das Wissen darum macht sich der Erpresser zu nutzen, um das zu bekommen, was er will. Häufig werden Schuldzuweisungen derart formuliert, dass sie Allgemeingültigkeit suggerieren und dem Erpressten das Gefühl geben, er würde sich normabweichend verhalten. Dies ist z. T. noch unangenehmer, als “nur” den eigenen Partner enttäuscht zu haben. “Wenn man jemanden liebt, macht man so etwas nicht.” – Ein Klassiker.

Weitere Methoden emotionaler Erpressung

Neben der Beförderung von Schuldgefühlen bedienen sich emotionale Erpresser vieler weiterer Methoden, um in der Beziehung genau das zu bekommen, was sie sich wünschen:
  • an Verpflichtungen in der Beziehung erinnern
  • Vorwürfe verschiedenster Art
  • darauf verweisen, dass sie häufiger Opfer für die Partnerschaft bringen
  • den Märtyrer spielen
  • nachtragend sein und oft auf vergangene Fehler hinweisen
  • Verhaltens- und Handlungsweisen mit denen anderer vergleichen
  • auf Diskrepanzen in Worten und Taten hinweisen
  • Gefühle in Frage stellen
  • auch ohne Worte Leiden zum Ausdruck bringen
  • demonstrieren, wie wertvoll ihr Tun für das Aufrechterhalten der Beziehung ist
  • mit Leid, Trennung, Selbstverletzung oder gar Suizid drohen
In besonders akuten Fällen von emotionaler Erpressung kann so weit gegangen und gar von psychischer Gewalt gesprochen werden. Die Erpresser wissen in der Regel genau, welche Strategie in welcher Situation am ertragreichsten ist und nutzen dies gezielt aus. Ähnlich, wie Erpresser im wirtschaftlichen Bereich, kennen Partner, die zu derartigem Verhalten in der Beziehung neigen, die Schwächen des anderen genau und können diese gezielt für ihre Zwecke nutzen.

Warum erpressen Menschen in Partnerschaften?

emotional erpressenSie sehen sich selbst als Opfer Das Paradoxe ist, dass sich die Erpresser häufig selbst als Opfer sehen und aus einer Art Selbstschutz heraus handeln. In gewisser Hinsicht wissen sie sich nicht anders zu helfen, als den geliebten Menschen zu manipulieren. Die Gründe, die dahinterstecken, sind äußert vielfältig. Emotionale Abhängigkeit Denkbar wäre, dass der Erpresser emotional derart von seinem Partner abhängig ist, dass er glaubt, ohne den anderen keinesfalls leben zu können. Daher ist die Angst, verlassen zu werden, größer, als unter normalen Beziehungsumständen. Erpressungen scheinen als einzige und vor allem effektive Möglichkeit, den anderen zu binden. Unzureichende Kommunikation Zwar banal, jedoch durchaus realistisch: Der Erpresser kommuniziert seine Bedürfnisse und Wünsche nicht und erwartet, dass der andere sie ihm sozusagen von den Augen abliest. Dass dies nur schwer bis gar nicht möglich ist, spielt hierbei keine Rolle. Daraus resultieren Frustration und Enttäuschung, da das Verhalten des anderen als unsensibel und nicht einfühlsam genug wahrgenommen wird. Statt offen darüber zu sprechen, was einem auf der Seele liegt, greifen emotionale Erpresser zu manipulativen Methoden, um letztlich doch das zu bekommen, was sie sich von der Beziehung wünschen. Gefühle der Unzufriedenheit Dem Erpresser sollte nicht die komplette Schuld aufgeladen werden. Es ist durchaus möglich, dass Verhaltensweisen früherer Partner oder vergangene Handlungen des aktuellen ihn dazu bewegen, sich derartig zu verhalten. Unter Umständen werden durch die emotionale Erpressung Empfindungen wie Kränkung, Zurückweisung, mangelnder Zuwendung, fehlender Aufmerksamkeit, emotionalen Verletzungen etc. Ausdruck verliehen. Zweifel an der eigenen Person In manchen Fällen wird emotionale Erpressung von Menschen praktiziert, die nicht besonders selbstbewusst sind. Sie glauben, dass sie einer anderen Person nicht genug zu bieten haben, weshalb ein Partner nie dauerhaft an ihnen festhalten würde. Durch verschiedene Manipulationsstrategien versuchen sie, den anderen trotz eigener (vermeintlicher) Unzulänglichkeiten an sich zu binden.

Folgen emotionaler Manipulation

jemanden manipulierenDass derartige Erpressungsversuche der Liebe auf Dauer nicht zuträglich sind, ist den Erpressern mal mehr und mal weniger bewusst. Tatsache ist jedoch, dass ein derartiges Verhalten unweigerlich zu Beziehungsproblemen führen wird. Entweder, der Erpresste setzt sich zur Wehr und entwickelt sich selbst zum Erpresser, sodass die Beziehung ein einziger Schlagabtausch von Schuldzuweisungen wird oder der Erpresste resigniert, und fügt sich in die Rolle des Klein-Beigebenden. Beide Varianten sind ungesund und der Liebe über kurz oder lang abträglich. Statt sich in der Gegenwart des anderen wohlzufühlen, dominiert ein ständiges Gefühl der Beklemmung. Man fühlt sich unfrei, machtlos, ist ängstlich und schlichtweg unzufrieden. Der Erpresste zaudert ständig zwischen dem Gefühl, unter Zwang zu stehen und einem schlechten Gewissen; je nachdem, ob er auf die Erpressungen eingeht oder sich zur Wehr setzt.

Wege aus der emotionalen Erpressung

Am Beginn des Weges aus der emotionalen Manipulation steht ein Eingeständnis. Sowohl der Erpresste als auch der Erpresser selbst müssen erkennen, in welcher ausweglosen Situation sie sich befinden, und dass ihre Beziehung einen ungesunden Verlauf genommen hat. Nur, wenn beide sich diesen Sachverhalt eingestehen, kann bewusst an einer Verhaltensänderung gearbeitet werden. Wichtig ist insbesondere, dass dies gemeinsam geschieht: Insofern sich nur einer der beiden Partner die Erpressung eingestehen würde, wäre eine Veränderung schwieriger herbeizuführen. Beide Partner haben sich, wenn auch unter negativen Rahmenbedingungen, aufeinander eingespielt, weshalb eine einseitige Reorganisation vermutlich ebenso mit Problemen verbunden wäre. Die wichtige Rolle des Erpressten Zwar sollten bestenfalls beide Partner die Einsicht gewinnen, dass sich die Umgangsformen in der Beziehung neu gestalten müssen, jedoch wird der Ausschlag hierfür nur in seltenen Fällen vom Erpresser kommen. Dieser agiert zumeist unbewusst und sitzt sozusagen am längeren Hebel, weshalb er weniger dazu geneigt sein wird, etwas an der Situation zu verändern. Ganz anders sieht dies für den Erpressten aus: Die ambivalente Gefühlslage wirkt erdrückend, sodass eine Modifikation der Beziehungsstrukturen herbeigesehnt wird. Je nachdem, wie eng die gefühlsmäßige Bindung ist oder wie lange die Partnerschaft schon besteht, wird der Schritt aus der Unzufriedenheit in die Unabhängigkeit entweder über die Trennung oder über die Konfrontation mit dem Partner erfolgen.
  • Einfühlsam auf die Missstände hinweisen
Als Erpresster mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen zu kontern, wäre denkbar ungünstig. Es ist wichtig, dem anderen möglichst einfühlsam zu begegnen und vorsichtig auf die Erpressungssituation hinzuweisen. Am besten möglichst subtil. Dabei sollte vornehmlich auf die eigenen Gefühle eingegangen und beschrieben werden, wie es einem mit der Situation geht. Hierbei sollte stets im Hinterkopf behalten werden, dass der Erpresser selbst “nur” aus Selbstschutz agiert, weshalb entsprechend auch auf seine Gefühlslage eingegangen werden sollte.
  • Das eigene Verhalten kritisch betrachten
Zwar soll die Schuld nicht in Gänze bei sich gesucht werden, jedoch könnte es helfen, kritisch zu reflektieren, ob die Verhaltensweisen des Erpressers in manchen Situationen vielleicht ein Stück weit gerechtfertigt oder zumindest auf eigenes, evtl. unangemessenes Verhalten zurückgeführt werden können. Ist dies der Fall, sollte mit der Veränderung auch bei sich selbst angesetzt und unter Umständen verletzende oder kühle Handlungsweisen zukünftig unterlassen werden.
  • Entscheidungsfreiheit zurückerlangen
Erpresste sind Gewissensbisse in der Regel gewöhnt. Jedoch wäre wichtig, diese abschalten zu lernen. Denn: Sie sind unbegründet! Nicht auf die Manipulationen des Partners einzugehen heißt nicht, dass man ihn nicht liebt und seine Wünsche nicht respektiert. Es bedeutet lediglich, dass Entscheidungen mit freiem Willen getroffen werden. Diese Freiheit zurückzuerlangen ist zum Teil sehr harte Arbeit, da um des lieben Friedens willen häufig eingelenkt wird. Besser wäre aber, standhaft zu bleiben und Dinge nur aus freien Stücken zu tun. Derartiges Verhalten kann einem niemand übel nehmen. Freiwillig geäußerte Liebesbekundungen sind ohnehin viel wertvoller als erzwungene. Das wird auch der Partner irgendwann einsehen.
  • Sich in Geduld üben
Die Erpressungen werden nicht von heute auf morgen aufhören. Über längere Zeit eingeübte Beziehungsmuster sind hartnäckig und entsprechend schwer auflösbar. Daher ist wichtig, sich selbst und auch den anderen nicht unter Druck zu setzen und der Partnerschaft die Zeit zu geben, die sie zur Regeneration braucht. Am besten sollten schon kleine Verbesserungen angemessen wertgeschätzt werden, da dies sowohl einem selbst als auch dem Erpresser gut tut und zeigt, dass das Vorhaben nicht aussichtslos ist.

Beziehungsphasen: Die unterschiedlichen Phasen einer Beziehung

“Wo genau stehen wir eigentlich?” Mit dieser Frage wird fast jeder schon einmal konfrontiert worden sein oder sie gar selbst gestellt haben. Sich damit auseinanderzusetzen, wo in der Beziehung man sich gerade befindet, ist für viele ein sehr wichtiger Aspekt. Die darauf folgende Antwort, so zumindest die Hoffnung, verrät indirekt viel darüber, ob es eine gemeinsame Zukunft geben wird und wenn ja, was sie offenbaren könnte. Immerhin erlaubt die Rückmeldung des anderen eine Einschätzung dahin gehend, ob beide die Beziehung gleich oberflächlich oder tief greifend definieren und somit eine Basis für ein wie auch immer geartetes Zusammensein besteht. Doch nicht nur zu Beginn ist das Wissen um das “Wo stehen wir?” von Bedeutung; auch im Verlauf der Partnerschaft kann es dabei helfen, sich selbst und den anderen besser zu verstehen und das gemeinsame Leben bewusster wahrzunehmen und zu gestalten.

Die Phasen einer Partnerschaft

beziehungsphasenEbenso, wie sich Menschen weiterentwickeln, verändern sich auch Beziehungen im Laufe der Zeit. Idealtypisch können folgende Partnerschaftsphasen unterschieden werden:
  • Schwärmerei
  • Verliebtheit
  • Ernüchterung
  • Turbulenzen
  • Reflexion
  • Integration
  • Stabile Partnerschaft
Die einzelnen Beziehungsphasen können ganz unterschiedlich bezeichnet sein – im Prinzip spielt es auch keine Rolle, welchen Namen sie tragen: Von Bedeutung ist lediglich, was hinter den Begriffen steht und wie sich die jeweilige Phase gestaltet. Die erste Verliebtheit In dieser Beziehungsphase schwingen noch eine Zeit lang die Eindrücke der Schwärmerei mit; jedoch ist alles weniger unsicher. Ob explizit festgelegt oder implizit erschlossen: Das Zugehörigkeitsgefühl ist gegeben, der andere wird als “feste/r Freund/in” vorgestellt. Diese Anfangsphase der Liebe ist von viel Aufgeregtheit und positiver Nervosität geprägt, da alles neu ist und mit dem Partner zum ersten Mal erlebt wird. Eine Übersättigung stellt sich nur selten ein, voneinander genug zu haben ist in dieser Zeit fast unmöglich. Aneinander werden nur die positiven Seiten wahrgenommen, die Gemeinsamkeiten werden hervorgehoben, an eventuellen Unterschieden wird aufrichtiges Interesse bekundet und die Macken des anderen werden als “niedlich” bezeichnet. Schleichend stellt sich eine Art Ernüchterung ein Irgendwann jedoch ist nichts mehr neu, sondern alles allzu bekannt. Die anfängliche Verliebtheit klingt langsam ab und entwickelt sich zu etwas anderem, Tieferen, weniger Aufregendem. Allmählich beginnen auch die Macken des anderen ihren Charme zu verlieren und nerven einfach nur. Unzufriedenheit schleicht sich ein, da die Beziehung im Vergleich zu den ersten Monaten an Pepp verloren hat. Je nach Gestalt der Beziehung kann es vorkommen, dass beide Partner nur noch nebeneinanderher leben oder zu sehr aufeinandersitzen und sich daher eingeschränkt fühlen. Zudem können die Vorstellungen darüber, wie eine dauerhafte Beziehung auszusehen hat, stark divergieren, weshalb Konflikte, Eifersucht, Neid etc. resultieren können. Unzufriedenheit kann in Turbulenzen gipfeln Während in der Phase der Ernüchterung die Erinnerungen an die einstige Verliebtheit noch einiges zu kompensieren in der Lage sind, wird eine Beziehungsphase folgen, in der die beiden Partner ihrer Unzufriedenheit Luft machen müssen – Konflikte sind die Folge: Zwar will aneinander festgehalten werden, jedoch nur zu den individuell festgelegten Bedingungen. Die eventuell existierenden Unterschiede möchten so beigelegt werden, dass sich der eine dem anderen anpasst; dass hieraus Streit entsteht, ist unumgänglich. Jeder möchte für sich das durchsetzen, was seiner subjektiven Ansicht nach das Beste für die Beziehung ist. Reflexion um der Liebe Willen Dass derartige Auseinandersetzungen auf Dauer belastend sind, ist kein Geheimnis. Dessen werden sich auch die Partner bewusst. Wenn sich beide ihrer Gefühle sicher sind und darin einig, zueinander zu gehören, stellt sich die Phase der Reflexion ein. Wenn beide die Turbulenzen satthaben und einsehen, dass diese sie nicht weiterbringen werden, wird konstruktiv darüber diskutiert, was falsch läuft. Es wird Rückschau auf die Anfangszeit gehalten und überlegt, wie es passieren konnte, jenes Stadium in derartige Streitereien münden zu lassen. Die Partner sind bereit, auch ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen, um auf diese Weise zu einem gemeinsamen Konsens zu gelangen. Beide Vorstellungen werden zu einem gemeinsamen Lebensentwurf integriert Die Partner versuchen, die Einstellungen des jeweils anderen nachzuvollziehen. Sie besprechen, was sie vom Leben wollen und was sie sich von der Beziehung erwarten. Beide besinnen sich auf die Tatsache, dass sich eine Partnerschaft im Laufe der Zeit verändert, der Alltag seinen Teil zur Entmystifizierung beiträgt und die Schmetterlinge sich nach einiger Zeit eben verflüchtigen – was aber nichts Schlechtes bedeuten muss: Die Partner erkennen, dass es nicht nur Verliebtheit sein kann, die sie an diesen Punkt ihrer Beziehung gebracht hat, sondern dass ein tieferes Gefühl, die Liebe, das ist, was zählt. Daher fällt es leicht, gewisse Kompromisse einzugehen und beide Vorstellungen derartig zu vereinbaren, um einen Lebensentwurf zu kreieren, der beide Parteien glücklich macht und auf Dauer zufriedenstellt. Eine stabile, liebevolle Partnerschaft Nachdem sich beide einander besonnen haben, ihre Einstellungen zu einem gemeinsamen Lebensentwurf integriert und sich ihren Platz in der Beziehung geschaffen haben, ist eine Art Plateau erreicht. Dies ist jedoch nichts Negatives, da es die Basis einer glücklichen Partnerschaft darstellt. Die Liebe des und zum anderen ist eine Konstante im Leben, die einen bestärkt und den Alltag meistern lässt. An diesem Punkt angelangt, kann ein gemeinsames Leben aufgebaut werden. In derartig reifen Beziehungen geht es nicht mehr ausschließlich um aufregende Momente, Spaß und Leidenschaft, sondern um mehr: Es wird sich umeinander gekümmert, auch hinsichtlich weniger romantischer Belange wie Gesundheit oder Finanzen. Die Partner sind darum bemüht, sich gemeinsam ein gutes Leben zu ermöglichen.

Zirkularität der Beziehungsphasen

Das Plateau der stabilen Partnerschaft ist keineswegs der Endpunkt der Liebe. Die Qualität einer Beziehung wird nicht allein von diesem Gefühl getragen – auch das Umfeld und die Persönlichkeit der beiden Partner nehmen Einfluss auf die Beziehung. Entsprechend kann es im Verlauf der Zeit durchaus zu wiederholten Durchläufen bestimmter Phasen kommen, die z. T. mit den Entwicklungsaufgaben verknüpft sind, die das Leben an die Liebenden stellt:
  • berufliche Veränderungen
  • wirtschaftliche Rückschläge oder drastische Aufschwünge
  • Heirat
  • die Geburt eines Kindes und alle damit verbundenen Aufgaben
  • Krankheiten
  • Verlagerungen des Lebensmittelpunktes
Solche und viele weitere Geschehnisse können zu erneuten Krisen führen, die überwunden werden müssen. Ebenso ist möglich, dass sie zum “zweiten, dritten, vierten etc. Frühling” in der Beziehung führen können. Die Partner verändern sich im Laufe des Lebens, werden älter und reifer. Auch das wirkt auf die Beziehungsdynamik ein; vor allem bei Partnern, die sich in relativ jungen Jahren kennen- und lieben gelernt haben. So, wie die Persönlichkeiten reifen, muss auch die Beziehung wachsen.

Veränderung als notwendige Voraussetzung für Liebe

Die Fähigkeit und Bereitschaft zu Veränderungen ist das, was langjährige Beziehung ausmacht. Dieser Prozess ist unaufhaltsam und sollte einen nicht ängstigen, sondern vielmehr als Notwendigkeit und Chance begriffen werden. Ewig an der ersten Verliebtheit festhalten zu wollen, würde etwas viel Wertvolleres verhindern – nämlich die Liebe. Dieses Gefühl ist unter Umständen zwar weniger leidenschaftlich, jedoch viel tiefer gehend, verlässlicher und vor allem allgegenwärtig. Entsprechend sollte es als Bereicherung aufgefasst und nicht mit Furcht beachtet werden, wenn die Beziehung verschiedene Phasen durchläuft und sich mit der Zeit wandelt. Dieser Prozess ist unumgänglich, notwendig … und absolut erstrebenswert.

Emotionale Abhängigkeit in der Beziehung

emotional abhängigManchmal erscheint die eigene Partnerschaft plötzlich in einem völlig anderen Licht. Zumeist geschieht dies in jenen Situationen, in denen der Partner zum wiederholten Male eben das Verhalten an den Tag legt oder die Worte sagt, von denen er genau weiß, dass sie einen selbst schier zur Verzweiflung bringen. In solchen Momenten stellt sich für einen kurzen Augenblick Klarheit ein: Die Beendigung der Beziehung ist beschlossene Sache; wenn die Liebe keine Zufriedenheit mehr bringt, muss das eigene Glück woanders gesucht werden. Eine spontane Welle der Euphorie schwappt in einem auf … doch dann, wieder ganz plötzlich, kommen die alt bekannten Zweifel:
  • Wer bin ich schon ohne ihn/sie?
  • Was soll ich alleine mit meinem Leben anfangen?
  • Wer sorgt für mich und hilft mir, wenn ich jemanden brauche?
  • Würde ich überhaupt jemanden anderen finden?
  • Könnte ich nochmal eine andere Person so lieben?
Das Bedürfnis, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, ist verschwunden; Zweifel und Angst nehmen überhand. Die kurzweilige Euphorie wird von den Gedanken abgelöst, dass es so schlimm gar nicht ist. Dass die Beziehungsprobleme nur temporär sind, und daher schnell aus der Welt geschafft sein werden. Alle vorherigen Intentionen werden als naiv abgetan, als zu vorschnell und völlig unüberlegt. Schließlich obsiegt die Überzeugung, dass der Partner perfekt für einen selbst ist und ein Existieren ohne ihn völlig abwegig: Es erfordert sicherlich nur ein wenig eigene Anstrengung, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wenn die Liebe zum emotionalen Gefängnis wird

dem Partner verfallenTrotz offenkundiger Unzufriedenheit in der Beziehung ist es für manche Menschen unmöglich, sich vom Partner zu lösen. Eine Trennung erscheint vollkommen unmöglich, da ein Leben ohne den anderen absolut unvorstellbar ist. Im ersten Moment erscheint diese Schilderung keineswegs negativ; immerhin würden viele Beziehungen schon an ersten kleineren Hindernissen zerbrechen, würden die Partner nicht an ihrer Liebe festhalten und daran glauben, dass sie zueinander gehören. Tatsächlich ist es sogar durchaus förderlich für eine Beziehung, wenn die Partner bis zu einem gewissen Grad aufeinander angewiesen sind. Eine wechselseitige Bindung aneinander wirkt stabilisierend; es sollte jedoch stets darauf geachtet werden, dass beide auch unabhängig voneinander Vertrauen in die eigene Person haben und ihre Individualität bewahren. Andernfalls kann eine starke Festlegung auf den Partner bedenkliche Ausmaße annehmen, gar in einer emotionalen Abhängigkeit enden. Als anschauliche, wenn auch drastische Allegorie, könnte die Sucht nach Rauschmitteln imaginiert werden: Instinktiv sind sich Betroffene darüber im Klaren, dass das, was sie tun, ungesund ist; jedoch fühlen sie sich ausgeliefert und sehen keinen Ausweg aus der Abhängigkeit, da das Rauschmittel aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist. In der Regel sind im Falle einer emotionalen Abhängigkeit keine primären körperlichen Folgen zu erwarten, die psychischen Schäden, die verursacht werden, können hingegen immens sein – und zwar für beide Partner.

Wie genau äußert sich emotionale Abhängigkeit?

Im Folgenden einige Beispiele dafür, auf welche Art und Weise eine emotionale Abhängigkeit in Erscheinung treten kann:
  • ständige gedankliche Beschäftigung mit der Beziehung und dem Partner
  • Aufgabe dessen, was einen selbst ausmacht, um dem anderen möglichst gut zu gefallen & ähnlich zu sein
  • das eigene Selbstwertgefühl wird über den Partner definiert
  • Fehler werden hauptsächlich bei sich selbst gesucht
  • der Partner und alles, was er tut, werden idealisiert; er/sie scheint perfekt
  • Konflikten wird ausgewichen und Probleme werden tabuisiert
  • Unruhe, wenn der Partner nicht bei einem ist
  • zum Teil starke Eifersucht, die zumeist Kontrollhandlungen mit sich bringt (Anrufe, Ausspionieren etc.)
  • nur die Gegenwart des Partners scheint erstrebenswert, weshalb zunehmende soziale Isolation resultiert
  • extremes Klammern
  • eine Trennung wird nie ernsthaft in Erwägung gezogen; im Gegenteil: der Gedanke daran ängstigt

Ursachen für die Entstehung emotionaler Abhängigkeit

Unzureichendes Urvertrauen Der Begriff stammt aus der Tiefenpsychologie und bezeichnet ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, das sich bereits in frühen Lebensjahren ausbildet. Es wird gefördert durch stabile, fürsorgliche und verlässliche Bindungen zu den dauerhaften Bezugspersonen. Gut ausgeprägtes Urvertrauen stärkt das eigene Selbstwertgefühl, das Vertrauen auf andere Menschen und das Umfeld im Allgemeinen sowie auf die eigene Person. Ist die Bindung zu Bezugspersonen jedoch von Vernachlässigung, Ambivalenz, Unzuverlässigkeit oder gar Misshandlung geprägt, kann sich das Urvertrauen nicht angemessen ausbilden, was unter anderem auch Bindungsprobleme und den Hang zu emotionaler Abhängigkeit im Erwachsenenalter mit sich bringen kann. Dependente Persönlichkeit Das Vorhandensein einer abhängigen Persönlichkeitsstörung hat ebensolche Symptome zur Folge, wie sie typischerweise im Rahmen einer emotionalen Abhängigkeit auftreten. Der Betroffene klammert sich an den Partner, ist misstrauisch, hat ein nur gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl und starke Trennungsängste; das Verhalten ist passiv, anhänglich und unterwürfig. Freilich, nicht jedem emotional Abhängigen muss gleich eine derartige Diagnose unterstellt werden, häufig jedoch liegt sie dem Erscheinungsbild zugrunde. Auch bei psychisch Gesunden können dependente Persönlichkeitsanteile vorhanden sein, die sie zu emotionaler Abhängigkeit in Beziehungen neigen lassen. In solchen Fällen allerdings bei Weitem nicht so ausgeprägt, wie bei einer Störung. Ablehnung Wurde in der eigenen Lebensgeschichte irgendwann einmal Ablehnung durch Personen erfahren, die einem selbst viel bedeutet haben, kann dies die eigene Bindungsfähigkeit aus dem Gleichgewicht bringen. Stets begleitet einen die Angst, erneut enttäuscht, verlassen oder abgelehnt zu werden. Da bereits erfahren wurde, wie schmerzhaft derartige Anwandlungen sein können, möchte das wiederholte Aufkommen eines derartigen Gefühls tunlichst vermieden werden. Daher wird alles daran gesetzt, Menschen zu halten, die einem etwas bedeuten. Das Vorhandensein solcher Erfahrungen kann die Entwicklung einer emotionalen Abhängigkeit befördern. Falsches Verständnis von Liebe Die Frage, ob Liebe ohne ein gewisses Maß an Abhängigkeit überhaupt funktioniert, kann nur schwierig beantwortet werden. Immerhin ist das Einlassen auf eine Beziehung tatsächlich nie völlig frei von wie auch immer gearteten Abhängigkeiten. Sobald eine ernsthafte Partnerschaft eingegangen wird, entwickelt sich unweigerlich das Gefühl, den anderen für das eigene Glück zu brauchen. Wenn diese eigentlich positive Dependenz nun aber verabsolutiert wird, also keine Individualität und kein Eigenleben mehr zugelassen werden, resultiert unweigerlich emotionale Abhängigkeit. Besteht insgeheim die Überzeugung, dass Beziehungen aus einer derartige Aufopferung oder gar Unterwerfung bestehen müssen, um von wahrer Liebe sprechen zu können, ist das gesunde Maß längst überschritten.

Wege aus dem emotionalen Gefängnis

Ausweg aus der AbhängigkeitHäufig ist Betroffenen das eigene Verhalten nicht oder nur begrenzt bewusst. Daher ist es in Beziehungen wichtig, regelmäßig Bilanz über die eigene Zufriedenheit zu ziehen. In gemeinsamen Gesprächen sollte beiden Partnern erlaubt sein, offen darüber zu sprechen, ob sie sich in der Beziehung noch wohlfühlen, glücklich sind und so weitermachen wollen. Fühlt sich hierbei einer von beiden eingeengt, sollte gemeinsam versucht werden, einen gesunden Mittelweg zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können. Wichtig ist hierbei v. a. den abhängigen Partner ehrlich davon zu überzeugen, dass er geliebt wird und seine Bedenken, plötzlich und ohne Grund verlassen zu werden, unbegründet sind. Von besonderer Bedeutung ist aber, dass zur Eigenständigkeit zurückgefunden wird. Abhängige sollten sich darauf besinnen, was sie ausmacht und öfter das tun, was sie glücklich stimmt. Bestenfalls merken Betroffene schnell, was ihnen entgeht, wenn das Leben ausschließlich auf den Partner reduziert wird. Sie entdecken, wie viel Freude es bringen kann, eigenen Interessen und Hobbys nachzugehen. Außerdem sollte wieder Vertrauen in die eigene Person gewonnen werden. Etwas für sich zu tun oder alleine Dinge zu unternehmen, sollte einen darin bestärken, dass es durchaus möglich ist, sein Leben selbstbestimmt zu meistern – auch ohne Partner. Betroffene sollten sich vergegenwärtigen, wie wertvoll ein Leben in emotionaler Unabhängigkeit ist. Dies schließt überhaupt nicht aus, sich auf die Beziehung und den Partner einzulassen; es bedeutet lediglich, seine Individualität zu bewahren und sich nicht von der Bestätigung oder Anerkennung des Partners abhängig zu machen oder sich an ihn zu klammern. Schließlich ist die Gewissheit, dass der geliebte Mensch aus freien Stücken bei einem ist, viel schöner, als ein Festhalten um jeden Preis.

Ideen & Tipps zum Auffrischen Ihrer Beziehung

Wo sind nur die Schmetterlinge im Bauch geblieben, die einst beim Anblick unseres Traumpartners wie wild flatterten? Mit pochendem Herzen hatten wir uns zu einem ersten romantischen Date verabredet, wie zufällig hatten sich irgendwann unsere Hände berührt – und wie leidenschaftlich hatten wir uns doch geküsst! Und heute? Da ist von flatternden Schmetterlingen im trauten Heim nur noch im Zusammenhang mit der Motte, die es sich im Kleiderschrank gemütlich gemacht hat, die Rede. Ist es so weit gekommen, dass nur noch Langeweile, Alltag und Routine die Beziehung beherrschen, hilft schlichtweg eins: Ausmotten, frischen Wind in die Zweisamkeit bringen und aktiv werden. Folgende Beziehungstipps bieten Anregungen für neuen Schwung in der Partnerschaft:

“Bringst du den Müll raus, Schatz?” – “Später, schaue Fußball.”

PärchenEs ist ein Tag wie jeder andere: Herr M. und seine Frau gehen zu Hause den Beschäftigungen nach, die ihnen Vergnügen bereiten oder die sie im Augenblick für dringlich halten. Doch des einen Freud’ und Müh’ ist des anderen Leid und Ärger. Herr M. verfolgt ein Fußballspiel im Fernsehen, seine Gattin möchte die Wohnung auf Vordermann bringen und erwartet von ihrem auf dem Sofa liegenden Partner Unterstützung. Schließlich ist er für die Unordnung mit verantwortlich. Beziehungsprobleme scheinen vorprogrammiert – sofern Herr M. nicht den Müll rausbringt. Tipp: Es ist normal, dass es Situationen gibt, in denen das Verhalten des Partners die Nerven strapaziert, insbesondere dann, wenn man selbst unter Stress steht. Ein Schlüssel für eine glückliche Partnerschaft ist, den anderen in seiner Individualität und der damit verbundenen Selbstbestimmtheit zu akzeptieren. Als wir uns verliebten, hatten wir schließlich auch nicht versucht, “Mr. Perfect” beziehungsweise die “Du-bist-die-Frau-meines-Lebens” umzuerziehen. Ganz im Gegenteil, wir liebten den anderen genau so, wie er ist. Eine Voraussetzung für eine Belebung einer eingerosteten Beziehung ist also ein Umdenken, was den Partner im Alltag betrifft: Sein Leben ist sein Leben, mein Leben ist mein Leben, und uns verbindet eine Liebe, die unsere Unterschiedlichkeiten annimmt. Dann bringt Herr M. eben nicht beim Elfmeterschießen den Müll raus, dann schlägt – im Idealfall der Gelassenheit – seine Ehefrau vor, ihn zum nächsten Fußballspiel seiner Lieblingsmannschaft zu begleiten und besorgt Eintrittskarten – und dann räumt wahrscheinlich Herr M. nicht nur den Müll raus, sondern streicht den Abfallcontainer auch in schillernden Schmetterlingsfarben an.

“Morgen ist es wieder soweit: unser Liebestag!”

Partnerschaft stärkenIn der Ehe der Familie M. kriselt es inzwischen so sehr, dass beide beschließen – er etwas widerwillig -, eine Paarberatung aufzusuchen. Und von dieser erhalten sie den Vorschlag, einen gemeinsam vereinbarten Tag im Monat bewusst der Beziehung zu widmen und sich an diesem abwechselnd mit einer Überraschung zu erfreuen. Heute ist Herr M. an der Reihe, seine Frau zu verwöhnen. Da er weiß, dass sie sich für exotische Tiere interessiert, lädt er sie zu einem Ausflug in den Zoo ein, zumal ein solcher auch ihm Vergnügen bereitet. Für den Abend hat er ein Candle-Light-Dinner in einem malerisch gelegenen Restaurant geplant und im Anschluss ein Ausklingen des Tages daheim vor dem Fernseher auf dem Sofa. Doch dieses Mal läuft nicht Fußball, sondern Herr M. hat eine DVD besorgt, die die sexuelle Phantasie beflügeln soll. Tipp: Regelmäßige Rituale, die die Beziehungen zelebrieren, können das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und das Miteinander lebendig halten. Diese können durchaus abwechslungsreich gestaltet werden. Ob Theater- oder Kinobesuch, Städtereisen oder der gemeinsame Besuch des örtlichen Hallenbades – alles, was außerhalb des Alltags gemeinsam erlebt wird, durchbricht die Routine und bleibt in positiver Erinnerung.

“Ich liebe dein bezauberndes Lächeln!”

Bevor Herr M. und Gemahlin die Beziehungsberatung aufgesucht hatten, hatten sich beide zu Hause etwas “gehen lassen” und einander kaum mehr Beachtung geschenkt. Er lief in einer verschlissenen Jogginghose und Unterhemd durch die Wohnung, sie kroch abends mit einer dicken Schicht Nachtcreme auf dem Gesicht und mit einem Nachthemd aus Uromas Zeiten gekleidet ins Bett. Heute hat sich das Beziehungsleben der beiden stark verändert. Sie widmen sich selbst und dem Partner mehr Aufmerksamkeit. Dazu zählt auch, dass sie sich gegenseitig Komplimente machen, und zwar solche, die von Herzen kommen und nicht oberflächlich, sondern individuell auf den anderen zugeschnitten sind – wie es Herr M. macht, der sich bereits bei der ersten Begegnung mit seiner Frau in ihr fröhliches Wesen verliebt hatte und der sie nun spontan in den Arm nimmt und ihr ins Ohr flüstert: “Ich liebe dein bezauberndes Lächeln! Ich liebe dich!” Tipp: Wissen Sie, was Ihre Frau gestern trug? Wissen Sie noch, wie sie bei Ihrem ersten Date gekleidet war? Und umgekehrt: Leuchten die Augen Ihres Mannes noch so strahlend wie damals, als Sie sich in diesen selbst vergessen und verloren haben? Wann haben Sie zuletzt tief in diese geblickt? Wir sind aufmerksam gegenüber allen möglichen Menschen, mit denen wir es beispielsweise in unserem beruflichen Umfeld zu tun haben. Aber wie nehmen wir unseren Partner wahr, mit dem wir in unmittelbarster Nähe zusammenleben? Aufmerksamkeit ihm gegenüber und auch unverhofft kleine Aufmerksamkeiten wie Komplimente, eine Rose auf dem Kopfkissen oder ähnliche Ideen sind ein gutes Mittel, die Beziehung intakt zu halten – denn nicht nur Freundschaften, sondern auch Liebesbanden müssen gepflegt werden.

“Heute ist mein Opernabend.” – “Ich gehe zum Bowling.”

Partnerschaft aufladenSo lethargisch Herr M. auf der einen Seite früher auch war, so übermannte ihn auf der anderen Seite stets die Eifersucht, wenn seine Frau sich mit einer Freundin in der Stadt zum Shoppen verabredete. Jetzt hat er jedoch gelernt, wie wichtig es für das Wohlbefinden seiner Partnerin und damit für die Beziehung ist, dass sie auch außerhalb des Ehelebens soziale Kontakte pflegt. Inzwischen ist er sogar froh darüber, dass nicht mehr er sie beispielsweise in die von ihm verhassten und von ihr geliebten Opern begleiten muss, sondern dass sie gleichgesinnte Kulturliebhaber gefunden hat. Stattdessen geht Herr M. nun seinem eigenen neuen Hobby nach, nämlich Bowling. Und wenn dann nach den Veranstaltungen das Ehepaar wieder zusammentrifft, hat es sich viel zu erzählen, wodurch der andere in die eigenen Erlebnisse mit einbezogen wird. Tipp: Ohne dem Partner Freiräume zuzugestehen und ihn dabei auch zu unterstützen, entstehen irgendwann zwangsläufig Beziehungsprobleme, da die Unzufriedenheit wächst. Wenn Paare etwa unterschiedlichen Hobbys nachgehen, bleiben immer noch genügend gemeinsame Interessen übrig, die verbinden.

Fazit: Wie sich Schmetterlinge als innige Liebe entpuppen

Wer seine Beziehung auffrischen will, sollte aktiv werden, und zwar am besten gleich. Es bringt nichts, darauf zu warten, bis der andere sich bewegt. Und noch viel weniger bringt es, dem Partner die Schuld für die Eintönigkeit in der Ehe zu geben, denn zu einer Paarbeziehung gehören immer zwei. Zu einer Veränderung der eingefahrenen Situation gehört auch eine kritische Analyse der eigenen Erwartungshaltung: Ist sie zu hoch geschraubt? Wird die Partnerschaft glücklicher, wenn ich es schaffe, den anderen so zu “verbiegen”, wie es mir gefällt? Und zum guten Schluss gilt es, sich bewusst zu machen, dass eine Liebesbeziehung immer in Phasen verläuft: Am Anfang stehen die Schmetterlinge im Bauch, die grenzenlose Verliebtheit. Ob das Ende eine Loslösung und ein Auseinanderleben kennzeichnet oder eine tiefe Liebe, hängt von jedem Paar selbst ab, welchen Einsatz es zu geben bereit ist, die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen.

Scheidungspartys: der neue Trend aus den USA

Frauen feiern eine ScheidungspartyHochzeiten und Junggesellenabschiede sind Klassiker, die einfach zum guten Ton gehören – dass am Anfang einer Ehe gefeiert wird, versteht sich auch in unserer heutigen Gesellschaft noch von selbst. Schwieriger sieht es aus, wenn das Gegenteil eintritt: Scheidungen sind nicht nur für die Beteiligten unangenehm, sondern auch für den Bekannten- und Freundeskreis. Im besten Fall wird ein Mantel des Schweigens über das Geschehen gelegt, der es möglich macht, sich den heiklen Fragen nicht zu stellen. So war es jedenfalls bisher. Ein neuer Trend, der in den letzten Jahren aus den USA herüberschwappt, scheint diese Situation drastisch zu ändern: Die Scheidungsparty gewinnt immer mehr Fans.

Ein ritueller Übergang in eine neue Lebensphase

Neuorientierung nach einer TrennungWas in Amerika längst gesellschaftlich akzeptiert ist, stößt in Europa teilweise immer noch auf Ablehnung: Den Gedanken, das Ende einer Beziehung offiziell zu feiern, finden nicht wenige Menschen auf dieser Seite des Atlantiks geschmacklos oder zumindest abwegig. Befürworter der Scheidungsparty argumentieren allerdings, dass sie psychologisch durchaus einiges für sich hat. Im besten Fall dient sie als positives Ritual, das den Eintritt in eine neue Lebensphase markiert und es gleichzeitig erleichtert, mit der vorherigen abzuschließen. Diese Bedeutung ist nicht nur rein symbolisch, sondern kann für Beteiligte durchaus eine befreiende Funktion haben. Ein wichtiger Aspekt, der die Scheidungsparty persönlich macht, ist dabei das Ablegen von Dingen, die mit der geschiedenen Ehe in Verbindung stehen. Wie genau dieser Prozess aussieht, hängt stark vom Einzelfall ab. Das Vernichten oder Versenken von Eheringen kann ebenso im Mittelpunkt stehen wie die Zerstörung des Brautkleids. Auch bösartigere Dinge wie das Bewerfen eines Bildes des Expartners mit Dartpfeilen können zur Scheidungsparty gehören. Solche negativen Gefühle sind allerdings keineswegs vorausgesetzt – auch Menschen, die keinen Groll hegen, entscheiden sich zunehmend für das befreiende Ritual. Veranstalter von Scheidungspartys sind sogar der Meinung, dass diese Variante vorzuziehen ist – wer mit dem alten Kapitel noch nicht abgeschlossen hat, ist noch nicht bereit für den Schritt in die neue Lebensphase.

Positive Gefühle machen das Feiern leichter

Für eine entspannte und wirklich positive Scheidungsparty wird daher oft empfohlen, nach der Trennung noch einige Zeit vergehen zu lassen. Wer sich wirklich als Single fühlt oder gar schon mit einem neuen Partner zusammenlebt, kommt mit der Situation besser klar als jemand, der gerade aus der turbulenten Schlussphase einer Ehe hervorgegangen ist. Zwar gehört es naturgemäß nicht zum Standardvorgehen, den ehemaligen Partner auf die Party einzuladen, ein grundsätzlich positives Verhältnis erleichtert den Schritt aber dennoch enorm. Dies gilt insbesondere auch für das Umfeld – Scheidungspartys, die nicht auf Groll basieren, sondern auf positiven Gefühlen, werden von Freunden und Bekannten generell eher akzeptiert. Die Zahl der Scheidungspartys wird derweil auch in Europa immer höher. Partyveranstalter haben den Trend längst erkannt und bieten entsprechende Feiern mit allen Extras an. Die Hochzeitstorte, aus der eine Scheidungstorte geworden ist, gehört dabei genauso zum Repertoire wie die passende Musik und das rituelle Vernichten von Erinnerungsstücken unter professioneller Anleitung. Nicht wenige Veranstalter haben Scheidungen mittlerweile ebenso im Programm wie Hochzeitsfeiern. Wenn die Entwicklung ähnlich verläuft, wie in Amerika, wird sich dieser Trend wohl auch so schnell nicht ändern: Das Phänomen Scheidungsparty gewinnt immer mehr Akzeptanz und Anhänger und wird wohl so schnell nicht wieder verschwinden. Weiterführende Links zum Thema: http://www.paradisi.de http://www.zeit.de