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Masturbation mal anders: Selbstbefriedigung jenseits von YouPorn und Konsorten

Jeder tut es, kaum einer spricht davon. Doch die Zahlen lügen einfach nicht: Masturbation ist für sehr viele ein wichtiger Teil ihrer Sexualität. Ganz gleich, ob sie Single sind oder in einer Beziehung stecken. Und die Zahlen wissen auch noch etwas anderes: Internetpornografie ist für die allermeisten das grundsätzliche Wahlmittel geworden – wie es in diesem Bereich aussieht, zeigen die alljährlich veröffentlichten Gesamtberichte der Porno-Plattform Pornhub.

Doch genau Pornhub und seine Konkurrenten sind auch das Problem: Schon seit längerem beklagen Gesellschafts- und Sexualwissenschaftler eine „pornographische Verarmung“. Wir schauen so viele Pornos wie noch nie. Gleichsam haben wir immer seltener Sex; vor allem bei eigentlich aktiven jungen Menschen ist das dramatisch präsent.

Eine Wechselwirkung? Vermutlich ja. Zumindest die Forschung vermutet schon seit langem eine Verbindung à la „Wie man masturbiert, so vögelt man auch“ – wer immer nur Filme konsumiert, darf sich demnach nicht wundern, wenn es im Bett hapert. Der folgende Artikel will zur Lösung beitragen – und andere Wege aufzeigen, mit denen man sich bis zum Höhepunkt erregen kann.

  1. Seine eigenen Fantasien schreiben

Was ist der größte Nachteil von Pornos? Es ist die Tatsache, dass man dort von der Story über das Setting bis zum Aussehen (und den Stellungen) der beischlafenden Darsteller alles serviert bekommt.

Zugegeben, die Porno-Industrie ist unheimlich kreativ. Vom vollkommen Story-losen „Gonzo“-Streifen, bei dem es wirklich nur um Sex geht bis zu abendfüllenden „Spielfilmen mit echtem, sichtbarem Sex“ ist jede Schattierung vertreten. Bloß: Auch die servieren eben nur.

Doch nicht nur in der Küche gilt auch, was man selbst kocht, schmeckt meistens am allerbesten. Da es trotz leistungsfähiger Handykameras aber schwierig ist, alleine Sexszenen zu drehen, bietet sich die nächste Alternative an: Man schreibt seine eigenen Sexgeschichten. Nein, dazu muss man kein guter Texter sein – zunächst jedenfalls nicht. Man denkt sich einfach eine Geschichte aus, die man selbst erregend findet und schreibt sie so nieder, wie man es selbst gerne lesen würde. Knisternde Stimmung kommt wahrscheinlich schon beim Schreiben auf – spätestens aber, wenn man sich sein Werk durchliest.

Und apropos Fantasie:

  1. Die Fantasie spielen lassen

Was haben eigentlich Menschen getan, bevor es Internetpornos gab? Was haben sie getan, bevor 1969 Dänemark zum großen Euro-Vorreiter wurde und Pornografie legalisierte (Deutschland zog erst 1975 nach)? Zeiten also, in denen es enorm schwer war, an pornografisches oder auch nur erotisches Bildmaterial heranzukommen.

Ganz einfach: Man nutzte nur seine eigene Fantasie. Hinlegen, Augen schließen und das Kopfkino einschalten. Der enorme Vorteil ist der gleiche wie beim ersten Tipp: Man selbst ist sein eigener Porno-Regisseur. Mehr noch, man kann in seinem Kopfkino Darsteller auftreten lassen, die garantiert niemals vor der Kamera blankziehen, geschweige denn Sex haben würden.

Und das Beste: Niemand bekommt mit, was man sich zusammenfantasiert. Man genießt einfach Masturbation zu Szenen, die kaum nicht personifizierter und detaillierter sein können.

  1. Chatten

Masturbation muss nicht bedeuten, dass grundsätzlich keine zweite Person involviert ist. Im Gegenteil: Voreinander zu masturbieren ist eine hochbeliebte Praxis unter Paaren. Denkt man diese Praxis weiter, muss nicht einmal jemand vor Ort vorhanden sein, um sich durch denjenigen erregen zu lassen.

Das bringt uns zu Chats. Auch die existieren nach wie vor auch in der geschriebenen Variante, sowie etwas neumodischer in Bild und Ton. Dazu muss man nur auf Sextreffen-Portalen chatten; das Gegenüber sind Menschen aus Fleisch und Blut – und ebenfalls so sehr Amateur wie man selbst.

Dabei ist diese Praxis nicht nur etwas für Menschen, denen es an eigener Fantasie mangelt. Es ist vor allem eine Abkehr von vorservierten Porno-Praktiken. Denn was das Chat-Gegenüber tut, obliegt zunächst ihm alleine. Ob man sich gegenseitig hochschaukelt oder sich einfach nur mit lustvollen Szenen berieseln lässt, ist Sache der Absprache.

  1. Geistiger Rückblick

Für Menschen, die noch keine lustvollen Realkontakte hatten, fällt dieser Punkt leider aus. Für alle anderen gilt jedoch: Wenn man Sex hatte, gab es sicherlich auch den einen oder anderen Moment, der „denkwürdig“ war. Ein sexuelles Abenteuer, das sich von Standard-Sex unterschied und das man noch nach Jahren im Kopf hat.

Warum also nicht diese Szene nochmals Revue passieren lassen, während man masturbiert? Selbst wenn die Beziehung schon lange vorbei ist, es vielleicht auch nur ein One Night Stand war, muss man sich deswegen nicht genieren. Abermals gilt: Die Gedanken sind frei und für das, was sich im eigenen Kopf abspielt, muss man sich weder schämen noch rechtfertigen.

  1. Toys, Toys, Toys

Schon seit längerem gibt es in der Welt der Sexualforschung die Vermutung, dass Frauen es viel eher schaffen, auch ohne audiovisuelle oder gedankliche Reize bis zum Orgasmus zu masturbieren. Konkret vermutet man, dass es bei der viel größeren Auswahl an femininen Sexspielzeugen liegt – und an einer auch deshalb niedrigeren Hemmschwelle, diese zu nutzen.

Dabei muss man sich – ohne Rücksicht auf das Geschlecht – einfach nur eingestehen, was die allermeisten Sexspielzeuge sind: Werkzeuge, die geschickt so konstruiert wurden, dass sie durch Vibration und Co. die richtigen Erregungsknöpfe drücken.

Bedeutet umgekehrt, dass selbst Menschen, die bisher felsenfest überzeugt waren, Reize über Augen, Ohren oder Phantasien zu benötigen, absolut in der Lage sind, auch ohne diese kommen zu können. Ja, das gilt explizit auch für die Männerwelt. Selbst wenn man von detailreichen Nachbildungen weiblicher Intim-Anatomie absieht, gibt es für die Herren der Schöpfung genügend andere Spielzeuge, die mindestens ebenso gut sind wie die eigene Hand. Und im Zweifelsfall tut es auch die Handbrause von Dusche oder Badewanne, die auf Eichel-Unterseite oder Klitoris gerichtet wird.

Zusammengefasst

Es ist nichts Verwerfliches daran, zu Pornos zu masturbieren. Doch wie bei allem im Leben gilt hier „die Dosis macht das Gift“. Das bedeutet nicht, dass man aufhören sollte, sich selbst zu befriedigen – wenn man diesen Schritt nicht von sich aus wünscht, ist es eine unnötige Qual, die keinen Gewinn bringt.

Definitiv sollte man aber Pornos, egal ob als Bewegtbild oder Foto, nur als eine Zutat in einem ansonsten reich gefüllten Reize-Mix ansehen. Denn dadurch wird automatisch auch die eigene Lust ungleich vielfältiger als wenn man sich immer nur die gleiche Kost auf Pornhub, YouPorn und Co. zu Gemüte führt.

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