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Emotionale Erpressung in der Partnerschaft

In der Regel fordern Erpresser Lösegeld; manchmal ein zusätzliches Fluchtfahrzeug, um sich davonstehlen zu können. Erpresste sind bereit, Unsummen zu zahlen und die Erpresser unbescholten davonkommen zu lassen. Sie sind machtlos, da sie wissen, dass etwas viel Wichtigeres auf dem Spiel steht als Geld: Ehre, Ansehen, der gute Ruf etc. Menschen sind dann in der Lage, andere zu erpressen, wenn sie die Achillesferse des anderen kennen. Ein großes Geheimnis, das keinesfalls an die Öffentlichkeit geraten darf, da es sonst Sanktionen des Umfeldes zur Folge hätte, die keinesfalls in Kauf genommen werden wollen. Erpresst zu werden ist schmerzlich, wird aus Angst vor etwaigen Konsequenzen jedoch ausgestanden.

Wie viel ist die Liebe wert?

Erpressungsszenarien spielen sich jedoch nicht ausschließlich im wirtschaftlichen Sektor oder in hohen Gesellschaften ab. Auch in Partnerschaften wird erpresst und folgt ähnlichen Regeln: Einer der Partner möchte seinen Willen durchsetzen und die Beziehung nach seinen Vorstellungen gestalten, weshalb es nötig ist, den anderen entsprechend zu formen. Vollzieht dieser den Wandel nicht aus freien Stücken oder eigener Überzeugung, wird erpresst. Es wird versucht, die Gefühle des anderen zu manipulieren, um so seinen Willen durchzusetzen. Emotionale Erpressung fußt auf Bestrafung mittels negativer Verstärkung: Erhält der Erpresser nicht das, was er möchte, wird der andere in einen negativen gefühlsmäßigen Zustand versetzt. Forderungen sind selbstverständlich nicht in Euro aufzuwiegen – stattdessen vielmehr in Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Zeit.

Manipulation durch Schuldgefühle

jemanden beschuldigenIn Partnerschaften werden verschiedensten Maßnahmen der emotionalen Erpressung ergriffen. Die Effektvollste von allen ist wohl jene der Provokation von Schuldgefühlen. Für etwas Negatives verantwortlich zu sein, schmerzt den Menschen ungemein. Insbesondere dann, wenn derartige Zuweisungen von der geliebten Person kommen. Der Gedanke daran, für wie auch immer geartetes Leid des anderen verantwortlich zu sein, macht manipulierbar – das Wissen darum macht sich der Erpresser zu nutzen, um das zu bekommen, was er will. Häufig werden Schuldzuweisungen derart formuliert, dass sie Allgemeingültigkeit suggerieren und dem Erpressten das Gefühl geben, er würde sich normabweichend verhalten. Dies ist z. T. noch unangenehmer, als “nur” den eigenen Partner enttäuscht zu haben. “Wenn man jemanden liebt, macht man so etwas nicht.” – Ein Klassiker.

Weitere Methoden emotionaler Erpressung

Neben der Beförderung von Schuldgefühlen bedienen sich emotionale Erpresser vieler weiterer Methoden, um in der Beziehung genau das zu bekommen, was sie sich wünschen:
  • an Verpflichtungen in der Beziehung erinnern
  • Vorwürfe verschiedenster Art
  • darauf verweisen, dass sie häufiger Opfer für die Partnerschaft bringen
  • den Märtyrer spielen
  • nachtragend sein und oft auf vergangene Fehler hinweisen
  • Verhaltens- und Handlungsweisen mit denen anderer vergleichen
  • auf Diskrepanzen in Worten und Taten hinweisen
  • Gefühle in Frage stellen
  • auch ohne Worte Leiden zum Ausdruck bringen
  • demonstrieren, wie wertvoll ihr Tun für das Aufrechterhalten der Beziehung ist
  • mit Leid, Trennung, Selbstverletzung oder gar Suizid drohen
In besonders akuten Fällen von emotionaler Erpressung kann so weit gegangen und gar von psychischer Gewalt gesprochen werden. Die Erpresser wissen in der Regel genau, welche Strategie in welcher Situation am ertragreichsten ist und nutzen dies gezielt aus. Ähnlich, wie Erpresser im wirtschaftlichen Bereich, kennen Partner, die zu derartigem Verhalten in der Beziehung neigen, die Schwächen des anderen genau und können diese gezielt für ihre Zwecke nutzen.

Warum erpressen Menschen in Partnerschaften?

emotional erpressenSie sehen sich selbst als Opfer Das Paradoxe ist, dass sich die Erpresser häufig selbst als Opfer sehen und aus einer Art Selbstschutz heraus handeln. In gewisser Hinsicht wissen sie sich nicht anders zu helfen, als den geliebten Menschen zu manipulieren. Die Gründe, die dahinterstecken, sind äußert vielfältig. Emotionale Abhängigkeit Denkbar wäre, dass der Erpresser emotional derart von seinem Partner abhängig ist, dass er glaubt, ohne den anderen keinesfalls leben zu können. Daher ist die Angst, verlassen zu werden, größer, als unter normalen Beziehungsumständen. Erpressungen scheinen als einzige und vor allem effektive Möglichkeit, den anderen zu binden. Unzureichende Kommunikation Zwar banal, jedoch durchaus realistisch: Der Erpresser kommuniziert seine Bedürfnisse und Wünsche nicht und erwartet, dass der andere sie ihm sozusagen von den Augen abliest. Dass dies nur schwer bis gar nicht möglich ist, spielt hierbei keine Rolle. Daraus resultieren Frustration und Enttäuschung, da das Verhalten des anderen als unsensibel und nicht einfühlsam genug wahrgenommen wird. Statt offen darüber zu sprechen, was einem auf der Seele liegt, greifen emotionale Erpresser zu manipulativen Methoden, um letztlich doch das zu bekommen, was sie sich von der Beziehung wünschen. Gefühle der Unzufriedenheit Dem Erpresser sollte nicht die komplette Schuld aufgeladen werden. Es ist durchaus möglich, dass Verhaltensweisen früherer Partner oder vergangene Handlungen des aktuellen ihn dazu bewegen, sich derartig zu verhalten. Unter Umständen werden durch die emotionale Erpressung Empfindungen wie Kränkung, Zurückweisung, mangelnder Zuwendung, fehlender Aufmerksamkeit, emotionalen Verletzungen etc. Ausdruck verliehen. Zweifel an der eigenen Person In manchen Fällen wird emotionale Erpressung von Menschen praktiziert, die nicht besonders selbstbewusst sind. Sie glauben, dass sie einer anderen Person nicht genug zu bieten haben, weshalb ein Partner nie dauerhaft an ihnen festhalten würde. Durch verschiedene Manipulationsstrategien versuchen sie, den anderen trotz eigener (vermeintlicher) Unzulänglichkeiten an sich zu binden.

Folgen emotionaler Manipulation

jemanden manipulierenDass derartige Erpressungsversuche der Liebe auf Dauer nicht zuträglich sind, ist den Erpressern mal mehr und mal weniger bewusst. Tatsache ist jedoch, dass ein derartiges Verhalten unweigerlich zu Beziehungsproblemen führen wird. Entweder, der Erpresste setzt sich zur Wehr und entwickelt sich selbst zum Erpresser, sodass die Beziehung ein einziger Schlagabtausch von Schuldzuweisungen wird oder der Erpresste resigniert, und fügt sich in die Rolle des Klein-Beigebenden. Beide Varianten sind ungesund und der Liebe über kurz oder lang abträglich. Statt sich in der Gegenwart des anderen wohlzufühlen, dominiert ein ständiges Gefühl der Beklemmung. Man fühlt sich unfrei, machtlos, ist ängstlich und schlichtweg unzufrieden. Der Erpresste zaudert ständig zwischen dem Gefühl, unter Zwang zu stehen und einem schlechten Gewissen; je nachdem, ob er auf die Erpressungen eingeht oder sich zur Wehr setzt.

Wege aus der emotionalen Erpressung

Am Beginn des Weges aus der emotionalen Manipulation steht ein Eingeständnis. Sowohl der Erpresste als auch der Erpresser selbst müssen erkennen, in welcher ausweglosen Situation sie sich befinden, und dass ihre Beziehung einen ungesunden Verlauf genommen hat. Nur, wenn beide sich diesen Sachverhalt eingestehen, kann bewusst an einer Verhaltensänderung gearbeitet werden. Wichtig ist insbesondere, dass dies gemeinsam geschieht: Insofern sich nur einer der beiden Partner die Erpressung eingestehen würde, wäre eine Veränderung schwieriger herbeizuführen. Beide Partner haben sich, wenn auch unter negativen Rahmenbedingungen, aufeinander eingespielt, weshalb eine einseitige Reorganisation vermutlich ebenso mit Problemen verbunden wäre. Die wichtige Rolle des Erpressten Zwar sollten bestenfalls beide Partner die Einsicht gewinnen, dass sich die Umgangsformen in der Beziehung neu gestalten müssen, jedoch wird der Ausschlag hierfür nur in seltenen Fällen vom Erpresser kommen. Dieser agiert zumeist unbewusst und sitzt sozusagen am längeren Hebel, weshalb er weniger dazu geneigt sein wird, etwas an der Situation zu verändern. Ganz anders sieht dies für den Erpressten aus: Die ambivalente Gefühlslage wirkt erdrückend, sodass eine Modifikation der Beziehungsstrukturen herbeigesehnt wird. Je nachdem, wie eng die gefühlsmäßige Bindung ist oder wie lange die Partnerschaft schon besteht, wird der Schritt aus der Unzufriedenheit in die Unabhängigkeit entweder über die Trennung oder über die Konfrontation mit dem Partner erfolgen.
  • Einfühlsam auf die Missstände hinweisen
Als Erpresster mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen zu kontern, wäre denkbar ungünstig. Es ist wichtig, dem anderen möglichst einfühlsam zu begegnen und vorsichtig auf die Erpressungssituation hinzuweisen. Am besten möglichst subtil. Dabei sollte vornehmlich auf die eigenen Gefühle eingegangen und beschrieben werden, wie es einem mit der Situation geht. Hierbei sollte stets im Hinterkopf behalten werden, dass der Erpresser selbst “nur” aus Selbstschutz agiert, weshalb entsprechend auch auf seine Gefühlslage eingegangen werden sollte.
  • Das eigene Verhalten kritisch betrachten
Zwar soll die Schuld nicht in Gänze bei sich gesucht werden, jedoch könnte es helfen, kritisch zu reflektieren, ob die Verhaltensweisen des Erpressers in manchen Situationen vielleicht ein Stück weit gerechtfertigt oder zumindest auf eigenes, evtl. unangemessenes Verhalten zurückgeführt werden können. Ist dies der Fall, sollte mit der Veränderung auch bei sich selbst angesetzt und unter Umständen verletzende oder kühle Handlungsweisen zukünftig unterlassen werden.
  • Entscheidungsfreiheit zurückerlangen
Erpresste sind Gewissensbisse in der Regel gewöhnt. Jedoch wäre wichtig, diese abschalten zu lernen. Denn: Sie sind unbegründet! Nicht auf die Manipulationen des Partners einzugehen heißt nicht, dass man ihn nicht liebt und seine Wünsche nicht respektiert. Es bedeutet lediglich, dass Entscheidungen mit freiem Willen getroffen werden. Diese Freiheit zurückzuerlangen ist zum Teil sehr harte Arbeit, da um des lieben Friedens willen häufig eingelenkt wird. Besser wäre aber, standhaft zu bleiben und Dinge nur aus freien Stücken zu tun. Derartiges Verhalten kann einem niemand übel nehmen. Freiwillig geäußerte Liebesbekundungen sind ohnehin viel wertvoller als erzwungene. Das wird auch der Partner irgendwann einsehen.
  • Sich in Geduld üben
Die Erpressungen werden nicht von heute auf morgen aufhören. Über längere Zeit eingeübte Beziehungsmuster sind hartnäckig und entsprechend schwer auflösbar. Daher ist wichtig, sich selbst und auch den anderen nicht unter Druck zu setzen und der Partnerschaft die Zeit zu geben, die sie zur Regeneration braucht. Am besten sollten schon kleine Verbesserungen angemessen wertgeschätzt werden, da dies sowohl einem selbst als auch dem Erpresser gut tut und zeigt, dass das Vorhaben nicht aussichtslos ist.

Beziehungsphasen: Die unterschiedlichen Phasen einer Beziehung

“Wo genau stehen wir eigentlich?” Mit dieser Frage wird fast jeder schon einmal konfrontiert worden sein oder sie gar selbst gestellt haben. Sich damit auseinanderzusetzen, wo in der Beziehung man sich gerade befindet, ist für viele ein sehr wichtiger Aspekt. Die darauf folgende Antwort, so zumindest die Hoffnung, verrät indirekt viel darüber, ob es eine gemeinsame Zukunft geben wird und wenn ja, was sie offenbaren könnte. Immerhin erlaubt die Rückmeldung des anderen eine Einschätzung dahin gehend, ob beide die Beziehung gleich oberflächlich oder tief greifend definieren und somit eine Basis für ein wie auch immer geartetes Zusammensein besteht. Doch nicht nur zu Beginn ist das Wissen um das “Wo stehen wir?” von Bedeutung; auch im Verlauf der Partnerschaft kann es dabei helfen, sich selbst und den anderen besser zu verstehen und das gemeinsame Leben bewusster wahrzunehmen und zu gestalten.

Die Phasen einer Partnerschaft

beziehungsphasenEbenso, wie sich Menschen weiterentwickeln, verändern sich auch Beziehungen im Laufe der Zeit. Idealtypisch können folgende Partnerschaftsphasen unterschieden werden:
  • Schwärmerei
  • Verliebtheit
  • Ernüchterung
  • Turbulenzen
  • Reflexion
  • Integration
  • Stabile Partnerschaft
Die einzelnen Beziehungsphasen können ganz unterschiedlich bezeichnet sein – im Prinzip spielt es auch keine Rolle, welchen Namen sie tragen: Von Bedeutung ist lediglich, was hinter den Begriffen steht und wie sich die jeweilige Phase gestaltet. Die erste Verliebtheit In dieser Beziehungsphase schwingen noch eine Zeit lang die Eindrücke der Schwärmerei mit; jedoch ist alles weniger unsicher. Ob explizit festgelegt oder implizit erschlossen: Das Zugehörigkeitsgefühl ist gegeben, der andere wird als “feste/r Freund/in” vorgestellt. Diese Anfangsphase der Liebe ist von viel Aufgeregtheit und positiver Nervosität geprägt, da alles neu ist und mit dem Partner zum ersten Mal erlebt wird. Eine Übersättigung stellt sich nur selten ein, voneinander genug zu haben ist in dieser Zeit fast unmöglich. Aneinander werden nur die positiven Seiten wahrgenommen, die Gemeinsamkeiten werden hervorgehoben, an eventuellen Unterschieden wird aufrichtiges Interesse bekundet und die Macken des anderen werden als “niedlich” bezeichnet. Schleichend stellt sich eine Art Ernüchterung ein Irgendwann jedoch ist nichts mehr neu, sondern alles allzu bekannt. Die anfängliche Verliebtheit klingt langsam ab und entwickelt sich zu etwas anderem, Tieferen, weniger Aufregendem. Allmählich beginnen auch die Macken des anderen ihren Charme zu verlieren und nerven einfach nur. Unzufriedenheit schleicht sich ein, da die Beziehung im Vergleich zu den ersten Monaten an Pepp verloren hat. Je nach Gestalt der Beziehung kann es vorkommen, dass beide Partner nur noch nebeneinanderher leben oder zu sehr aufeinandersitzen und sich daher eingeschränkt fühlen. Zudem können die Vorstellungen darüber, wie eine dauerhafte Beziehung auszusehen hat, stark divergieren, weshalb Konflikte, Eifersucht, Neid etc. resultieren können. Unzufriedenheit kann in Turbulenzen gipfeln Während in der Phase der Ernüchterung die Erinnerungen an die einstige Verliebtheit noch einiges zu kompensieren in der Lage sind, wird eine Beziehungsphase folgen, in der die beiden Partner ihrer Unzufriedenheit Luft machen müssen – Konflikte sind die Folge: Zwar will aneinander festgehalten werden, jedoch nur zu den individuell festgelegten Bedingungen. Die eventuell existierenden Unterschiede möchten so beigelegt werden, dass sich der eine dem anderen anpasst; dass hieraus Streit entsteht, ist unumgänglich. Jeder möchte für sich das durchsetzen, was seiner subjektiven Ansicht nach das Beste für die Beziehung ist. Reflexion um der Liebe Willen Dass derartige Auseinandersetzungen auf Dauer belastend sind, ist kein Geheimnis. Dessen werden sich auch die Partner bewusst. Wenn sich beide ihrer Gefühle sicher sind und darin einig, zueinander zu gehören, stellt sich die Phase der Reflexion ein. Wenn beide die Turbulenzen satthaben und einsehen, dass diese sie nicht weiterbringen werden, wird konstruktiv darüber diskutiert, was falsch läuft. Es wird Rückschau auf die Anfangszeit gehalten und überlegt, wie es passieren konnte, jenes Stadium in derartige Streitereien münden zu lassen. Die Partner sind bereit, auch ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen, um auf diese Weise zu einem gemeinsamen Konsens zu gelangen. Beide Vorstellungen werden zu einem gemeinsamen Lebensentwurf integriert Die Partner versuchen, die Einstellungen des jeweils anderen nachzuvollziehen. Sie besprechen, was sie vom Leben wollen und was sie sich von der Beziehung erwarten. Beide besinnen sich auf die Tatsache, dass sich eine Partnerschaft im Laufe der Zeit verändert, der Alltag seinen Teil zur Entmystifizierung beiträgt und die Schmetterlinge sich nach einiger Zeit eben verflüchtigen – was aber nichts Schlechtes bedeuten muss: Die Partner erkennen, dass es nicht nur Verliebtheit sein kann, die sie an diesen Punkt ihrer Beziehung gebracht hat, sondern dass ein tieferes Gefühl, die Liebe, das ist, was zählt. Daher fällt es leicht, gewisse Kompromisse einzugehen und beide Vorstellungen derartig zu vereinbaren, um einen Lebensentwurf zu kreieren, der beide Parteien glücklich macht und auf Dauer zufriedenstellt. Eine stabile, liebevolle Partnerschaft Nachdem sich beide einander besonnen haben, ihre Einstellungen zu einem gemeinsamen Lebensentwurf integriert und sich ihren Platz in der Beziehung geschaffen haben, ist eine Art Plateau erreicht. Dies ist jedoch nichts Negatives, da es die Basis einer glücklichen Partnerschaft darstellt. Die Liebe des und zum anderen ist eine Konstante im Leben, die einen bestärkt und den Alltag meistern lässt. An diesem Punkt angelangt, kann ein gemeinsames Leben aufgebaut werden. In derartig reifen Beziehungen geht es nicht mehr ausschließlich um aufregende Momente, Spaß und Leidenschaft, sondern um mehr: Es wird sich umeinander gekümmert, auch hinsichtlich weniger romantischer Belange wie Gesundheit oder Finanzen. Die Partner sind darum bemüht, sich gemeinsam ein gutes Leben zu ermöglichen.

Zirkularität der Beziehungsphasen

Das Plateau der stabilen Partnerschaft ist keineswegs der Endpunkt der Liebe. Die Qualität einer Beziehung wird nicht allein von diesem Gefühl getragen – auch das Umfeld und die Persönlichkeit der beiden Partner nehmen Einfluss auf die Beziehung. Entsprechend kann es im Verlauf der Zeit durchaus zu wiederholten Durchläufen bestimmter Phasen kommen, die z. T. mit den Entwicklungsaufgaben verknüpft sind, die das Leben an die Liebenden stellt:
  • berufliche Veränderungen
  • wirtschaftliche Rückschläge oder drastische Aufschwünge
  • Heirat
  • die Geburt eines Kindes und alle damit verbundenen Aufgaben
  • Krankheiten
  • Verlagerungen des Lebensmittelpunktes
Solche und viele weitere Geschehnisse können zu erneuten Krisen führen, die überwunden werden müssen. Ebenso ist möglich, dass sie zum “zweiten, dritten, vierten etc. Frühling” in der Beziehung führen können. Die Partner verändern sich im Laufe des Lebens, werden älter und reifer. Auch das wirkt auf die Beziehungsdynamik ein; vor allem bei Partnern, die sich in relativ jungen Jahren kennen- und lieben gelernt haben. So, wie die Persönlichkeiten reifen, muss auch die Beziehung wachsen.

Veränderung als notwendige Voraussetzung für Liebe

Die Fähigkeit und Bereitschaft zu Veränderungen ist das, was langjährige Beziehung ausmacht. Dieser Prozess ist unaufhaltsam und sollte einen nicht ängstigen, sondern vielmehr als Notwendigkeit und Chance begriffen werden. Ewig an der ersten Verliebtheit festhalten zu wollen, würde etwas viel Wertvolleres verhindern – nämlich die Liebe. Dieses Gefühl ist unter Umständen zwar weniger leidenschaftlich, jedoch viel tiefer gehend, verlässlicher und vor allem allgegenwärtig. Entsprechend sollte es als Bereicherung aufgefasst und nicht mit Furcht beachtet werden, wenn die Beziehung verschiedene Phasen durchläuft und sich mit der Zeit wandelt. Dieser Prozess ist unumgänglich, notwendig … und absolut erstrebenswert.

Emotionale Abhängigkeit in der Beziehung

emotional abhängigManchmal erscheint die eigene Partnerschaft plötzlich in einem völlig anderen Licht. Zumeist geschieht dies in jenen Situationen, in denen der Partner zum wiederholten Male eben das Verhalten an den Tag legt oder die Worte sagt, von denen er genau weiß, dass sie einen selbst schier zur Verzweiflung bringen. In solchen Momenten stellt sich für einen kurzen Augenblick Klarheit ein: Die Beendigung der Beziehung ist beschlossene Sache; wenn die Liebe keine Zufriedenheit mehr bringt, muss das eigene Glück woanders gesucht werden. Eine spontane Welle der Euphorie schwappt in einem auf … doch dann, wieder ganz plötzlich, kommen die alt bekannten Zweifel:
  • Wer bin ich schon ohne ihn/sie?
  • Was soll ich alleine mit meinem Leben anfangen?
  • Wer sorgt für mich und hilft mir, wenn ich jemanden brauche?
  • Würde ich überhaupt jemanden anderen finden?
  • Könnte ich nochmal eine andere Person so lieben?
Das Bedürfnis, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, ist verschwunden; Zweifel und Angst nehmen überhand. Die kurzweilige Euphorie wird von den Gedanken abgelöst, dass es so schlimm gar nicht ist. Dass die Beziehungsprobleme nur temporär sind, und daher schnell aus der Welt geschafft sein werden. Alle vorherigen Intentionen werden als naiv abgetan, als zu vorschnell und völlig unüberlegt. Schließlich obsiegt die Überzeugung, dass der Partner perfekt für einen selbst ist und ein Existieren ohne ihn völlig abwegig: Es erfordert sicherlich nur ein wenig eigene Anstrengung, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wenn die Liebe zum emotionalen Gefängnis wird

dem Partner verfallenTrotz offenkundiger Unzufriedenheit in der Beziehung ist es für manche Menschen unmöglich, sich vom Partner zu lösen. Eine Trennung erscheint vollkommen unmöglich, da ein Leben ohne den anderen absolut unvorstellbar ist. Im ersten Moment erscheint diese Schilderung keineswegs negativ; immerhin würden viele Beziehungen schon an ersten kleineren Hindernissen zerbrechen, würden die Partner nicht an ihrer Liebe festhalten und daran glauben, dass sie zueinander gehören. Tatsächlich ist es sogar durchaus förderlich für eine Beziehung, wenn die Partner bis zu einem gewissen Grad aufeinander angewiesen sind. Eine wechselseitige Bindung aneinander wirkt stabilisierend; es sollte jedoch stets darauf geachtet werden, dass beide auch unabhängig voneinander Vertrauen in die eigene Person haben und ihre Individualität bewahren. Andernfalls kann eine starke Festlegung auf den Partner bedenkliche Ausmaße annehmen, gar in einer emotionalen Abhängigkeit enden. Als anschauliche, wenn auch drastische Allegorie, könnte die Sucht nach Rauschmitteln imaginiert werden: Instinktiv sind sich Betroffene darüber im Klaren, dass das, was sie tun, ungesund ist; jedoch fühlen sie sich ausgeliefert und sehen keinen Ausweg aus der Abhängigkeit, da das Rauschmittel aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist. In der Regel sind im Falle einer emotionalen Abhängigkeit keine primären körperlichen Folgen zu erwarten, die psychischen Schäden, die verursacht werden, können hingegen immens sein – und zwar für beide Partner.

Wie genau äußert sich emotionale Abhängigkeit?

Im Folgenden einige Beispiele dafür, auf welche Art und Weise eine emotionale Abhängigkeit in Erscheinung treten kann:
  • ständige gedankliche Beschäftigung mit der Beziehung und dem Partner
  • Aufgabe dessen, was einen selbst ausmacht, um dem anderen möglichst gut zu gefallen & ähnlich zu sein
  • das eigene Selbstwertgefühl wird über den Partner definiert
  • Fehler werden hauptsächlich bei sich selbst gesucht
  • der Partner und alles, was er tut, werden idealisiert; er/sie scheint perfekt
  • Konflikten wird ausgewichen und Probleme werden tabuisiert
  • Unruhe, wenn der Partner nicht bei einem ist
  • zum Teil starke Eifersucht, die zumeist Kontrollhandlungen mit sich bringt (Anrufe, Ausspionieren etc.)
  • nur die Gegenwart des Partners scheint erstrebenswert, weshalb zunehmende soziale Isolation resultiert
  • extremes Klammern
  • eine Trennung wird nie ernsthaft in Erwägung gezogen; im Gegenteil: der Gedanke daran ängstigt

Ursachen für die Entstehung emotionaler Abhängigkeit

Unzureichendes Urvertrauen Der Begriff stammt aus der Tiefenpsychologie und bezeichnet ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, das sich bereits in frühen Lebensjahren ausbildet. Es wird gefördert durch stabile, fürsorgliche und verlässliche Bindungen zu den dauerhaften Bezugspersonen. Gut ausgeprägtes Urvertrauen stärkt das eigene Selbstwertgefühl, das Vertrauen auf andere Menschen und das Umfeld im Allgemeinen sowie auf die eigene Person. Ist die Bindung zu Bezugspersonen jedoch von Vernachlässigung, Ambivalenz, Unzuverlässigkeit oder gar Misshandlung geprägt, kann sich das Urvertrauen nicht angemessen ausbilden, was unter anderem auch Bindungsprobleme und den Hang zu emotionaler Abhängigkeit im Erwachsenenalter mit sich bringen kann. Dependente Persönlichkeit Das Vorhandensein einer abhängigen Persönlichkeitsstörung hat ebensolche Symptome zur Folge, wie sie typischerweise im Rahmen einer emotionalen Abhängigkeit auftreten. Der Betroffene klammert sich an den Partner, ist misstrauisch, hat ein nur gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl und starke Trennungsängste; das Verhalten ist passiv, anhänglich und unterwürfig. Freilich, nicht jedem emotional Abhängigen muss gleich eine derartige Diagnose unterstellt werden, häufig jedoch liegt sie dem Erscheinungsbild zugrunde. Auch bei psychisch Gesunden können dependente Persönlichkeitsanteile vorhanden sein, die sie zu emotionaler Abhängigkeit in Beziehungen neigen lassen. In solchen Fällen allerdings bei Weitem nicht so ausgeprägt, wie bei einer Störung. Ablehnung Wurde in der eigenen Lebensgeschichte irgendwann einmal Ablehnung durch Personen erfahren, die einem selbst viel bedeutet haben, kann dies die eigene Bindungsfähigkeit aus dem Gleichgewicht bringen. Stets begleitet einen die Angst, erneut enttäuscht, verlassen oder abgelehnt zu werden. Da bereits erfahren wurde, wie schmerzhaft derartige Anwandlungen sein können, möchte das wiederholte Aufkommen eines derartigen Gefühls tunlichst vermieden werden. Daher wird alles daran gesetzt, Menschen zu halten, die einem etwas bedeuten. Das Vorhandensein solcher Erfahrungen kann die Entwicklung einer emotionalen Abhängigkeit befördern. Falsches Verständnis von Liebe Die Frage, ob Liebe ohne ein gewisses Maß an Abhängigkeit überhaupt funktioniert, kann nur schwierig beantwortet werden. Immerhin ist das Einlassen auf eine Beziehung tatsächlich nie völlig frei von wie auch immer gearteten Abhängigkeiten. Sobald eine ernsthafte Partnerschaft eingegangen wird, entwickelt sich unweigerlich das Gefühl, den anderen für das eigene Glück zu brauchen. Wenn diese eigentlich positive Dependenz nun aber verabsolutiert wird, also keine Individualität und kein Eigenleben mehr zugelassen werden, resultiert unweigerlich emotionale Abhängigkeit. Besteht insgeheim die Überzeugung, dass Beziehungen aus einer derartige Aufopferung oder gar Unterwerfung bestehen müssen, um von wahrer Liebe sprechen zu können, ist das gesunde Maß längst überschritten.

Wege aus dem emotionalen Gefängnis

Ausweg aus der AbhängigkeitHäufig ist Betroffenen das eigene Verhalten nicht oder nur begrenzt bewusst. Daher ist es in Beziehungen wichtig, regelmäßig Bilanz über die eigene Zufriedenheit zu ziehen. In gemeinsamen Gesprächen sollte beiden Partnern erlaubt sein, offen darüber zu sprechen, ob sie sich in der Beziehung noch wohlfühlen, glücklich sind und so weitermachen wollen. Fühlt sich hierbei einer von beiden eingeengt, sollte gemeinsam versucht werden, einen gesunden Mittelweg zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können. Wichtig ist hierbei v. a. den abhängigen Partner ehrlich davon zu überzeugen, dass er geliebt wird und seine Bedenken, plötzlich und ohne Grund verlassen zu werden, unbegründet sind. Von besonderer Bedeutung ist aber, dass zur Eigenständigkeit zurückgefunden wird. Abhängige sollten sich darauf besinnen, was sie ausmacht und öfter das tun, was sie glücklich stimmt. Bestenfalls merken Betroffene schnell, was ihnen entgeht, wenn das Leben ausschließlich auf den Partner reduziert wird. Sie entdecken, wie viel Freude es bringen kann, eigenen Interessen und Hobbys nachzugehen. Außerdem sollte wieder Vertrauen in die eigene Person gewonnen werden. Etwas für sich zu tun oder alleine Dinge zu unternehmen, sollte einen darin bestärken, dass es durchaus möglich ist, sein Leben selbstbestimmt zu meistern – auch ohne Partner. Betroffene sollten sich vergegenwärtigen, wie wertvoll ein Leben in emotionaler Unabhängigkeit ist. Dies schließt überhaupt nicht aus, sich auf die Beziehung und den Partner einzulassen; es bedeutet lediglich, seine Individualität zu bewahren und sich nicht von der Bestätigung oder Anerkennung des Partners abhängig zu machen oder sich an ihn zu klammern. Schließlich ist die Gewissheit, dass der geliebte Mensch aus freien Stücken bei einem ist, viel schöner, als ein Festhalten um jeden Preis.

Partnerschaft und Persönlichkeit: Wer passt zu wem?

glückliches PärchenNicht selten werden Beziehungen folgendermaßen kommentiert: “Die beiden passen so gut zueinander, gleich und gleich gesellt sich eben gerne!” oder “War ja absehbar, dass die beiden zueinander finden. Ich sage es ja schon immer – Gegensätze ziehen sich an!”. Beide Aussprüche haben ihre Berechtigung. Fast jeder wird solche und ähnliche Äußerungen schon des Öfteren gehört oder selbst verwendet haben, wenn es darum ging, die Qualität einer Beziehung einzuschätzen. Die beiden Aussagen muten sehr antagonistisch an, daher wäre interessant zu wissen, welche der Wahrheit entspricht. Geht es in Beziehungen eher darum, sich selbst im anderen wiederzufinden oder doch darum, sich selbst um den Partner zu ergänzen?

Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Partnerschaft

Die Persönlichkeit manifestiert sich in denjenigen Merkmalen und Eigenschaften, in denen sich eine Person konsistent und stabil von anderen unterscheidet. Sie stellt gewissermaßen ein Sammelsurium all dessen dar, was einen Menschen einzigartig macht; sein Temperament, seine Erfahrungen, Einstellungen, Wünsche, Wertvorstellungen etc. Beschließen zwei Menschen, eine Beziehung einzugehen, treffen zwei einzigartige Persönlichkeiten aufeinander. Beide beeinflussen gleichermaßen die Gestalt der Partnerschaft und prägen deren Dynamik. Umgekehrt wirkt auch sie auf die Persönlichkeit der beiden Partner, da die Beziehung als Teil des eigenen Selbst mit in die Lebensgestaltung aufgenommen wird. Dieser Einfluss ist hingegen weniger nachhaltig als jener, den die Persönlichkeit auf die Partnerschaft hat.

Wer passt zueinander?

VerliebtheitUnter Rückbezug auf die eingangs genannten Aussagen, kann nach wie vor festgehalten werden, dass beide Äußerungen zutreffend sind. Allerdings sollte deren Gültigkeitsbereich etwas spezifiziert werden: Zu Beginn einer Beziehung oder auch während einer relativ kurzen Romanze gilt tatsächlich, dass sich “Gegensätze anziehen”. Die Unterschiedlichkeit beider Partner macht den Reiz aus; sich gegenseitig kennenzulernen, gegebenenfalls zu überraschen, gar zu schockieren und dadurch mit neuen Sichtweisen konfrontiert zu werden, ist spannend und weckt Leidenschaft. Auf Dauer führt eben diese Unterschiedlichkeit aber dazu, dass die Beziehung auf keinen gemeinsamen Nenner kommt und sich langfristig nicht stabilisieren kann. Die Vorstellungen beider Partner sind in den Fällen, in denen die wesentlichen Persönlichkeitszüge stark divergieren, einfach zu weit voneinander entfernt. Daher sorgt die anfänglich geschätzte Andersartigkeit vermehrt für Konflikte, was kontraproduktiv für die Stabilität der Beziehung und die wahrgenommenen Zufriedenheit ist. Diese ist dann umso höher, wenn Entsprechungen in Wert- und Normvorstellungen, der Intelligenz oder der physischen Attraktivität existieren. Selbstverständlich kann es auch Ausnahmen geben; wie hoch die Toleranz für Diskrepanz in einer Beziehung ist, ist schließlich ebenso persönlichkeitsabhängig. Tendenziell kann jedoch festgehalten werden, dass sich lieber “gleich und gleich” gesellen sollten.

Annäherung der Persönlichkeiten im Verlauf einer Beziehung

In längeren Beziehungen ist häufig beobachtbar, dass Redewendungen, teilweise auch die Optik oder Hobbies, aneinander angepasst werden. Diese Sachverhalte scheinen ausreichende Indikatoren für die These zu sein, dass sich Partner nach gewisser Zeit immer ähnlicher werden. Studien zeigen jedoch eine Tendenz dahingehend, dass eine grundlegende Anpassung der Persönlichkeitseigenschaften nicht stattfindet. Zumindest nicht objektiv – subjektiv hingegen vollzieht sich ein interessanter Wandel:

Überschätzung der Ähnlichkeit zwischen sich selbst und dem Partner

Pärchen im BettMenschen neigen dazu, ihr Selbstbild auf den Partner zu projizieren. Daher werden sowohl aktuelle Affektzustände als auch überdauernde Persönlichkeitseigenschaften der eigenen Person auf den Partner übertragen. Entsprechend fiel die wahrgenommene Ähnlichkeit in Studien höher aus, als sie de facto war. Dieses Phänomen wird als eine Art Zufriedenheitsgarant erklärt: Davon auszugehen, dass der Partner ähnlich denkt und fühlt, ist schlicht zufriedenstellender als eine konträre Annahme. Und das ist schließlich, was jeder möchte: eine glückliche, von Zufriedenheit geprägte Beziehung führen und in Liebe mit dem Partner vereint sein. Diesem Wunsch, der einen bedeutsamen Bereich des Lebens darstellt, versuchte sich der Soziologe Lee mit seiner Theorie der Liebesstile anzunähern.

Was ist Liebe?

Offensichtlich unterscheiden sich Personen dahingehend, was sie unter Liebe verstehen und wie sie dieses Gefühl gegenüber ihren Partnern ausdrücken. Auch unter diesem Aspekt kann nach dem Einfluss gefragt werden, den die Persönlichkeit auf die Art und Weise hat, wie wir lieben. Viele “Liebesforscher” haben sich mit solchen und ähnlichen Überlegungen auseinandergesetzt. Manche gehen davon aus, dass Liebe schlicht Liebe ist, wobei keine speziellen Äußerungsformen unterschieden werden können. Lee hingegen nimmt an, dass es verschiedene Arten der Liebe gibt: Sechs Liebesstile
  • Eros
  • Ludus
  • Storge
  • Mania
  • Pragma
  • Agape
Die verschiedenen Stile unterscheiden sich hinsichtlich verschiedener Haltungen und Verhaltensweisen gegenüber dem Partner. Eros ist eine sehr romantische Form der Liebe und mit dem gleichzusetzen, was gemeinhin als vollkommene Liebe bezeichnet wird. Ludus hingegen ist durch einen spielerischen Umgang miteinander gekennzeichnet; mehr oder minder mit der Wesensart kurzer Affären gleichzusetzen. Storge als freundschaftliche Liebe herrscht bei denjenigen Beziehungen vor, die sich aus langer Bekanntschaft entwickelt haben; gemeinsame Hobbies und Interessen stehen im Vordergrund; die Sexualität spielt, im Vergleich zu beiden erst genannten, eine eher untergeordnete Rolle. Bei der besitzergreifenden Liebe (Mania) besteht hoher Exklusivitätsanspruch, was mit häufiger Eifersucht einhergeht. In drastischen Fällen wird der Partner als einziger Lebensinhalt gesehen und gleichermaßen als persönlicher Besitz erachtet. Der Liebesstil Pragma basiert auf einer sehr funktionalen Ansicht; die Beziehung soll für beide Partner möglichst profitreich sein und einen gewissen Lebensstandard sichern. Im Falle der altruistische Liebe (Agape) wird das eigene Wohl zugunsten des Partners zurückgestellt; es geht primär darum, die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen und ihn glücklich zu machen.

Liebesstile als Persönlichkeitseigenschaften

Studienergebnisse deuten darauf hin, dass es sich bei den Liebesstilen tatsächlich um relativ stabile Eigenschaften handelt. Entsprechend ist gleichgültig, in welcher Stimmungslage sich ein Mensch befinden oder zu welchem Zeitpunkt seines Lebens er dazu befragt wird – was unter Liebe verstanden und wie sie gezeigt wird, ändert sich nicht. Somit kann eher davon ausgegangen werden, dass unsere Persönlichkeit maßgeblich darüber bestimmt, wie wir lieben. So wäre beispielsweise denkbar, dass…
  • …egoistisch veranlagte Menschen Kontrolle wollen – auch in der Liebe (Mania).
  • …gewissenhafte Menschen in jedem Lebensbereich nach Sicherheit suchen (Pragma).
  • …altruistische und nächstenliebe Menschen andere glücklich machen wollen, v. a. den eigenen Partner (Agape).
Es sind insbesondere diese drei Liebesstile, die auch über verschiedene Partnerschaften hinweg als sehr stabil angesehen werden. Die anderen drei sind etwas flexibler und mehr vom jeweiligen Partner abhängig.

Zusammenhang zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen

Da die Liebesstile in gewisser Weise als Artikulation der persönlichen Eigenschaften angesehen werden können, ist nicht überraschend, dass sich Zusammenhänge zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen zeigen: Unter anderem leben Menschen mit hohem Selbstwert eher die romantische Liebe, während jene mit niedrigem Selbstwertgefühl eher zu besitzergreifenden Formen tendieren. Menschen mit sehr ausgeprägter Neugier und Sensationslust neigen eher zur spielerischen Liebe, ebenso wie sehr extravertierte Personen. Die Liebesstile Agape oder Pragma werden zumeist von sozial einfühlsamen Menschen gezeigt.

Glückliche Beziehungen und Liebesstile

Dank des Wissens um Liebesstile ist möglich, eine gewisse Prognose dahingehend abzugeben, wie zufriedenstellend eine Partnerschaft sein wird. Intuitiv wird jeder einsehen, dass ein sehr besitzergreifender Liebesstil und die spielerische Liebe kaum zueinanderpassen, wohingegen Mania und Agapa sehr wohl funktionieren können. Ähnliches gilt unter anderen für Storge und Pragma oder Eros und Agape. Derartige Kombinationen können helfen, die Beziehung für beide Partner zufriedenstellend zu gestalten. Selbst, wenn es so scheint, als würden Charakter, Persönlichkeit oder Einstellungen nicht zueinander passen, sollte dies kein Grund sein, eine bestehende Partnerschaft abrupt zu beenden: Denn solange beide Partner zufrieden sind, einander lieben und glücklich machen, sollte die Beziehung genossen und nicht auf vermeintliche Unstimmigkeiten hin untersucht werden!

Partnerschaft und Liebe aus psychologischer Sicht

Für die meisten Menschen stellt eine stabile und glückliche Partnerschaft den wichtigsten Bedingungsfaktor für Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden dar. Darüber hinaus kann sie als bedeutende Grundlage für die physische und psychische Gesundheit angesehen werden. Eine solche Beziehung zu finden und aufrechterhalten zu können ist eines der wichtigsten Lebensziele, das Menschen zu erreichen suchen.

Der Mensch – Ein sozial veranlagtes Wesen

liebeIm Laufe ihres Lebens bauen sich Menschen eine Vielzahl an Beziehungen auf. Anschluss zu anderen Personen oder Gruppen zu haben, ist eine wichtige Ressource, die sich förderlich auf eine positive Lebensbewältigung auswirkt. Allerdings scheint diese Art von Beziehung nicht ausreichend, um sich vollkommen zu fühlen. Nahezu jeder kennt das Gefühl der Einsamkeit, das gelegentlich aufkommt, ganz gleich, wie viele Freunde um einen sind. Dies resultiert daraus, dass der Mensch sich nach einer besonderen Person sehnt; nach Liebe und Zuneigung. Daher kommt man nicht umhin sich zu fragen, worin der Unterschied zwischen Freundschaft und Liebesbeziehung besteht. Warum reicht es nicht aus, Freunde zu haben? Warum sehnt sich der Mensch nach einer festen Partnerschaft?

Unterschiede zwischen Freundschaft und Liebesbeziehung

Tatsächlich ist die Definition von Freundschaft aussichtsreicher als jene der Liebe. Erstere wird aus psychologischer Sicht schlichtweg als zweiseitige Beziehung beschrieben; als ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Sympathieverhältnis. Liebe impliziert diese Wechselseitigkeit nicht automatisch. Die emotionale Zuneigung, die für einen anderen empfunden wird, kann erwidert werden – muss aber nicht. Dies ist ein entscheidendes Charakteristikum für Liebesbeziehungen: Die Unsicherheit darüber, ob der eigenen Liebe äquivalente Gefühle entgegengebracht werden oder nicht. Dementsprechend sind Partnerschaften wesentlich exklusiver als Freundschaften.

Was ist Liebe?

Liebe als multidimensionales Konstrukt äußert sich im Denken, Fühlen und Verhalten gegenüber einer anderen Person. Gängige psychologische Theorien gehen von drei grundlegenden Komponenten aus:
  • Intimität
  • Leidenschaft
  • Entscheidung/Verpflichtung
Im Idealfall einer vollkommenen Liebesbeziehung sind alle drei Komponenten gleich stark ausgebildet. Entsprechend sollten Gefühle der Vertrautheit, Verbundenheit und Nähe vorherrschen (Intimität); die Partner sollten sich körperlich zueinander hingezogen fühlen, sexuelle Befriedigung sollte resultieren (Leidenschaft); die beiden Parteien sollten sich bewusst füreinander entschieden haben und langfristig gewillt sein, es gar als Verpflichtung ansehen, diese Liebe aufrechtzuerhalten (Entscheidung). Es wird deutlich, dass es keineswegs als selbstverständlich angesehen werden kann, eine Beziehung zu führen. Die Gefühle des jeweils anderen sind nie garantiert, jeder Einzelne muss aktiv dazu beitragen, dass sich Liebe überhaupt erst entwickelt und letztendlich Bestand hat.

Beziehungsqualität und erfolgreiche Partnerschaften

Aus der Partnerschaftsforschung der letzten Jahrzehnte geht hervor, dass es v. a. vorhandenen Kompetenzen in den Bereichen Stressbewältigung, Kommunikation und Problemlösung sind, welche die Zufriedenheit und die Stabilität einer Beziehung bedingen. Mangelhaft ausgeprägte Fähigkeiten auf diesen Gebieten können schwerwiegende Konflikte mit sich bringen und schlimmstenfalls zur Trennung führen. Das Positive jedoch ist, dass solche Kompetenzen erlernt und ausgebaut werden können. Somit ergibt sich die Chance, an einer Beziehung zu arbeiten und auf deren Gelingen einzuwirken.

Die fünf apokalyptischen Reiter der Liebe

Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich negative Formen der Kommunikation, die in Beziehungen vorkommen und sie schrittweise zerrütten können:
  • Kritik
  • Verachtung
  • Rechtfertigung
  • Rückzug
  • Machtdemonstration
beziehungsstreitDass überhaupt Kritik in Beziehungen geäußert wird, ist gar nicht das Problem. Ganz im Gegenteil: Nur wer weiß, was er falsch macht, kann das entsprechende Verhalten ändern. Allerdings sollte auf das “Wie” der Kritikäußerung geachtet werden.Unbedingt unterlassen werden sollten verallgemeinernde oder verletzende Kritikäußerungen. Häufig verwendeter Zynismus oder Spott gegenüber des Partners ist ein weiterer Punkt, der bestenfalls vermieden werden sollte. Solche Formen der Verachtung haben meist nicht den Nutzen, sich gegenüber vorgebrachter Kritik zu verteidigen, sondern dienen eher der willentlichen Verletzung des Partners. Rechtfertigung vollzieht sich quasi automatisch. Auf Kritik folgt Verteidigung. Die Äußerungen des Partners werden deswegen nicht selten verdreht oder mit eigenen Vorwürfen entkräftet. Auf diese Weise ist die Eskalation des Konfliktes fast schon unausweichlich. Manchmal erscheint es für einen der beiden Partner unmöglich, sich weiter dem Strudel aus Kritik, Verachtung und Rechtfertigung auszusetzen. Hierbei ist wichtig, sich bewusst zu machen, welche Wirkung der Rückzug auf den Partner haben kann. Sich nicht mit Problemen auseinandersetzen zu wollen, suggeriert Gleichgültigkeit und dies kann fatale Folgen für die Beziehung haben. Wird auf Kritikäußerungen mit Machtdemonstration reagiert, ist dies ähnlich fatal, wie die Flucht aus der Situation. Das Hinwegsetzen über die Meinung des anderen, ohne auf dessen Bedürfnisse und Wünsche einzugehen, erweckt gleichsam den Eindruck von Gleichgültigkeit, da auf diese Weise die Meinung des anderen nicht beachtet und auch kein Kompromiss geduldet wird. Deutlich wird, dass es nicht darauf ankommt, einen Streit zu vermeiden. Kritik soll durchaus vorgebracht und zugelassen werden, jedoch ist darauf zu achten, dass dies auf respektvolle und einander wertschätzende Weise passiert.

Empfehlungen für gelingende Liebesbeziehungen

Einer funktionierenden Partnerschaft liegt eine positive emotionale Bindung sowie das beherrschen basaler Kompetenzen (Kommunikation, Problemlösung und Stressbewältigung) zugrunde. Darüber hinaus können vier sogenannte Liebesformeln dazu beitragen, den Erfolg der Partnerschaft zu lancieren:
  • Zuwendung
  • Wir-Gefühl
  • Akzeptanz
  • Aufregung im Alltag
junges pärchen verliebtWichtig ist, dass dem Partner genügend Zuwendung entgegengebracht wird. Hierbei geht es darum, aufmerksam zuzuhören, einander freundlich und respektvoll gegenüberzutreten sowie die Anliegen des Partners ernst zu nehmen. Um ein Wir-Gefühl herzustellen, muss sich um eine gemeinsame Perspektive bemüht werden. Entsprechend sollte die Kosten-Nutzen Abwägung der Beziehung nicht nur aus egoistischer Sicht betrachtet und die eigene “Beziehungs-Bilanz” nicht verabsolutiert werden. Stattdessen sollte besser auf das gemeinsame Wohl geachtet und das getan werden, was gut für beide Seiten ist. Unablässig für eine funktionierende Beziehung ist die bedingungslose Akzeptanz des Partners. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, niemand ist perfekt. Dieses Eingeständnis schützt davor, voreilig aufzugeben an einer Beziehung zu arbeiten und den Partner zu verlassen. Aufregendes im Alltag zu erleben fördert die Zufriedenheit der Beziehung. Studien ergaben, dass jene Paare, die gemeinsam aktiv wurden (z. B. Tanzen, Konzert-/Theaterbesuche, Skifahren oder Bergsteigen) langfristig glücklicher miteinander waren. Daher sollte man die gemeinsame Zeit bewusst nutzen und etwas unternehmen, was beiden Partnern Freude bereitet. Auf diese Weise kann der Alltagstrott aufgebrochen und Abwechslung geschaffen werden. Trotz hoher Scheidungsraten sollte stets vergegenwärtigt werden, dass die meisten Beziehungen funktionieren. Zwar ist es harte Arbeit, eine Partnerschaft über die Jahre hinweg aufrechtzuerhalten, der Mühe lohnt es aber allemal! Schließlich ist der aufrichtig ausgesprochene Satz “wir lieben uns”, eines der schönsten Zugeständnisse, die Menschen einander machen können.