Die Entzauberung der großen Liebe

„Ja renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr. Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.“ (Bertolt Brecht: Lied von der Unzugänglichkeit menschlichen Strebens)

Was ist die große Liebe?

die Große Liebe findenNun wir leben in einer Welt des stetigen Wandels. Jeder sucht die große Liebe. Alle wollen wir sie finden. Das ist allein schon an den unzähligen immer gleichen Hollywoodproduktionen unseres Zeitalters zu erkennen. Sei es nun im Black Swan, in der die schöne Nathalie Portman nicht nur mit ihrer Fantasie, sondern eben auch mit der großen Liebe zu kämpfen hat, oder in den täglichen Serien, wie das deutsche Beispiel: Doctor´s Diary zeigt. Alle haben sie etwas gemeinsam: Die oft vergeblich, immer währende Suche nach der ganz großen Liebe. Dabei geben uns die Filmindustrien ein Image vor:  Der Schauspieler darin ist der hoffnungslose Romantiker, auf der Suche nach der einen und wahren Liebe. Er gibt alles auf, für die große Liebe. Dabei gilt der, der sein Leben, seine Freunde, seine Beziehungen für die große Liebe opfert, als menschlicher, als moralisch vertretbarer, als der, der aus vermeintlich egoistischen Gründen, die Karriere der Liebe vorzieht. Dieses Bild der großen Liebe, das Versprechen, die große Liebe zu finden, umgibt uns tagtäglich. Selbst in Werbeagenturen ist das große Liebe-Image nicht zu übersehen. Während wir alle vorgekaut bekommen, wir sollen uns nach der großen Liebe orientieren und nur dieses als Ziel des Lebens sehen, glauben wir nicht mehr recht daran. Während uns die Filme zeigen, dass das einzig wichtige auf dieser Welt, das Finden der großen Liebe ist, will uns die Wissenschaft zeigen, dass die große Liebe im Prinzip nur Hirngespinsterei sei.  In unserem ewigen Suchen nach der großen Liebe, scheint es, als hätten wir bereits vor dem Beginn der Suche den Glauben daran aufgegeben.

Unserer Welt ist naturwissenschaftlich geworden

Unsere Gedanken sind entfernt von der Romantik. Wir sind verwissenschaftlicht. Und dabei ist es gerade die Biologie und die Psychologie, welche uns klar machen wollen, die große Liebe existiere nicht- sei ein Gedankenkonstrukt, reine Schwindlerei. Wenn Max Weber früher behauptete, es liegt eine Entzauberung der Welt vor, so behaupte ich, wir befinden uns in einer Zeit der Entzauberung der Liebe. Und dennoch sehen wir die Suche nach der großen Liebe als einziges Lebenselixier. Das Problem, die Suche nach der großen Liebe ohne den Glauben an ihr, liegt also in unserer Gesellschaft selbst. In dieser wirren Welt, die uns einerseits glauben lässt, frei zu sein und doch alle Werte vorgibt. Die aus dem Zauber Liebe, welcher in seiner Unendlichkeit niemals erklärt werden kann, ein erklärbare Phänomen, ein Produkt macht. Obwohl der Begriff der Liebe nicht verwissenschaftlicht werden kann, tun wir es trotzdem. Wir benutzten das Image der großen Liebe, welches doch intuitiv die größten Emotionen und Wünsche in uns regt, um daraus Profit zu erwirtschaften. Dabei schafften wir uns nun ein Bild der großen Liebe, hatten diese vermarktet. Diese Vermarktung löst den Zauber der Liebe, die Wirklichkeit der großen Liebe, auf. Und während die Medienindustrie uns immer wieder Image präsentziert, sind wir als Akteure mitten in diesen hastigen Verwirrungen verankert und angepasst. Wir suchen uns das Beste für unser eigenes Leben aus. Wir bauen unser Leben aus Puzzeln zusammen, dabei ist ein kleines Puzzle die Liebe, der Partner, den wir uns so zurechtbasteln, damit unser eigenes Leben ja nicht zerrüttet oder gar verändert werden kann. Man macht Karriere, bis man dreißig ist. Dann muss man einen Partner gefunden haben. Wir wollen ehrgeizig sein, eine Karriere haben. Nicht das cogito ergo est bestimmt unser Leben, sondern: Ich passe mich an, also bin ich, lautet unser Lebensmotto. Wir suchen unser eigenes Glück. So viele Möglichkeiten bieten sich uns an, wenn etwas nicht passt, dann sortieren wir es aus. Wir vergessen es, anstatt es zu hinterfragen. Wir haben vergessen zu reflektieren und uns an den wahren Dingen dieser Welt zu erfreuen.  

Doch sind wir überhaupt noch fähig die große Liebe zu finden?

Wollen wir uns für den Rest unseres Lebens aufopfern, auf der unendlichen Suche nach dem richtigen Partner? Nach dem Menschen, der die Welt der Träume leben lässt. Diese Person, die es schaffen wird,  die Welt der Träume wieder leben zu lassen? Fakt ist: In ist wer erfahren ist. Vor allem der Mann sollte möglichst viele Erfahrungen in Beziehungen haben. Nur dann weiß er angeblich auch, worauf es ankommt, was eine Frau wirklich will. Frauen sollen dabei stets sparsam sein. Das jedenfalls zeigt eine Umfrage junger Studenten der Universität Regensburg. Von zwanzig Befragten, darunter zehn Männer und zehn Frauen, unterschiedlicher Studiengänge, im Alter zwischen zwanzig und dreißig, gaben acht von zehn Männern an, sie bevorzugen unerfahrene Frauen. Das präsentiere eine gewisse Art von Unschuld, von Weiblichkeit. Außerdem solle der Mann wissen wie man eine Frau behandelt und nicht umgekehrt. Selbstbewusste Frauen wirken oft angsteinlösend, überfordern den Mann. Die Frauen reagierten umgekehrt. Sie wünschen sich einen Mann, der weiß was er will. Der bereits Erfahrungen sammelte, der weiß wie man mit Frauen umgeht. Ein hoffnungsloser Romantiker mit jungen sechsundzwanzig Jahren ohne Erfahrungen mit Beziehungen ist also in unserer Gesellschaft ein Versager. Eine Frau, die bereits viele Beziehungen erlebte, gilt als leicht zu haben. Dass dabei der Mann ohne Erfahrungen, ein hoffnungsloser Romantiker, der an die große Liebe glaubt und die Frau, zu oft und schnell unglücklich verliebt war und dennoch den Glauben nicht aufgegeben hat, die große Liebe zu finden, daran denken wir nicht. Wir haften lieber an Studien, an das vorgegebene Ideal, welches besagt, dass man mit dreißig mitten im Leben stehen soll. Karriere gemacht haben und man sich dann vollkommen auf die Familiengründung kümmern soll. Man braucht einen Partner, ein Kind.

Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher.

Während wir sagen, etwas stimmt nicht mit diesen Menschen, vergaßen wir uns selbst zu fragen: Warum diese Vorurteile? Warum dieses immer noch anhaftende Vorurteil des Charakters von Mann und Frau? Kann es nicht sein, dass nicht die Menschen, welche unglücklich suchen, sondern wir selbst, die unbewusst diesen Maßstäben wie Roboter hinterherlaufen, uns fragen müssen, ob es nicht sogar wir sind, mit denen etwas nicht stimmt? Ob es nicht sogar wir sind, die unfähig sind, die große Liebe zu erleben? Wir laufen einer Beziehung der andern hinterher. Wenn eine Beziehung nicht passt, suchen wir uns eine andere. Und dennoch: Indem wir uns heute immer mehr auf die Suche des individuellen Glücks stürzen, übersehen wir das Glück, welches sich uns in der Gegenwart offenbart. Wir müssen lernen, wieder zu versuchen, Probleme in der Partnerschaft auszusprechen, wir müssen offen sein und Verständnis haben. Nicht immer reicht allein das Verständnis aus, das ist klar. Doch wirkt es den Anschein, als wollen wir nur von einer Beziehung in die nächste laufen. Es gibt die große Liebe. Die Liebe zu finden ist Schicksal, doch sie zu behalten ist keines.  Es ist nicht die Frage ob es die große Liebe gibt oder nicht, sondern wie wir daran festhalten, ob wir die Augen dafür bereithalten.  In dieser Welt haben wir vergessen zu träumen und wir haben vergessen zu verstehen. Liebe ist dabei das einzige, was uns träumen lässt und auch verlangt zu verstehen. Es verlangt nicht nur den wunderbaren Schein, des Verliebt-seins. Nein, Liebe verlangt vieles. Sie verlangt Vertrauen und Fürsorge. Sie verlangt  zu kämpfen. Denn nun ist es nicht mehr das Ich-Universum, welches sich in den Kopf dreht, sondern das Du-Universum, welches den Menschen nicht mehr loslässt. Das Du-Universum passt aber so schlecht in unser individualisiertes System, in unserer angepassten Ego-Perspektive. Selbst in der großen Liebe suchen wir nur das Verliebt-sein. Dieses Gefühl ist einfach und schön: Allein verliebt sein, verpflichtet uns zu nichts. Wir können weiter egoistisch leben. Wenn dieses Gefühl nun weiteres verlangt, in Liebe sich verändern kann, dann flüchten wir. Es kostet uns Arbeit, die wir in unsere Karriere verwenden könnten. Wir suchen uns den nächsten Partner, ohne verstanden zu haben, dass wir somit, vielleicht die große Liebe unseres Lebens verloren haben. Und dabei ist sie, das einzige, was den Menschen in seiner irdischen Qual befreien kann, wie es die griechische Mythologie behauptet: Vor unserer Zeit war die Erde rund, sie war absolut harmonisch. Es gab keine unförmigen Menschen, keine groben Gestalten. Alles war Kreis. Die Menschen waren Kreis. Doch dann geschah ein Unglück, alle Menschen wurden geteilt. So fingen die Menschen an auf zwei Beinen zu gehen und mit zwei Händen zu leben. Seit diesem Unglück ist das Glück der Menschen auch verloren gegangen. Es besteht keine Harmonie mehr, welche nur durch glückliche Menschen entstehen kann. Seit diesem Zeitpunkt ist der Mensch auf der Suche nach seiner zweiten Hälfte. Erst wenn alle Menschen ihren anderen Teil wiedergefunden haben, können sie glücklich werden und somit die Weltharmonie erreichen.  Die große Liebe also existiert. Sie ist das Größte, was unser Welt schaffen konnte. Sie vereint Zauber und Realität. Der Zauber wird uns eingeflößt, doch die Realität sind wir selbst. Links zum Thema: Ist Liebe Schicksal? – Artikel im PM Magazin Prof. Dr. Ulrich Mees: Liebe und Verliebtsein Ab wann ist es wahre Liebe? – Artikel auf erdbeerlounge.de

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