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Angst vor Ablehnung: Wie man die Angst vor Abweisung überwindet

Manchmal wäre es sehr hilfreich, zumindest einige Momente in die Zukunft blicken zu können. Insbesondere dann, wenn geplant wird, jemandem seine Gefühle zu offenbaren oder das eigene Interesse zu bekunden. In solchen Situationen ist die Nervosität ohnehin groß genug, sodass jede zusätzliche Unsicherheit zur Folter wird. Insofern der Blick in die Zukunft möglich wäre, könnte die Reaktion des anderen vorher entspannt beobachtet werden – ganz ohne Konsequenzen: Wenn das, was sich abspielt, gefällt, kann getrost in die Gegenwart zurückgekehrt und zur Tat geschritten werden; wenn nicht, kann es dabei belassen und ohne vermeintlichen Gesichtsverlust aufgrund der Ablehnung weitergelebt werden.

Die Phase der Antizipation

Im wahren Leben jedoch vermag niemand in die Zukunft zu blicken. Das Einzige, was dem zumindest im Ansatz ähnelt, ist die gedankliche Vorwegnahme einer Situation. Doch gerade dieser Gedankengang ist es, der die Angst vor Zurückweisung erst so richtig entfacht: Denn das, was sich im eigenen Kopf abspielt, ist zumeist keine neutrale Betrachtung potenzieller Reaktionen des Gegenübers, sondern eine Dramatisierung Sondergleichen. Vom ignoriert oder ausgelacht werden, bis hin zur Bloßstellung oder verbalen Attacke ist wohl alles dabei – nur nicht diejenigen Situationen, die ebenfalls wahrscheinlich und förderlicher für den eigenen Selbstwert wären: wohlwollende Zustimmung oder Erwiderung der Gefühle.

Die Angst vor Zurückweisung

Angst bei der PartnersucheDie meisten Menschen tendieren eher dazu, sich negative Szenarien auszumalen. Bei einigen von ihnen geht es sogar so weit, dass sich das ungute Gefühl der Unsicherheit in akute Angst vor Ablehnung verwandelt. Der Gedanke daran, von einem anderen Menschen zurückgewiesen zu werden, bereitet ihnen Bauchschmerzen – oft im wahrsten Sinne des Wortes. Psychosomatische Beschwerden sind einige der möglichen Symptome, die bei sehr ängstlichen Menschen auftreten können. Hinzu kommt permanente gedankliche Beschäftigung mit der möglichen Zurückweisung und in manchen Fällen gänzlicher sozialer Rückzug. Denn in sehr drastischen Fällen kann die Angst vor Zurückweisung Züge einer sozialen Phobie annehmen: Betroffene fühlen sich minderwertig, weshalb sie davon ausgehen, im sozialen Miteinander nicht bestehen zu können und von anderen abgelehnt zu werden.

Wie Ängste entstehen können

Die Angst vor Zurückweisung muss allerdings nicht zwangsläufig extrem stark ausgeprägt sein. Oft äußert sie sich nur in einem unguten Gefühl, dass einen viel zu oft daran hindert, Situationen anzugehen (z. B. jemanden in einer Diskothek ansprechen oder jemanden seine Gefühle offenbaren) bzw. sie nur unter erheblicher Nervosität bewältigen lässt. Egal, wie stark die Angst vor Zurückweisung letztlich ausgeprägt ist: Deren Entstehungsgründe sind zumeist sehr ähnlich.
  • Schlechte Beziehungserfahrungen in der Vergangenheit
Beispielsweise können ungute Erfahrungen in vergangenen Beziehungen dazu führen, dass potenziellen oder aktuellen Partnern gleiche Verhaltenstendenzen unterstellt werden, die die Angst vor Ablehnung antreiben.
  • Ablehnungserlebnisse in anderen Lebensbereichen
Wer beispielsweise im Beruf häufig mit Zurückweisungen zurechtkommen musste, kann die Angst vor Wiederholungen unter Umständen auch auf andere Bereiche übertragen. Entsprechend können schlechte Erfahrungen mit Vorgesetzten oder Kollegen, ebenso, wie ungute Erfahrungen mit Ex-Partnern, dazu führen, dass Ablehnung erwartet wird.
  • Mangelndes Selbstbewusstsein
Denkbar ist auch, dass Betroffene sich selbst nicht genug zutrauen und ein eher gering ausgeprägtes Selbstvertrauen haben, sich vielleicht gar minderwertig fühlen. Dass Menschen, die sich selbst nicht annehmen können, wie sie sind, anzweifeln, dass andere es tun könnten, erscheint plausibel. Daher ist ebenso nachvollziehbar, dass Betroffene die Ablehnung durch andere fürchten und davon im sozialen Miteinander gehemmt werden.
  • Ein komplexes Ursachengefüge
Alle bisher genannten Gründe hängen eng zusammen. So können selbstbewusste Menschen mit Zurückweisungen in der Liebe oder Ablehnungen im Job unter Umständen leichter umgehen. Sie projizieren derartige Erfahrungen nicht automatisch auf zukünftige Begegnungen, sondern sind in der Lage, Ursachen für Misserfolge auf externale Ursachen zurückzuführen (z. B. “Wir haben ohnehin nicht zusammengepasst” oder “Wenn ich ihm/ihr nicht gefalle macht das nichts, er/sie steht eben auf einen anderen Typ” usw.). Dementgegen neigen Menschen mit weniger stark ausgeprägtem Selbstvertrauen eher dazu, Rückschläge internal zu attribuieren (z. B. “Kein Wunder, dass er/sie sich getrennt hat, ich bin nicht liebenswert” oder “War ja klar, dass er/sie mir einen Korb gibt, ich habe es einfach nicht drauf” usw.). Sie fühlen sich stets selbst in der Verantwortung, weshalb potenzielle Zurückweisungen als noch bedrohlicher erlebt werden.
  • Die Bindung in der frühen Kindheit
Mitunter können derartige Ängste auch auf einen unsicheren Bindungsstil zurückgeführt werden. Wer seine Eltern in frühster Kindheit als eher unzuverlässig, wenig liebevoll oder zurückweisend erlebt hat und die kindlichen Bedürfnisse nicht angemessen befriedigt wurden, können sich derartige Gefühle bis in das Erwachsenenalter erhalten. Das Verhalten, das einst von den Bezugspersonen wahrgenommen wurde, wird auch von anderen erwartet. Angst vor Ablehnung kann somit zu einer unangenehmen Konstante im Leben werden.

Schutzraum oder Käfig – Wo liegt die Grenze zur Normalität?

Ängste überwinden - Angstfrei lebenEin gewisses Maß an Ängstlichkeit ist hingegen normal und durchaus positiv zu bewerten. Immerhin ist Angst eine natürliche Reaktion des Organismus, die den Menschen darauf vorbereitet, dass etwas passieren wird oder zumindest passieren könnte. Entsprechend ist das Gefühl sehr wichtig, da es davor bewahren kann, unkalkulierbare Risiken einzugehen und sich selbst zu überschätzen. Zu stark ausgeprägt jedoch, entwickelt sich diese Schutzfunktion zu einem Käfig, der Betroffene vom Leben zurückhält und sie in gewisser Hinsicht dazu verdammt, andere durch die Gitterstäbe ihrer Furcht zu betrachten. Belastend wird übersteigerte Angst vor Zurückweisung dann, wenn persönlicher Leidensdruck besteht und das ungute Gefühl einen tatsächlich daran hindert, Kontakt zu (fremden) Menschen aufzunehmen. Wer ständig darüber nachdenkt, welche Reaktionen diese oder jene Äußerung beim Gegenüber auslösen könnte und ob der andere die eigenen Verhaltensweisen akzeptieren wird oder nicht, ist in der Interaktion stark eingeschränkt. In solch akuten Fällen ist ratsam, eine professionelle Beratung oder gar eine Therapie in Anspruch zu nehmen, da auf diese Weise das Problem angegangen und bestenfalls dauerhaft gelöst werden kann. Sich Hilfe zu suchen erfordert zwar etwas Überwindung, verbessert die Lebensqualität jedoch erheblich.

Selbsthilfe – Wege aus dem Käfig

  • Entkatastrophisieren
Wenn bestimmte Situationen (z. B. das Ansprechen eines interessanten Menschen) antizipiert werden, werden häufig die schlimmsten Szenarien ausgemalt und der Gedanke (und das Vorhaben) umgehend abgebrochen. Es kann aber helfen, das Szenario kurz weiterzudenken: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? – Vielleicht hat die Person kein Interesse und dreht sich weg?! Vielleicht lacht sie kurz auf, da sie sich (arroganter weise) für etwas Besseres hält?! – Und dann? Naja, dann geht das Leben ohne bleibende Schäden weiter und man spricht eben die nächste Person an.
  • Situationen bewusst aufsuchen
Wenn die Maßnahmen zur Entkatastrophisierung langsam Früchte tragen, kann ein nächster Schritt gemacht werden: Sich solchen Situationen aussetzen, in denen Zurückweisung gefürchtet wird. Denn nur, wenn immer wieder am eigenen Leib erfahren wird, dass nichts Schlimmes dabei ist und garantiert nicht immer Ablehnung resultiert, kann die Angst abgebaut werden. Die eigenen Erwartungen sind oft viel schlimmer als die Realität. Wer es ausprobiert, wird das schnell merken.
  • Positives Zureden und Gedankenstopp
Immer dann, wenn sich Gedanken einschleichen, die darum kreisen, wie schmerzlich eine Zurückweisung wäre, sollte “STOPP” gedacht werden. Solche Gedanken sollten besser nicht zugelassen werden, da sie einen nur unnötig herunterziehen. Vielmehr sollten solche Gedanken produziert werden, die einen positiv beeinflussen können: “Ich bin liebenswert, ich kann das schaffen!” Wer so denkt, wird langfristig auch so handeln, das positive Gefühl ausstrahlen und dadurch seine Mitmenschen mitreißen.
  • Selbstvertrauen aufbauen
Ein Unterfangen, das zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist. Ein Allheilmittel existiert leider nicht. Vertrauen in sich selbst muss ebenso mühsam aufgebaut werden, wie dasjenige in andere Menschen. Unter Umständen hilft es, mit guten Freunden oder der Familie zu reden und sich einige Dinge aufzählen zu lassen, die sie gut an einem finden. Wenn dem kein Glaube geschenkt werden will, kann man selbst eine Liste aufstellen, auf die alles geschrieben wird, was in letzter Zeit gut gelaufen ist; Dinge, die man gut kann und an sich selbst mag. Kreative können sich vorstellen, eine Rolle zu spielen: Der Charakter ist unglaublich selbstbewusst und meistert jede Flirtsituation. Wenn etwas schiefgeht, war es lediglich der fiktive Charakter, der “nicht angekommen ist”; und wenn er denn doch ankommt, können seine Verhaltensweisen in die eigene Persönlichkeit integriert werden, was langfristig selbstbewusster machen kann. Einen Versuch ist es allemal wert!

Unglücklich verliebt: einseitige Liebe überwinden

Die einseitige Liebe ist etwas, was jeder kennt und alle von uns bereits mindestens einmal erlebt haben. Es ist der Herzschmerz, der nicht nachlässt, die Hoffnungslosigkeit, die alles um einen herum zu verschlingen scheint. Es ist ein Gefühl, als wäre eine gesamte Welt um einen herum in die Brüche gegangen. Es gibt mehrere Wege, den Schmerz zu beenden und zurück in das Leben zu kommen. Die beste und sicherste Methode beinhaltet dabei mehrere Schritte:

1. Den Schmerz zulassen

DepressionenDer Liebeskummer gehört zum Ende einer Liebe dazu. Er ist ein Teil der emotionalen Ablösung, die erforderlich ist, um die hoffnungslose Verliebtheit zu überwinden. Der Liebeskummer ist notwendig, um emotionell einen sauberen Schlussstrich ziehen zu können. Daher ist es von großer Bedeutung, den Schmerz, der aus den unerwiderten Gefühlen erwächst, bewusst zuzulassen. Seien Sie traurig, denn eine unerwiderte Liebe ist schmerzvoll. Sie brauchen es nicht zu verleugnen. Sie können es zugeben und Sie dürfen es zugeben. Der Liebeskummer ist ein emotionales Abschiednehmen von einer Liebe, die hätte sein können, die aber nie passiert ist. Jedoch ist es ein wichtiger Abschied mit all dem Schmerz und der Trauer, die jedem Abschied eigen sind. Es ist ein Abschied mit allen Gefühlen, die dazu gehören. Lassen Sie daher den Schmerz zu.

2. Die Zeit für die Trauer beschränken

liebeskummerDie Trauerphase, wie wichtig diese auch ist, kann nicht endlos dauern. Setzen Sie daher eine Zeit fest, in der Sie sich von der nicht stattgefundenen Beziehung verabschieden. Es können eine Woche, 14 Tage oder vier Wochen sein. Entscheiden Sie sich für eine Zeitspanne und halten Sie den Tag, an dem die Trauerfrist zu Ende ist, immer vor Augen. Jeden Tag, wenn Sie an die unerfüllte Liebe denken, erinnern Sie sich daran, wie lang Ihre Trauerphase noch zu laufen hat. Auf diese Weise knüpfen Sie an den emotionellen Schmerz, den Sie verspüren, gleichzeitig einen sehr nüchternen und rationalen Gedanken an. Dieser Gedanke wird sich jeden Tag Stück um Stück in Ihrem Bewusstsein verfestigen und für Sie zu einem rettenden Anker in Zeiten des großen Gefühlssturms werden. Mit der Zeit werden Sie feststellen, dass jedes Mal, wenn Sie sich wieder von Trauer, Verzweiflung und Schmerz überwältigt fühlen, Sie bereits automatisch daran denken, dass es nur noch eine bestimmte Anzahl von Tagen dauert, bis die Trauerphase vorbei ist. Mit jedem Tag, der vergeht, wird die Anzahl von Tagen, die Sie noch durchzuhalten haben, kleiner und kleiner. Wenn es nur noch wenige geblieben sind, werden Sie feststellen, dass Sie sich auf die Zeit nach der Trauerphase zu freuen beginnen. Jeden Tag ein kleines Stück mehr. Die Freude darüber, dass die Zeit bald vorbei ist, wird gegen Ende der festgelegten Zeitspanne stärker und stärker werden. Sie werden das Gefühl haben, als würden Sie langsam zum Ende eines langen Weges kommen. Und dies tun Sie dann auch. Sie kommen zu dem Ende Ihrer Trauerzeit, zum Ende von Schmerz und zum Ende von Tränen.

3. Die Trauer abschließen

Ist die Trauerzeit vorbei, werden Sie sich erleichtert und glücklich fühlen. Sie werden die Trauer nicht vergessen, denn sie gehört zu Ihrer ganz persönlichen Geschichte. Sie werden sich auch an den Menschen, in den Sie verliebt waren, erinnern. Dies geschieht dann jedoch ohne Schmerz und ohne Traurigkeit. Sie werden an ihn als an einen Teil ihrer individuellen Geschichte denken, die Sie erlebt und nun hinter sich gelassen haben. Wenn Sie ihn sehen, kann es sein, dass Sie am Anfang einen leichten Stich verspüren, der Sie an das vergangene Leid erinnert. Das Gefühl wird aber sehr schnell nachlassen und dann vollständig verschwinden. Die Hauptsache, an die Sie sich erinnern werden, wird sein, dass Sie die Trauer überstanden haben. Dies wird der Gedanke sein, den Sie immer im Hintergrund haben werden, wenn Sie der Person wieder begegnen.

4. Ein neues Leben beginnen

Mit dem Ende der alten Gefühle eröffnen Sie sich den Weg für eine neue Liebe. Sie können einen Menschen aussuchen, in den Sie sich wieder verlieben können und der Sie liebt. Sie können voller Selbstvertrauen und Zuversicht in eine neue Beziehung hineingehen, denn Sie wissen, dass Sie sich vor Liebeskummer nicht zu fürchten brauchen. Es ist ein wichtiger Prozess, der zum Ende einer Beziehung gehört, um den Weg für eine neue Liebe zu ebnen.   Links zum Thema: Auf bildderfrau.de gibt es einen Test zum Thema, der auch Strategien aufzeigt, wie man aus der Herzschmerzfalle ausbrechen kann: >> hier geht’s zum Test Weitere hilfreiche Tipps und Ratgeber wie man seinen Liebeskummer überwinden kann, gibt es auf www.helpster.de Falls der Schmerz nicht nachlässt und anfängt Ihr Leben zu bestimmen, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt Psychologen, die bereits auf das Thema Liebeskummer spezialisiert sind und viel Erfahrung auf dem Gebiet haben. Mögliche Ansprechpartner und Adressen finden Sie hier    

Selbstliebe: Sich selbst lieben lernen

Auf ein “Ich liebe dich” mit etwas wie “Oh, kann ich verstehen, ich mich auch” zu antworten, würde niemandem auch nur im Traum einfallen. Zu groß wäre die Angst vor Sanktionen – denn nahezu jeder assoziiert mit derart selbstverliebten Menschen den Narziss aus der griechischen Mythologie: Dieser war so angetan von seinem Spiegelbild im Wasser, dass er, bei dem Versuch, die liebliche Gestalt im Wasser zu küssen, in den Teich fiel, und ertrank …

Selbstliebe darf nicht mit Narzissmus gleichgesetzt werden

Ich mag michDer Begriff Narzissmus ist eher negativ konnotiert; nicht selten wird er mit Attributen wie Egoismus oder Egozentrik assoziiert. Manch einer mag den Ausdruck gar mit einer Persönlichkeitsstörung in Verbindung setzen, und zwar im Sinne einer krankhaften Selbstverherrlichung oder eines unangemessenen Größenwahns bezüglich der eigenen Person. Selbstliebe hingegen sollte mit nichts dergleichen in Zusammenhang gebracht werden – denn sie ist durchweg positiv zu bewerten und vor allem lebensnotwendig! Leider lassen gängige Wertvorstellungen eine derartige Eigenliebe häufig nicht zu. Es kommt viel zu oft vor, dass Menschen mit positivem Selbstwertgefühl denunziert und als arrogant oder egoistisch bezeichnet werden, wenn sie ihrer Einstellung zu sich selbst nach außen hin Ausdruck verleihen. Altruismus hingegen wird gefeiert. Selbstaufopferung erscheint als Maß aller Dinge: Wer nett zu anderen ist, sich stets hilfsbereit zeigt und eine positive Meinung von seinen Mitmenschen hat, wird als sympathisch und sozial verträglich bezeichnet. Andere zu lieben ist gesellschaftlich anerkannt – sich selbst zu lieben und das zu demonstrieren scheint weniger gut in die Glaubenssätze zu passen. Doch eben ein solche Einstellung zu sich selbst ist von enormer Importanz – sowohl für das eigene Wohlbefinden als auch für die Gestaltung befriedigender Sozialbeziehungen.

Was ist unter Selbstwertgefühl zu verstehen?

sich selbst liebenDer Mensch sammelt im Laufe seines Lebens vielfältige Erfahrungen – so auch über die eigene Person. Daher entwickelt jeder mit der Zeit ein bestimmtes Bild von sich selbst. Das sogenannte Selbstkonzept kann als eine Art Modell verstanden werden, das die Person über sich, ihre Fähigkeiten, ihr Erscheinungsbild, ihre Wirkungsweise etc. gebildet hat. Je nachdem, ob die Person dieses Selbstbild als gut oder schlecht bewertet, kann von positivem bzw. negativem Selbstwertgefühl gesprochen werden. Menschen mit positivem Selbstwertgefühl sind mit sich selbst, ihrer Optik, ihren Kompetenzen, ihren Einstellungen – schlichtweg mit der eigenen Person – zufrieden und sind sich selbst gegenüber wohlwollend gestimmt. Von dieser Warte aus betrachtet, verliert der Begriff der Selbstliebe seinen negativen Beiklang, denn in einem derartigen Bezugsrahmen erscheint es überaus erstrebenswert, eine solche Meinung von sich selbst zu haben.

Auf sich selbst vertrauen

Ein Nebeneffekt von wohlwollend ausgeprägtem Selbstwertgefühl ist, dass diese Personen in der Regel auch ein hohes Selbstvertrauen besitzen. Wenn ich von mir selbst überzeugt bin und mich liebe, wie ich bin, spricht immerhin nichts dagegen, auch auf mich und meine Fähigkeiten zu vertrauen. Von sich selbst überzeugte Menschen haben den Vorteil, mit weniger Furcht in die Zukunft blicken zu können, da sie sich auf ihre Fähigkeiten verlassen und entsprechend daran glauben, jedweder Herausforderung entgegentreten und sie bewältigen zu können. Selbstvertrauen bereichert und erleichtert das Leben – und dazu gehört auch, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, Beziehungen aufzubauen und sich zu verlieben.

Sich selbst und andere lieben – worin besteht die Gemeinsamkeit?

Ein jeder kennt den Ausspruch “Nur wer sich selbst liebt, ist auch in der Lage, andere zu lieben” – und das ist tatsächlich wahr: Wer mit sich selbst unzufrieden ist und Zweifel daran hat, liebenswert zu sein, trägt dieses Gefühl nach außen und beeinflusst damit auch seine Mitmenschen …
  • “Ich habe dich überhaupt nicht verdient!”
  • “Warum liebst du mich überhaupt?”
  • “Ich bin es gar nicht wert, dass du so gut zu mir bist!”
  • “Du musst wirklich keine Rücksicht auf mich nehmen, ich bin nur froh, dass ich dich habe!”
… Solche und ähnliche Aussagen zeugen davon, wie wenig eigentlich von der eigenen Person gehalten wird. Derartige Selbstzweifel wirken sich natürlich auch auf die Beziehung aus und schränken das Miteinander in nicht unerheblichem Maße ein. Menschen mit geringem Selbstwertgefühl nehmen sich darüber hinaus auch schon häufig vor dem Beginn einer Partnerschaft aus dem Spiel. Denn wem es an Selbstbewusstsein mangelt, dem mangelt es in der Regel auch an der Vorstellungskraft, dass andere einen lieben könnten. Wie auch, wenn man sich selbst so gar nicht leiden kann?! Daher ist Folgendes unerlässlich: Jeder sollte es zulassen, sich selbst zu lieben! Davon profitieren nicht nur andere, sondern, und das ist am Wichtigsten, vor allem die eigene Person:
  • “Ich habe verdient, glücklich zu sein!”
  • “Ich bin liebenswert!”
  • “Ich bin es wert, gut behandelt zu werden!”
  • “Mein Partner kann sich glücklich schätzen, mich zu haben. Wir harmonieren hervorragend!”
Derartige Äußerungen hören sich schon wesentlich besser an. Niemand hat nötig, sich für andere klein zu machen, Selbstmitgefühl ist absolut angebracht. Außerdem haben solche Aussagen den positiven Nebeneffekt, dass sie bei wiederholter Verinnerlichung wesentlich dazu beitragen können, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Nicht nur das: Langfristig wird auch das Selbstbewusstsein gesteigert und somit die Art und Weise der Selbstdarstellung. So einfach ist es jedoch nicht immer: Zum einen sind in zu vielen Köpfen die Glaubensmuster verankert, dass sich ein zu ausgeprägtes Selbstbewusstsein nicht schickt. Zum anderen nagen Selbstzweifel und vermeintliche Unzulänglichkeiten zu sehr an der Liebe zu sich selbst, als dass positive Selbstinstruktion alleine etwas daran ändern könnte.

Verschiedene Möglichkeiten, sein Selbstwertgefühl zu steigern

selbstwertgefühl steigernVergleiche mit anderen gänzlich vermeiden, zumindest jedoch abwärts richten Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein bugsieren sich selbst zu oft in den Schatten eines anderen. Im Vergleich zu sehr erfolgreichen Freunden, überaus glücklich verheirateten Geschwistern oder extrem kultivierten Nachbarn, wirkt das eigene Leben schnell mal trist und sinnlos. Daher sollten soziale Vergleiche tunlichst vermieden werden. Schließlich kommt es einzig und allein darauf an, ob einen selbst seine Lebensumständen zufrieden stimmen. Was andere erreicht haben oder für erstrebenswert befinden, sollte das eigene Selbstwertgefühl unangetastet lassen! Wenn schon vergleichen, dann bitte in die entgegengesetzte Richtung: Zwar ist es prinzipiell nicht die feine Art, sich an dem zu “erfreuen”, was anderen misslungen ist – hin und wieder kann es jedoch förderlich für das eigene Selbst sein. Dadurch wird möglich, sich selbst in ein gutes Licht zu rücken und darin zu bestärken, dass alles doch eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie ursprünglich gedacht. Regelmäßig nach Stärken und Ressourcen suchen Es kann das eigene Selbstvertrauen ungemein stärken, wenn regelmäßig vergegenwärtigt wird, was die persönlichen Stärken sind. Oftmals geniert man sich, diese offen zuzugeben; sich selbst schlecht machen fällt einem erstaunlicherweise viel leichter. Aber: Jeder Mensch kann etwas besonders gut, daran besteht kein Zweifel. Um die eigenen Ressourcen ausfindig zu machen, kann es helfen, einen kurzen Zeitabschnitt etwas genauer zu betrachten. Zum Beispiel die zurückliegende Woche:
  • “Was habe ich in der letzten Zeit besonders gut, vielleicht sogar besser als andere, gemacht?”
  • “Wann war ich warum stolz auf mich?”
  • “Für welche Leistung habe ich Lob von anderen bekommen?”
Sich seine eigenen Stärken regelmäßig zu verinnerlichen hilft auf Dauer, das Vertrauen in und die Sympathie für das eigene Selbst zu fördern. Sich von unerreichbaren Idealen verabschieden Unzufriedenheit mit der eigenen Person resultiert häufig daraus, dass der wahrgenommene Ist-Zustand zu sehr von einem erwünschten Idealzustand abweicht. Wie dieser definiert ist, unterscheidet sich interindividuell. Natürlich ist es wichtig, Ziele und Träume im Leben zu haben, die irgendwann verwirklicht werden wollen – schließlich sind es diese, die uns Menschen vor einem Stillstand bewahren. Für das Selbstwertgefühl können sie jedoch dann zur Bedrohung werden, wenn sie unerreichbar sind. Daher sollte regelmäßig der Mut aufgebracht werden, Lebensentwürfe kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls etwas anzupassen. Denn nur, wenn hin und wieder Erfolge erzielt werden, profitiert das Selbstbewusstsein. Vertraute nach ihrer Meinung fragen Jeder wird geliebt; sei es drum, ob diese Liebe von Freunden, engen Arbeitskollegen oder der Familie kommt: All diese Menschen haben einen, vermutlich sogar mehrere Gründe dafür parat, warum sie einen selbst für liebenswert erachten. Den Mut zu finden, solche Vertraute nach ihrer Meinung zu fragen, ist Balsam für die Seele. Derartige Zusprüche sollten der Beweis dafür sein, dass es nicht verwerflich ist, von sich selbst überzeugt zu sein. Was spricht dagegen, sich selbst zu lieben, wenn es auch andere tun? Sich selbst zu lieben meint nicht Selbstbeweihräucherung zu betreiben oder mit dem zu prahlen, was man ist und kann. Es soll auch nicht beinhalten, andere schlecht zu machen, weil sie im Vergleich zu einem selbst, als weniger wert erscheinen. Wer sich selbst liebt, läuft nicht automatisch Gefahr, sich, wie Narziss, in sich selbst zu verlieren und zu “ertrinken”. Selbstliebe ist nicht verwerflich. Im Gegenteil: Sie ist notwendig, um ein glückliches Leben zu führen. Mit sich selbst im Reinen zu sein, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und sich selbst zu respektieren ist überaus wichtig. Nicht zuletzt dafür, um anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, Teil des eigenen Lebens zu werden und ihnen gar zu erlauben, einen selbst zu lieben.